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Bravely Default II

Appell: Spielt den finalen Akt von Bravely Default II

90 Stunden haben wir ins neue JRPG von Claytechworks gesteckt, das leider erst im letzten Teil an die Qualitäten seiner Vorgänger anknüpfen kann.

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Mein Kollege Ingar aus Norwegen hat in seiner Kritik zu Bravely Default II meiner Meinung nach einen umfassenden Eindruck des neuen Rollenspiels von Square Enix vermittelt. Der freie Journalist bringt viel Erfahrung im Bereich japanischer Spiele mit, deshalb haben wir in der Redaktion auch beschlossen, euch seinen Test zur Verfügung zu stellen. Grundsätzlich stimme ich mit Ingars Fazit in vielen Aspekten überein, obwohl ich bestimmte Dinge persönlich natürlich etwas anders gewichten würde.

Worauf seine Rezension aus offensichtlichen Gründen nicht so gut eingehen konnte, sind Ereignisse und Überraschungen, die im späteren Spielverlauf geschehen. Das macht zwar einerseits Sinn, da wir euch das Spielerlebnis nicht verderben wollen, allerdings gibt es einige tolle Wendungen und Ideen, auf die ich hier in diesem Artikel gesondert hinweisen möchte. Weil das leider nicht so gut funktioniert, ohne einige der Überraschungen vorwegzunehmen, folgt jetzt eine ausdrückliche Spoiler-Warnung. Ich werde dennoch so gut es geht versuchen, um die großen Momente des Spiels herumzureden.

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"Nach 70 Stunden wird das Spiel richtig gut" ist als Verkaufsargument eher so semi geeignet. Aber es ist wahr.

Bravely Default II ist die meiste Zeit über sehr unaufgeregt. Jedes Kapitel folgt einem klar kommunizierten Ziel und am Ende geschieht etwas, das einen weiteren Abstecher rechtfertigen soll. Einer oder mehrere Missionsmarker lotsen uns permanent in eine bestimmte Richtung und das Level-Design verrät uns mit strategisch platzierten Speicherpunkten schon im Voraus, dass wir uns gleich der nächsten Herausforderung nähern. Diese spielerische Gleichförmigkeit kann ermüden, ich habe das selbst erlebt. Lange Grind-Sessions, wenig Story-Progression und Nebenquests, die so wenig Substanz bieten, dass sie teilweise nicht einmal als Ausrede für Erkundungstouren herhalten... Das schreckt natürlich ab.

Was ich damit sagen will ist, dass ich jeden verstehe, der sich das nicht unbedingt selbst antun möchte. Allerdings kann ich euch zumindest versichern, dass Bravely Default II besser wird, wenn ihr lange genug am Ball bleibt. Wie gesagt, in jedem Kapitel erwartet uns eine kleine Überraschung, doch ab Kapitel 5 fährt Claytechworks die großen Geschütze auf. Bis dahin wurden die vier Kristalle gesammelt, es geht nun eindeutig auf das Ende des Spiels zu und die Mächte des Guten vereinen sich für einen letzten Vorstoß, um das ultimative Böse doch noch einmal abzuwenden. Nach einem furchtbaren "letzten" Dungeon kommt es dann endlich zur beinahe befreienden, langersehnten Konfrontation. Und zu einem unbefriedigenden Ausgang.

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Die Komplexität eurer möglichen Charakterklassen steigt enorm an, sobald ihr Kapitel 5 beendet habt.

Es folgen Credits und ein Abschied, der viele Fragen offenlässt. Der zugegeben etwas ungelenke Cliffhanger macht immerhin deutlich, dass die Helden des Lichts ihr Ziel noch nicht erreicht haben. Sobald ihr euren letzten Speicherpunkt vom Titelbildschirm aus neu ladet, macht euch das Spiel darauf auch noch einmal gesondert aufmerksam. Dann gibt es plötzlich diesen Moment, der dem bisherigen Spielverlauf entscheidend widerstrebt: Denn obwohl uns Bravely Default II deutlich zu verstehen gibt, die gleiche Sequenz noch einmal zu spielen (was uns lediglich in die bekannte Schleife aus Bosskampf und den anschließenden Credits zurückführen würde), sollen wir erstmals das Gegenteil von dem tun, was uns das Spiel vorschlägt.

Vermeidet ihr die Konfrontation, gelangt ihr ins sechste Kapitel, lernt neue Verbündete kennen und besucht eine weitere, magische Stadt. Die Geschichte widmet sich nun einem ganz speziellen Konflikt, erwartet also keine großen erzählerischen Sprünge mehr. An diesem Punkt öffnet sich auch das End-Game, da ihr den größten Teil der Spielwelt erkunden und eure Jobs nun bis auf Level 15 aufrüsten könnt. Das ist besonders spannend, weil es viele neue Strategien ermöglicht. Dazu müsst ihr jedoch die sehr schwierigen "Halls of Tribulation" abschließen - die schwersten Herausforderungen, die Bravely Default II zu bieten hat.

Bis hierhin waren die vielen Bosskämpfe des Spiels standfeste Hindernisse mit einem gewissen Rätsel-Charakter, doch diese neuen Prüfungen heben das Niveau des JRPGs auf eine ganz andere Stufe. Ihr braucht einen Plan, müsst die feindlichen Verhaltensmuster schnellstmöglich analysieren und darauf auch entsprechend reagieren können. Es gibt nur sehr wenig Spielraum für eigene Strategien, denn in diesen optionalen Duellen werdet nicht ihr den Ton angeben dürfen. Claytechworks erwartet von uns, dass wir viel Vorbereitung und Arbeit investiert haben, um das komplexe Kampf- und Job-System in all seinen Facetten zu meistern. Wer das tut, wird auch entsprechend belohnt.

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Der unkonventionelle Einsatz scheinbar bekannter Spielmechaniken hat bereits die beiden Vorgänger zu einem fantastischen, interaktiven Erlebnis gemacht. Ich bin sehr froh sagen zu können, dass sich Bravely Default II diesem Erbe anschließt.

Auch in der Hauptgeschichte erwarten uns weitere Herausforderungen, allerdings nicht auf diesem Niveau. Kapitel 6 endet sehr ähnlich, wie es Kapitel 5 tut, doch hier stoppt die Wiederholungsschleife (die Fehler vom Original begeht Teil II glücklicherweise nicht). Stattdessen müssen wir nach den zweiten Credits nun selbstständig herausfinden, wie das bestehende Problem gelöst werden kann und was wir dafür tun müssen (unsere Freunde haben einige gute Tipps für euch, also sprecht mit ihnen, falls ihr nicht weiterkommen solltet).

Dass man plötzlich selbständig nachdenken muss, ist nach ca. 80 Stunden, in denen man relativ stumpf Missionsmarkierungen abläuft, eine sehr erfrischende Erfahrung. Die Entwickler mogeln plötzlich bestehende Spielmechaniken um, überraschen mit absurden Einfällen und fahren bei der Umsetzung so viel Kreativität auf, dass sie sich die Frage gefallen lassen müssen, warum sie damit bitte so lange gewartet haben. Braucht es wirklich so viel Vorbereitung? Muss man so lange spielen, um den gleichen Überraschungseffekt zu erhalten? Nein, wahrscheinlich nicht. Falls ihr also nicht wisst, ob ihr euer bereits begonnenes Abenteuer fortsetzen solltet, dann soll euch dieser Artikel zumindest dazu ermutigen, die verbleibende Strecke vielleicht doch noch einmal in Angriff zu nehmen.

Viele Entwickler konzentrieren sich mittlerweile vorrangig darauf, wie sich ihr Spiel in den ersten Stunden abspielt. Dieser Titel benutzt die ersten fünf Kapitel jedoch fast ausschließlich als Auftakt, der dem letzten großen Akt seine mächtige Wirkung verleiht. Bravely Default II endet somit überraschenderweise auf einer Note, die - und das hätte ich während des Spielens nie geglaubt - der Leistung seiner Vorgänger zumindest erstaunlich nahekommt. Die letzten zehn Stunden rechtfertigen natürlich nicht die lange Zeitinvestition, die bis zu diesem Punkt benötigt wird, aber ich bin trotz aller Strapazen letztlich sehr zufrieden aus diesem Spiel rausgegangen. Und das könnte auf euch ebenfalls zutreffen, wenn ihr euch nicht entmutigen lasst.

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