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Kritiken
Animal Crossing: Happy Home Designer

Animal Crossing: Happy Home Designer

Statt einfach nur unser eigenes Leben einzurichten, macht uns Nintendo in diesem Spiel zum Innenarchitekten fremder Häuser.

  • Martin Eiser
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Auch Freunde bekommen manchmal mit, dass ich gerade etwas spiele. Dann wollen sie natürlich wissen, worum es sich handelt. Das gilt vor allem, wenn es so lustige Geräusche macht, wie Animal Crossing: Happy Home Designer. Die Fantasiesprache der tierischen Bewohner klingt einfach zu komisch. Ich versuche dann eine möglichst kurze und einfache Erklärung zu finden. In dem Fall lautete die Antwort: „Ich bin ein Innenausstatter und muss Häuser einrichten." - Ein Blick auf das Display lässt dann die Augenbrauen in die Höhe schnellen. Für welche Altersgruppe denn dieses Spiel gemacht sei, lautete die Frage. „Ich denke, es richtet sich vor allem an Mädchen im Alter zwischen sechs und zwölf Jahren", sage dann. Und füge aber hinzu: „Aber irgendwie macht es mir auch ziemlich viel Spaß."

Ich bin 31 Jahre alt und männlich. Ich bin ganz weit entfernt von der erwähnten Zielgruppe. Allerdings mag ich schon die ganz reguläre Animal Crossing-Reihe ganz gern, die Lebenssimulation. Die Aufgabe dort ist es, sich es in seinem Heim gemütlich zu machen, verschiedene Dinge zu sammeln und mit den anderen Bewohnern in reger Kommunikation zu stehen. In Animal Crossing: Happy Home Designer gestalten wir lediglich die Einrichtungen von anderen Bewohner. Hier geht es weniger um Kommunikation, sondern um das Erfüllen von Bedürfnissen und natürlich das kreative Austoben. Die Aufträge stehen alle unter einem Motto und es gibt auch immer zwei bis drei Möbelstücke, die wir dafür einsetzen müssen. Der Rest bleibt aber uns überlassen.

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Die Aufträge stehen alle unter einem Motto und es gibt zwei bis drei Möbelstücke, die wir einsetzen müssen. Der Rest bleibt aber uns überlassen.

Tatsächlich macht es das gerade für jüngere Spieler einfach. Es gibt keine Geschmackskontrolle. Geld spielt keine Rolle. Schön finden es die Bewohner eigentlich immer, was man abliefert. Die Hauptsache ist, der Pflichtteil wird erfüllt. Auf der anderen Seite stört mich zumindest der damit fehlende Anspruch auch nicht. Für mich bedeutet das nämlich mehr Freiheit. Sollte ich ein Geburtstagshäuschen errichten, warum ihm nicht den Charme von schwedischen Gardinen verpassen. Und wenn sich jemand ein besonders biederes Heim wünscht, dann fällt mir bestimmt irgendetwas Schockierendes für den Nebenraum ein. Selbst in diesem kinderfreundlichen Spiel gibt es einen verrückten, völlig abwegigen Ansatz, der sich aber nur dem erschließt, der alt genug dafür ist und viel Fantasie besitzt.

Das sollte jedoch keinesfalls falsch verstanden werden. Animal Crossing: Happy Home Designer ist eine extrem süße Erfahrung mit ganz viel Zuckerguss oben drauf. Die vielen kleinen Geschichten, die die ganze Reihe so groß gemacht haben, sie lassen sich auch in diesem Spiel wiederfinden. Die Bewohner plappern noch immer viel zu viel. Und sie haben auch weiterhin die lustige Angewohnheit, einen eigenen sprachlichen Stil zu pflegen. Das geschieht, in dem ein belangloses Wort wie etwa „bralala" an das Ende jedes zweiten Satzes angefügt wird. Jeder Charakter ist dadurch und durch sein Äußeres individuell und einzigartig. Sie alle verfügen über eine eigene Persönlichkeit, die sie für uns mal mehr und mal weniger sympathisch erscheinen lässt. Immer aber bleiben die vermenschlichten Tiere dabei unglaublich niedlich.

Das eigentliche Spielprinzip ist ziemlich simpel. Wir starten als euer Mitarbeiter bei ImmoNook und werden langsam mit allen Spielmechaniken vertraut gemacht. Uns stehen eine ganze Menge unterschiedlicher Grundstücke zur Verfügung, die jeweils in allen vier Jahreszeiten ausgewählt werden können. Es gibt später verschiedene Grundrisse für Häuser mit ein oder zwei Räumen. Gestaltet werden kann übrigens auch der Außenbereich - inklusive Zaun, Fassade und Dach. Grundsätzlich stehen uns dafür auch alle Einrichtungsgegenstände zur Verfügung. Vermutlich ist ein Herd allerdings eher etwas für den Innenbereich und ein Lagerfeuer besser für draußen geeignet. Eine solche Einschränkung macht das Spiel aber nicht.

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Es gibt Tausende von Gegenständen, die wir nach und nach über das Einrichten von Häusern freischalten. Manche davon sind neu, andere kennen wir bereits aus anderen Spielen der Serie.

Anfangs stehen uns nur wenige Möbel zur Verfügung. Mit jedem erfüllten Auftrag gibt es aber neue Tapeten, Bodenbeläge, Tische, Schränke, Stühle, Spielzeug, Elektronik, Gegenstände für den Haushalt und vieles, vieles mehr. Es gibt sogar wieder eine ganze Reihe von Kleidungsstücken, Kopfbedeckungen und Brillen, die wir zum Teil dann auch für unseren eigenen Charakter benutzen können. Selbst die Insekten, Fische und Dinosaurierskelette lassen sich nach einer Weiterbildung zur Verschönerung von Häusern einsetzen. Ganz neu mit dabei sind Gestaltungselemente für die Wand und die Decke. Dazu gehören unter anderem Bilder, Lampen und Regale.

Es werden aber nicht nur Wünsche von normalen Bewohnern an uns herangetragen. Melinda, die Freunden der Reihe bekannt sein dürfte, lässt uns auch Gebäude für die Allgemeinheit einrichten. Auf der Liste stehen etwa eine Schule, ein Kaufhaus und ein Konzertsaal. Und auch hier gibt es die gleichen Freiheiten. Verlangt wurden für letzteres ein Mikrofon und zwei Musikinstrumente. Trotzdem bastelte ich keinen klassischen Saal, sondern einen Techno-Tempel mit DJ-Pult und Tyrannosaurus-Rex-Skelett als einzigartige Dekoration.

Animal Crossing: Happy Home Designer unterstützt außerdem spezielle Amiibo-Karten, die wie ganz normale Amiibo-Figuren über NFC eingelesen werden können. Es gibt in der ersten Serie 100 Stück. Davon sind 17 spezielle Charaktere, die es so nicht im Spiel gibt. Die restlichen 83 Karten stehen für ganz normale Charaktere, die wir mit der Zeit auch im Spiel freischalten können. Erhältlich sind diese Karten in Paketen mit jeweils drei Karten, wobei eine davon immer eine spezielle ist. Zu den besonderen Charakteren gehören unter anderem Tom Nook, DJ K.K. und Resetti. Auch deren Häuser können wir auf diesem Weg gestalten.

Animal Crossing: Happy Home Designer
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Die erste Serie Amiibo-Karten besteht aus 83 normalen Bewohnern und 17 besonderen Charakteren. Ein Kartenpaket beinhaltet drei Karten und eine davon ist eine besondere.

Insgesamt stehen uns somit 83 Häuser zur Verfügung, dazu kommen 17 weitere über Amiibo-Karten. Diese lassen sich übrigens auch durch die Karten von Freunden freischalten, da sie sich nicht entwerten oder an ein Gerät gebunden sind. Um auf alle 100 Häuser zu kommen, braucht man also nicht alle Karten selbst zu besitzen. Ich denke, das ist ein nettes Feature, um das digitale Spiel wieder ins echte Leben zu holen. Auf dem Schulhof wird jedenfalls bestimmt die eine oder andere Karte herumgereicht. Und keine Sorge, die nächste Serie wurde schon angekündigt. Es folgen also sicherlich irgendwann die nächsten 100 Karten.

Ich hatte erwähnt, dass uns das Spiel selbst nicht bewertet. Wir können aber Bilder der Häuser aufnehmen und diese über Facebook und Twitter teilen und unsere Freunde urteilen lassen. Außerdem wurde ein Netzwerk der schönen Hauser integriert, in das wir unsere selbst gestalteten Werke hochladen können. Online können wir außerdem fremde Häuser besuchen und sie anschließend in den vier Kategorien süß, cool, individuell und Traumhütte bewerten. Auch spezielle Themen-Wettbewerbe sind geplant. Wer also auf Konkurrenz steht, kann sich hier mit anderen messen.

Ich war anfangs ziemlich skeptisch, was Animal Crossing: Happy Home Designer angeht. Mir war nicht so richtig klar, was der Spielinhalt sein soll. Um ehrlich zu sein, bin ich mir noch immer nicht sicher, warum ich so viele Stunden in dem Spiel verbracht habe - in einem Spiel, für das ich mit Sicherheit nicht die Kernzielgruppe bin. Aber am Ende ist es eben auch ein typisches Nintendo-Spiel. Das macht eigentlich jedem Spaß, der sich darauf einlassen kann. Ein paar nervige Grenzen setzt mir das Spiel manchmal. Mehr Grundrisse wären zum Beispiel toll. Doch sich ein bisschen kreativ auszutoben macht Spaß. In meinem nächsten Leben will ich dann aber auf jeden Fall Innenausstatter werden und viele absurde Ideen umsetzen.

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08 Gamereactor Deutschland
8 / 10
+
viele Freiheiten, einen Haufen Möbel, neue Wand- und Decken-Elemente, unendlich viele Stunden Spielzeit, Community zum Hochladen und Bewerten von Häusern
-
keine echte Herausforderung, besondere Charaktere nur über Amiibo-Karten zu bekommen, wenige Grundrisse, keinerlei Verbindung zu Animal Crossing: New Leaf
overall score
ist die Durchschnittswertung von Gamereactor. Wie hoch ist eure Wertung? Die Durchschnittwertung aller Gamereactor-Redaktionen wird aus den Wertungen in allen Ländern erhoben, in denen es lokalen Gamereactor-Redaktionen gibt

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