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Serien-Kritiken

Akudama Drive

Sieben Superschurken zerstören im ersten Anime der Danganronpa- und Zero-Escape-Erfinder die Ordnung der heilen Welt.

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©Pierrot,TooKyoGames/Akudama Drive Production Committee

Too Kyo Games ist das Entwicklerstudio von Kazutaka Kodaka (Danganronpa) und Kotaro Uchikoshi (Zero-Escape-Reihe). Die beiden Entwickler haben sich vor über zwei Jahren selbstständig gemacht und probieren sich nun an kleineren Vorhaben in unterschiedlichen Medien. Mit Death Come True hat das Studio 2020 ein FMV-Abenteuer im Spielfilmformat veröffentlicht, auch das Mobile Game World's End Club stammt von den kreativen Entwicklern. Nun ist der erste Anime des Studios ausgestrahlt worden, eine zwölf Episoden starke Actionserie mit spannendem Sci-Fi-Setting.

Akudama Drive spielt überwiegend in der Metropole Kansai, die den Befehlen der Region Kanto untergeordnet ist. Die Stadt wird nicht gerade als strahlender Ort inszeniert, doch die Menschen kommen natürlich trotzdem irgendwie über die Runden. Diese Welt kämpft darum, die Ordnung aufrecht zu erhalten, deshalb werden besonders gefährliche Schurken zum Beispiel öffentlich hingerichtet. Den strikten Ordnungskräften dieser dystopischen Zukunftsvision stehen klassische Bösewichte mit überlebensgroßen Fähigkeiten gegenüber, die für einen besonderen Auftrag zusammenarbeiten müssen.

Die Gruppe besteht aus insgesamt sieben Verbrechern der Super-S-Klasse, die jeweils übermenschliche Talente mitbringen. Normale Personen und die Polizei Kansais hat keine Chance gegen diese Schurken, deshalb gibt es das sogenannte Exekutionskomitee - eine Spezialeinheit, die verurteilte Gangster an Ort und Stelle hinrichten darf. Das politische Zusammenspiel zwischen allen Parteien wird regelmäßig thematisiert, um uns Veränderungen in der Welt von Akudama Drive aufzuzeigen. Das alles ordnet sich jedoch stets dem zentralen Quest unserer Gruppe unter.

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©Pierrot,TooKyoGames/Akudama Drive Production Committee

Im Zentrum ist Akudama Drive eine charaktergetriebene Geschichte, die vor allem durch die Rolle der Betrügerin zu glänzen weiß. Die junge Dame wird als unbeteiligte Person in einen gefährlichen Auftrag hineingezogen, der nur von den begabtesten Banditen dieser Welt ausgeführt werden kann. Um in dieser außergewöhnlichen Lage zu überleben, muss sie notgedrungen eine Lüge aufrechterhalten und das gelingt ihr aus verschiedenen Gründen überraschend gut. Ihre Entwicklung wird glaubhaft und beeindruckend begleitet, was leider nicht auf den gesamten Cast zutrifft. Einigen Charakteren wird kaum bis kein Platz für persönliches Wachstum gelassen, doch wir erfahren im Laufe der zwölf Episoden zumindest stetig mehr über die Motivation und die Vergangenheit aller beteiligten Akteure.

Akudama Drive läuft auf zwei wesentliche Ereignisse hinaus. In der ersten Hälfte werden die Figuren vorgestellt und wir sehen die Charaktere bei einem großen Coup als Gruppe zusammen in Aktion. Im Anschluss daran fällt die brennende Welt im beeindruckenden Finale wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Die unfreiwillige Gruppe der charakterstaken Einzelgänger wird mit einem überschaubaren Konflikt konfrontiert, der sehr sicher, aber gleichzeitig eben auch sehr solide heruntergespielt wird. Der zentrale Konfliktpunkt, sprich die Unterdrückung individueller Freiheit, dürfte vielen von uns bekannt vorkommen. Akudama Drive hat dem Thema nur wenig hinzuzufügen und geht erzählerisch auf Nummer sicher.

Der visuelle Stil von Studio Pierrot ist insgesamt eine ziemlich runde Sache geworden. Die futuristische Stadt von Kansai überzeugt vor allem in der ersten Hälfte mit auffälligen Vistas und technologischen Bildern. Später wird die glänzende Neon-Kulisse ausgetauscht, weil sich Kämpfe und andere Bereiche dieser Welt zunehmend in den Vordergrund drängen. Auffällig ist der enorme Gewaltgrad, der zumindest in der geschnittenen Version, die ich gesehen habe, mit störenden Schwarzblenden einhergeht. Da das Material aber ab 16 Jahren freigegeben ist, dürfte die Entschärfung verstörender Szenen verständlich sein.

Akudama Drive
©Pierrot,TooKyoGames/Akudama Drive Production Committee
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©Pierrot,TooKyoGames/Akudama Drive Production Committee

Da die Superschurken ganz unterschiedliche Fähigkeiten besitzen, sind die Auseinandersetzungen zwischen ihnen nur selten ein klassisches Kräftemessen. Viele Animationen übertragen das Gefühl enormer Kraft und überragender Wendigkeit, was in sehr dynamischen Sequenzen eingefangen wird. High-Tech-Waffen, wie das Motorrad des Schmugglers oder die Lichtkurzschwerter des Exekutionskomitees, ergeben zudem spektakuläre Lichteffekte, die gerne in Momentaufnahmen eingefangen werden.

Beim Figuren-Design werden die Danganronpa-Einflüsse des Zeichners Rui Komatsuzaki deutlich, der die Vorlagen der Charaktere lieferte. Die Künstlerin Cindy H. Yamauchi hat diese Ideen zum Leben erweckt und dabei ebenfalls sehr gute Arbeit geleistet. Ab und zu sehen wir diese sehr bunten 2D-Sprites, die Informationen über einen bestimmten Charakter zusammenfassen. Etwas sehr Ähnliches wirft uns auch die Mystery-Adventure-Serie von Spike Chunsoft regelmäßig entgegen, was für die spielenden Fans eine schöne Note sein dürfte.

Insgesamt bin ich sehr zufrieden mit dem ersten Anime von Too Kyo Games. Das Studio Pierrot hat solide Animationsarbeit geleistet und präsentiert starke Bilder. Die zwölf Folgen kann man sich gut anschauen, auch weil die verschiedenen Handlungsfäden im Gegensatz zu Kodakas Spielen überschaubar bleiben. Handlung und Charaktere entwickeln sich angesichts der überschaubaren Laufzeit von Akudama Drive sehr schnell, doch das hohe Tempo schadet dem Erzählfluss nicht unbedingt. Bei der Handlung lassen sich viele Inspirationsquellen finden, vor allem Parallelen zu den Werken von Quentin Tarantino sind auffällig. Besonders zufrieden bin ich mit der sauberen Auflösung dieses einmaligen Auftrags und deshalb freue ich mich sehr darauf, was Too Kyo Games im Bereich audiovisueller Medien als Nächstes ausprobieren wird.

Akudama Drive habe ich auf Amazon Prime gesehen, die Serie läuft mit japanischer Sprachausgabe und deutschen Untertiteln im Aniverse-Abo, das ihr kostenpflichtig dazu buchen müsst. Zur Veröffentlichung der Serie im Heimkino wird Funimation eine englische Synchronisation bereitstellen, allerdings liegen aktuell keine Veröffentlichungspläne für den deutschen Markt vor.

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©Pierrot,TooKyoGames/Akudama Drive Production Committee
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