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Assassin's Creed: Rogue

Assassin's Creed: Rogue

Der Abschluss der Nordamerika-Trilogie ist nur für die letzte Konsolengeneration erhältlich. Verstecken muss sich das Abenteuer deswegen aber keinesfalls

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Shay Patrick Cormac ist ein beeindruckender Mann. Er ist außerordentlich loyal, intelligent und kann eigenständig denken. Doch daraus resultieren gleichzeitig seine vielen Probleme. Shay ist neugierig, nicht gerade auf den Mund gefallen und dadurch zieht er Probleme magisch an. Seine hitzköpfige Natur und sein starker Drang sich zu beweisen lassen ihn zum Spielball manipulativer Mächte avancieren. Unweigerlich gerät er zwischen die Fronten und ist fortan in einem jahrhundertealten Konflikt zwischen dem Templerorden und den Assassinen gefangen. Für Ubisoft sind das gute Gründe, ihn zum Protagonisten des letzten Ablegers der letzten Konsolen-Generation der Assassin's Creed-Reihe zu machen. Und zumindest damit macht Ubisoft alles richtig.

Die Geschichte von Assassin's Creed: Rogue handelt in erster Linie von Ehre, Vertrauen und Freundschaft. Templer und Assassinen sind nur Namen zweier undurchsichtiger Organisationen, die im Hintergrund Strippen ziehen und Entscheidungen treffen. Und auch wenn wir den beiden Institutionen einige Gesichter zuordnen können, bleiben diese Charaktere nur leere und austauschbare Kreaturen. Shay Cormac hingegen ist anders. Er lebt ein aufregendes Leben voller Abenteuer in der Assassinen-Bruderschaft, wo er auch die wenigen Menschen kennengelernt hat, denen er vertraut. Liam ist unter all diesen Menschen unser bester Freund. Er hat immer ein nettes Wort auf den Lippen, ist ehrlich und aufrichtig. Außerdem ist er der einzige, der Shays Potential erkennt, doch Liam hat ein gewaltiges Problem. Er weigert sich Sachen zu hinterfragen und befolgt Befehle blindlings. Deshalb versteht er auch nicht, was unser Problem ist.

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Assassin's Creed: RogueAssassin's Creed: Rogue
Der neue Hauptcharakter Shay Patrick Cormac ist einfach nicht der typische Mitläufer, das merkt man sehr schnell.

Shay ist einfach nicht der typische Mitläufer, das merkt man sehr schnell. Während die Assassinen von wahrer Freiheit predigen, fühlt er sich durch die statischen Strukturen der Gilde eingeengt und gefangen. Ein einschneidendes Erlebnis in Lissabon prägte den heranwachsenden Mann derart, dass er begann, die Ideale seiner Assassinen-Familie infrage zu stellen. Als er schließlich im Alleingang versuchte, seine Gilde vor einem schrecklichen Fehler zu bewahren, wurde er verraten und musste infolgedessen eine unvorstellbar schwierige Entscheidung treffen. Auf den ersten Blick wirkt diese Geschichte einfältig und langweilig. Doch es gelingt Ubisoft, den roten Faden derart spannend zu weben, dass das Erlebnis wirklich fesselt. Es ist die größte Leistung von Assassin's Creed: Rogue, Shay derart glaubwürdig zu inszenieren, dass wir jederzeit seine Beweggründe nachvollziehen können.

Zeitlich spielt Assassin's Creed: Rogue gegen Mitte des achtzehnten Jahrhunderts, also etwa um 1750. Da wir wieder in Nordamerika unterwegs sind, spielen die sich verschärfenden Umstände der Unabhängigkeitsbewegungen eine Rolle, sind aber bei weitem nicht so prominent und groß aufgemacht, wie in Assassin's Creed III. Da die Erlebnisse von Assassin's Creed: Rogue zeitlich parallel zu den Geschehnissen von Assassin's Creed III und Assassin's Creed IV: Black Flag spielen, werden wir auf viele bekannte Gesichter treffen. Falls man einige Teile der Serie ausgelassen hat und auf Namen oder Anspielungen stoßen sollte, die im Hinterkopf nicht mehr richtig präsent sind, hat Ubisoft das Archiv umfassend erweitert. Das kurze Briefing ist bei all den handelnden Akteuren eine gute Idee.

Das Intro des mittlerweile achten Assassin's Creed-Spiels der alten Konsolen-Generation ist so eine Sache für sich. Der Einstieg ist sehr direkt, fast abrupt und sicher nicht angenehm oder leicht verdaulich. Ich, der das letzte Assassin's Creed-Spiel vor knapp einem Jahr gespielt hat, dem reichen die wenigen Befehle aus, um sich wieder auf das Spiel einzulassen. Allerdings kann ich nicht sagen, wie sich ein kompletter Neuling mit dem Spiel fühlen muss, und wie erschlagend all die vielen Fenster und Zusatzinformationen wirken müssen. Andererseits bin ich mir nicht sicher, ob es überhaupt noch irgendjemanden da draußen gibt, der nicht mindestens einen Teil der Assassin's Creed-Reihe gespielt hat. Zumindest sollte man festhalten, dass der Einstieg ziemlich unverblümt ist, da viele Dinge vorausgesetzt werden.

Assassin's Creed: Rogue
Alles fühlt sich unfassbar vertraut an und die wenigen Neuerungen fallen entweder gar nicht auf oder müssen mit der Lupe gesucht werden.

Jedes Assassin's Creed-Spiel hat eine übergeordnete Erzählebene, die die vielen Serienableger zusammenhält. Neben den jeweiligen Spielszenen in der Vergangenheit gibt es die Gegenwartsform, in der sich unser physischer Körper befindet. Daher gibt es natürlich auch in Assassin's Creed: Rogue wieder Realitätsmissionen, in der wir in der Rolle eines sogenannten "Strohkopfes" Wartungs- und Sicherheitsarbeiten durchführen müssen. In diesen Szenen durchlaufen wir denselben Bürokomplex, wie das namenslose Pendant aus Assassin's Creed IV: Black Flag. Ubisoft zeigt hier Innovationsarmut und Ideenstagnation auf hohem Niveau, ich habe mich aber ehrlich gesagt sogar darüber gefreut, Melanie Lemay, die Projektleiterin von Abstergo Entertainment, wiederzusehen. Es ist viel allgemeiner ein Problem von Assassin's Creed: Rogue, dass es Assassin's Creed IV: Black Flag viel zu ähnlich ist. Alles fühlt sich unfassbar vertraut an und die wenigen Neuerungen fallen entweder gar nicht auf oder müssen mit der Lupe gesucht werden.

Die Welt von Assassin's Creed: Rogue ist einfach phänomenal groß. Erst nach etlichen Spielstunden hatte ich zumindest eine grobe Vorstellung davon, wie gewaltig das alles überhaupt ist. Die gesamte Weltkarte ist auf drei riesige Bereiche aufgeteilt, zwischen denen wir immer wieder wechseln müssen. Zwei der drei Segmente bestehen überwiegend aus Wasser, dazu gesellt sich die Stadt New York als Komfortzone. Alle Abschnitte sind sehr facettenreich und individuell gestaltet, ihr braucht euch also keine Sorgen darum machen, dass ihr euch auf dem Meer zu Tode langweilt. Ubisoft hat bereits im letzten Teil der Serie bewiesen, dass sie es gut verstehen interessante Orte, kleine Geheimnisse und andere Nebenbeschäftigungen sinnvoll und flächendeckend miteinander zu verknüpfen.

Die offensichtlichsten Neuerungen kommen erst etwas später im Spiel zur Geltung, und zwar inmitten des kalten Nordatlantiks. Gehen wir im eisigen Wasser des Baffin Bay über Board, droht Shay zu erfrieren und erleidet kontinuierlich Schaden. Neben dem rauen Klima sind vor allem die monumentalen Eisberg-Festungen besonders markant und tragen zur Atmosphäre bei. Beschießen wir die gigantischen Eisklötze mit unseren Kanonen, zerbrechen diese und verursachen dabei eine große Druckwelle, die kleineren Schiffen mäßigen Schaden verursacht.

Assassin's Creed: Rogue
Segeln dürfen wir auch wieder und neu mit dabei sind dicke Eisdecken, die wir ohne einen ordentlichen Rammsporn gar nicht erst durchbrechen werden.

Neu sind auch die dicken Eisdecken, die wir ohne einen ordentlichen Rammsporn gar nicht erst durchbrechen werden. Da wir einen neuen Helden spielen, gibt es natürlich auch ein neues Schiff. Der Zweimaster heißt Morrigan, so wie die scharfe Hexe aus Dragon Age: Origins, und sie kann genau wie die Jackdaw aus Assassin's Creed IV: Black Flag massiv aufgerüstet werden. Die Ausbaustufen sind jedoch relativ kostenintensiv, deshalb bedarf es etwas Zeit, bis wir uns an die schwer bewachten Forts und französischen Konvois heranwagen sollten. Die Ressourcen kommen wie aus Teil vier vorrangig aus Kaperfahrten und Plünderungen.

Die Landkomponente des Hauptspiels ist wieder deutlich stärker vertreten. Seitdem in Assassin's Creed III die Seeschlachten eingeführt wurden, nahm die Schifffahrt einen deutlich stärkeren Stellenwert ein. Das ist bei Assassin's Creed: Rogue beileibe nicht anders, das Spiel bemüht sich aber darum, zu den Eckpfeilern der Serie zurückzukehren. Deshalb können wir unter anderem unser Hauptquartier in New York ausbauen und die unterschiedlichen Stadtviertel der aufstrebenden Metropole renovieren. New York bietet nicht nur schier unzählige Sammelobjekte und Nebenquests, im zivilisierten Raum hat sich ein neuer Feindestyp breit gemacht.

Gemeint sind die so sogenannten Schleicher, die wir nach deren Einführung auch anderenorts antreffen werden. Diese Feinde sind als unschuldige Bürger gekleidete Meuchelmörder, die sich auf Vorsprüngen, Dächern, inmitten von Menschengruppen, auf Bänken oder in Heuhaufen verstecken. Sie nutzen alle ihnen zur Verfügung stehenden Möglichkeiten, um Shay das Leben schwer zu machen. Wenn diese Gegner in der Nähe sind, bemerken wir einen roten Rand an unserem Bildschirm und ein lauter werdendes Flüstern. Setzt Shay nun das Adlerauge ein, gibt ein Kompass an, wo sich der nahste Feinde befindet und wie weit er noch entfernt ist.

Assassin's Creed: Rogue
Ubisoft ist bei der Entwicklung kein wirkliches Risiko eingegangen und hat auf die bewährte Erfolgsrezeptur gesetzt.

Assassin's Creed: Rogue ist ein schönes Spiel geworden. Ubisoft ist bei der Entwicklung allerdings auch kein wirkliches Risiko eingegangen und hat auf die bewährte Erfolgsrezeptur gesetzt. Fans sollten daher gar nicht erst nennenswerte Veränderungen erwarten. Die Geschichte rund um Shay Patrick Cormac ist hervorragend inszeniert und sehr glaubwürdig dargestellt. Das generelle Gameplay bleibt nahezu unverändert, die Seeschlachten spielen immer noch eine große Rolle und wenn die Hauptstory beendet worden ist, haben wir immer noch genügend Dinge zu tun, um wochenlang beschäftigt zu sein.

Ich bin etwas traurig, weil Ubisoft mit Assassin's Creed: Rogue die Ära der Reihe auf der alten Konsolengeneration abschließt. Doch ein Ende ist bekanntlich immer auch gleichzeitig ein Anfang und mit unserer Kritik zu Assassin's Creed: Unity haben wir bereits beschrieben, welches Potential der Serienneustart hat. Assassin's Creed: Rogue ist ein fulminanter Abschluss der Serie, der viele offene Fragen vorangegangener Teile beantwortet und Serienfans mit wichtigen Details und zusätzlichen Informationen belohnt. Etwas schade ist es da schon, dass sich Ubisoft nicht mehr getraut hat, sondern "lediglich" Feintuning des letzten Spiels und eine bessere Geschichte veröffentlicht. Und natürlich, dass die Entwickler den Mehrspielermodus komplett rausgelassen haben.

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08 Gamereactor Deutschland
8 / 10
+
Shay Patrick Cormac ist ein interessanter Protagonist, fesselnder narrativer Faden, beinhaltet viele interessante Hintergrundinformationen für Serienfans, solides Gameplay
-
kein Mehrspieler vorgesehen, nur marginale Änderungen zu Assassin's Creed IV: Black Flag
overall score
ist die Durchschnittswertung von Gamereactor. Wie hoch ist eure Wertung? Die Durchschnittwertung aller Gamereactor-Redaktionen wird aus den Wertungen in allen Ländern erhoben, in denen es lokalen Gamereactor-Redaktionen gibt

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