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Beat the Beat: Rhythm Paradise

Beat the Beat: Rhythm Paradise

In Japan kam 2005 für den NIntendo DS ein Spiel auf den Markt, das süchtig machte. Osu! Tatakae! Ouendan ist ein Rhythmusspiel mit absurden Szenarien. Der Titel war im Import so beliebt, dass Nintendo das Spielprinzip auch dem Westen zugänglich machte. Danach folgte die Rhythm-Reihe. Umso erstaunlicher ist es, dass uns Nintendo wieder einmal ein Jahr warten ließ, bis auch Beat the Beat: Rhythm Paradise endlich nach Europa kam.

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Das Gefühl für den richtigen Rhythmus ist tatsächlich etwas, das sich nur schwer lernen lässt. Entweder man hat es oder eben nicht. Das wissen einige sicher schon von der Tanzfläche. Dort kommt es schließlich auch darauf an, den Takt der Musik zu treffen. Beat the Beat: Rhythm Paradise grenzt so gesehen eigentlich eine nicht ganz unerhebliche Gruppe von Menschen aus. Wahr ist aber auch, dass mancher auch nicht Singen kann und es trotzdem tapfer weiter probiert - kleine Trainingserfolge nicht ausgeschlossen.

Ähnlichkeiten mit lebenden Personen, die diese Zeilen verfasst haben, sind wirklich rein zufällig. Außerdem macht dieses Spiel hier einfach Spaß. In kleinen, variierenden Levels wird uns eine absurde Situation vorgegeben, zu der ein passender Takt mitgeklickt werden muss. Statt die Touch-Steuerung des Vorgängers vom Nintendo DS durch Bewegungen zu ersetzen, brauchen wir im Grunde nur eine Taste. Nötig ist nämlich lediglich der omnipräsente A-Knopf und nur an einigen ausgewählten Stellen kommt das Zusammenspiel mit dem B-Kopf hinzu. Das ist so simpel, dass es kaum vorstellbar erscheint, damit ein ganzes Spiel zu füllen.

Aber die Abwechslung erreicht der Titel über die Szenarien und die Musik. Witzig geht es schon mit dem ersten Spiel los. Ein kleines Äffchen will mit uns Golf spielen. Es wirft uns Bälle zu und wir schlagen diese im Takt über das Wasser auf das Grün. Das befindet sich selbstverständlich nicht auf irgendeiner Insel im Meer, sondern auf einem Wal. Wo auch sonst? Um den Schwierigkeitsgrad des Spiels zu entsprechen, der definitiv kein Kindergeburtstag ist, gesellt sich ein zweiter Affe dazu. Dieser wirft Bälle deutlich schneller, so dass wir uns eigentlich nicht mehr nur auf die optische, sondern vor allem auf die akustische Komponente verlassen müssen.

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Beat the Beat: Rhythm ParadiseBeat the Beat: Rhythm Paradise
Wer Rhythmus im Blut hat, wird problemlos die absurden Situationen meistern.

Nach diesem Prinzip sind dann auch alle weiteren Aufgaben gestrickt. Mit der Gabel versuchen wir, Erbsen zu erwischen, schlagen verschiedenartige Bälle fort, kämpfen mit dem Schwert oder bauen Roboter zusammen. Es sind verrückte, kleine Ideen in einer sehr einfach gehalten Optik, die aber dennoch hübsch ist und sich auf das Wesentliche konzentriert.

Eines der früheren Level ist gleichzeitig auch mein persönlicher Favorit. Wieder sind es die kleinen Affen - eine Vorliebe für Super Monkey Ball spielt da vielleicht auch mit rein - die unsere gesamte Aufmerksamkeit fordern. Zu sehen ist das Ziffernblatt einer Uhr und für jede Sekunde gibt es ein Äffchen, das aus einem Loch schaut. Im Kreis bewegt sich nun unsere Hand, um mit jedem Äffchen abzuklatschen. Die Schwierigkeit besteht darin, dass zwischendurch zwei rosa Äffchen auftauchen, die einen schnelleren Takt fordern - ein bisschen wie der schnelle Schritt beim Walzer. Die daraus entstehende Melodie ist einfach fantastisch.

Aufgebaut ist das Spiel in Paketen aus Leveln mit je fünf Musikstücken, an deren Ende noch ein Remix alle miteinander verbindet. Fünfzig Level sind enthalten - in englischer und japanischer Fassung. Um ein Level zu bestehen, ist mindestens eine Wertung von "Ok" nötig. Die Level setzen sich meist aus zweiteiligen Aufgaben zusammen. Gelingt es uns etwa, beim Golf jeden Ball des kleinen Äffchen weiter zuschlagen, aber keinen vom Pavian, kommen wir auch nicht weiter. Erreichen wir eine besonders hohe Wertung, gibt es Medaillen, mit denen wir zusätzliche Inhalte und Spielchen freischalten.

Beat the Beat: Rhythm Paradise
Bilder und Töne geben uns das richtige Signal für den richtigen Rhythmus.

Die ultimative Herausforderung wartet auf jene, die sich an einem perfekten Lauf probieren. Zufällig wird ein Level mit einem Perfekt-Stempel dafür markiert und gelingt es uns in drei Versuchen, dieses Wunderwerk zu vollführen, schalten wir Musikstücke und dazugehörige Texte frei. Es lohnt sich also auch, bereits gemeisterte Songs zu trainieren, auch wenn dies für wahrscheinlich viele eine unlösbare Aufgabe darstellt.

Um den Rhythmus zu finden, hat jeder seine eigene Technik. Tempo und Pausen lassen sich leichter verinnerlichen, als sich einfach nur auf das Gehör zu verlassen. Manche zählen innerlich den Takt mit, Wippen mit den Fuß, andere tippen mit dem Finger auf und ab. Ich verlasse mich auf meinen Kopf und nicke damit so beständig mit, dass mir eine Aufnahme ohne Ton vermutlich beste Hip-Hopper-Qualitäten bescheinigen würde.

Eine Schwierigkeit aber bleibt, denn neben unseren Fähigkeiten muss natürlich auch die Technik mitspielen. Musik und Bild sollten eine Einheit bilden, damit wir den Moment abpassen können. Und es sollte beim Übertragen zur Konsole einwandfrei funktionieren. Nintendo selbst aber schreibt schon in der Bedienungsanleitung: "Die Bilder auf einem Fernsehgerät erscheinen, nachdem Signale empfangen und verarbeitet wurden. Dieser Vorgang kann als kurze Verzögerung zwischen Steuereingabe und Bildschirmgeschehen empfunden werden. Dies ist normal und es liegt weder ein Fehler der Wii-Fernbedienung, der Wii-Konsole noch des Fernsehgerätes vor."

Und tatsächlich tritt diese Problem in manchen Fällen auf. Es ist eines, dass mir persönlich schon bei Funkmikrofonen im Zusammenhang mit Karaoke aufgefallen. Hier passt der Ton auch nicht immer zum Rest, aber zumindest die Punkte werden korrekt erfasst, wenn die Mikros kalibriert wurden. Natürlich funktionierte das am Handheld noch einfach, wo die Eingabe direkt und nicht drahtlos erfolgte. Aber das Nintendo nicht versucht hat, dieses Problem ebenfalls durch eine Kalibrierung zu lösen, sondern wir nun selbst nachjustieren müssen, ist ärgerlich.

Beat the Beat: Rhythm Paradise
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Das Spiel versucht uns auch immer etwas aus dem Takt zu bringen.

Neu mit dabei ist eine Mehrspieler-Variante für zwei. In zehn Variationen von Solo-Songs kommt es einerseits darauf an, durch den richtigen Takt Punkte zu sammeln, aber auch eine Harmonie zu finden. Der Multiplayer steht aber leider nicht von Anfang an zur Verfügung, sondern Songs werden erst durch die Einspieler-Aufgaben zugänglich freigespielt. Wer sich dann aber intensiver damit beschäftigt, kann hier auch weitere Minispiele für zwei zugänglich machen.

Ein witziger Fakt am Rande: Oft ist der zuständige Produzent von Musikspielen auch selbst Musiker. Denken wir beispielsweise an Dance Dance Revolution, bei dem das gesamte Team die Stücke selbst komponiert und sich keinerlei externe Hilfe geholt wird. Im Fall von Beat the Beat: Rhythm Paradise hat Yoshio Sakamoto aber nur einen Teil selbst beigetragen. Nintendo hat für den Soundtrack mit dem bekannten japanischen Produzenten, Songschreiber und Sänger Tsunku und seinem Studio TNX zusammengearbeitet. Das Ergebnis ist eingängig und hat Ohrwurmcharakter.

Das Spiel hat am Ende viele Höhen und Tiefen. Oberflächlich betrachtet ist Beat the Beat: Rhythm Paradise ein Fest und für Musikspiel-Enthusiasten ein großartiger Zeitvertreib. Die abgedrehten Spielchen und der lustige Soundtrack sind eine hübsche Kombination. Natürlich hat ein solches Spiel nur eine eingeschränkte Zielgruppe und wer irgendwann nicht weiterkommt, wird nie alles freischalten können. Nur nach und nach werden Musikstücke und Extras zugänglich gemacht.

Beat the Beat: Rhythm Paradise
Die Grafik ist einfach, aber trotzdem ist die Präsentation hübsch.

Wirklich ärgerlich ist aber, dass die Synchronität nicht immer gewährleistet ist und der Multiplayer-Modus keine eigens entwickelte Spielerfahrung ist, sondern nur auf der Solo-Variante basiert. Die Party-Konsole Wii hat eigentlich etwas Besseres verdient. Trotzdem aber bleibt Beat the Beat: Rhythm Paradise ein wunderbarer Titel, der einem auch im verregneten Sommer ein strahlendes Lächeln ins Gesicht zaubert.

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Beat the Beat: Rhythm Paradise
08 Gamereactor Deutschland
8 / 10
+
simple, aber hübsche Präsentation, abgedrehte und witzige Ideen, wunderschöner Soundtrack, nette Minispiele
-
Schmalspur-Multiplayer, Spiele werden nur nach und nach freigeschaltet, manchmal herrscht Asynchronität zwischen unseren Eingaben und dem Spiel
overall score
ist die Durchschnittswertung von Gamereactor. Wie hoch ist eure Wertung? Die Durchschnittwertung aller Gamereactor-Redaktionen wird aus den Wertungen in allen Ländern erhoben, in denen es lokalen Gamereactor-Redaktionen gibt

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