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Borderlands 2

Borderlands 2

Mit der erstaunlichen Symbiose aus Rollenspiel und Egoshooter hat Borderlands 2009 sowohl Kritiker als auch Spieler begeistert und die darauf folgenden wirklich schönen und hochwertigen Zusatzinhalte haben den ohnehin schon guten Ruf des Spiels noch weiter gefestigt. Was liefert Borderlands 2 nun ab?

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Das originale Borderlands war sicher nicht ohne Fehler, aber die großartige Spielmechanik eines Koop-Mini-MMOs und der hübsche Cel-Shading-Look haben vielen Spielern eine fantastische Erfahrung jenseits der ausgereizten Egoshooter Pfade beschert. Gearbox-Chef Randy Pitchfork ist nicht ganz ohne Grund verwundert, dass dies doch relativ einzigartige Konzept in der Zwischenzeit nicht längst kopiert worden ist.

Während im klassischen Online-Modus von Shootern das Aufleveln der Spielfigur fast schon zum guten Ton gehört, gibt es im Einzelspieler- und Koop-Segment bisher immer noch kaum vergleichbare Spiele. Borderlands vereint dermaßen gut solide Shootermechaniken mit Rollenspielelementen ohne dabei nur auf billige pawlowsche Reflexe zu setzen. Und Borderlands 2 führt diese Tradition fort. Kleine Neuerungen finden sich in allen Bereichen, dennoch werden sich Serien-Veteranen sofort wie zu Hause fühlen. Borderlands 2 ist bunt, verdammt laut und nimmt sich selbst angenehm wenig ernst.

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Die Möglichkeiten, die einzelnen Charaktere den eigenen Bedürfnissen anzupassen, sind jedenfalls fast grenzenlos.

Mit seiner Mischung aus Mad Max und Sonntagsmorgen-Cartoon verbreitet Borderlands 2 Spielfreude und gute Laune ohne den faden Beigeschmack, den die Kill-Orgien der üblichen Shooter häufig hinterlassen. Prinzipiell als Koop-Titel gedacht, wird die Geschichte um die vier Helden und ihren Kampf gegen den von Machtfantasien getriebenen Oberschurken Handsome Jack, der sich den Planeten Pandora untertan machen will, ohne lange Zwischensequenzen erzählt. So wird der schnelle und süchtig machende Spielfluss auch bei vier Spielern jederzeit aufrecht gehalten

Auch während der Gespräche mit NPCs darf jeder Spieler den klassischen Umverteilungen seines Inventars, den üblichen Ein- und Verkaufsgeschäften nachgehen oder nach Herzenslust die Statistiken seiner Waffen vergleichen. Bei einigermaßen erfahrenen Spielern bleiben die Spielpausen wegen derartiger Tätigkeiten erstaunlich kurz, obwohl man vermutlich stundenlang über die Vorteile bestimmter Waffenkombinationen und das kluge Verteilen der Skillpunkte sinnieren könnte. Die Möglichkeiten, die einzelnen Charaktere den eigenen Bedürfnissen anzupassen, sind jedenfalls fast grenzenlos.

Eigentlich unterscheiden sich die vier neuen Charaktere gar nicht so sehr von ihren Vorgängern und ähneln immer noch den Archetypen einer MMO-Party mit Heiler, Tank, Distanzkämpfer und einer Art Magier. Trotzdem kann auch jeder der Helden ohne weiteres die Abenteuer alleine bestehen. Der Fokus liegt ohnehin auf den Schusswaffen, von denen jeder auch alle benutzen kann. Die einzelnen Klassen können sich zwar auf jeweils unterschiedliche Waffengattungen spezialisieren, aber letztlich bleiben Verbesserungen für die Spezialfähigkeiten wie etwa der Geschützturm des Commandos oder das Stasisfeld der Sirene eine sichere Bank. Denn bei dem Prinzip der zufällig generierten und häufig extrem absurden Waffen weiß man eigentlich nie, welche erfolgversprechende Waffengattung einem in die Hände geraten wird.

Also lieber die Fähigkeiten zumindest am Anfang eher allgemeiner halten, sonst hat man an der gerade gefundenen feuerspeienden Super-Pistole mit guter Schussrate und dem Zoom eines Scharfschützengewehrs nur wenig Freude. Der dreigeteilte Skill-Baum macht einem die Wahl nicht wirklich leicht, denn eigentlich will man wirklich alles haben, was aber bei den begrenzt zur Verfügung stehenden Punkten schlicht nicht machbar ist. Die Punkte dürfen allerdings jederzeit umverteilt werden und zusätzlich ist bei Borderlands 2 der Badass-Rank eingeführt worden. Der verbessert kontinuierlich Schilde, Schaden und allerlei nützliche Werte und kann im Gegensatz zum normalen Levelaufstieg quasi unendlich verbessert werden.

Für kleine Aufgaben wie das Töten einer Anzahl bestimmter Gegner oder das benutzen einer spezifischen Waffe erhält man minimale und zufällige Fähigkeitenverbesserungen, die klugerweise mit dem Spielerprofil und nicht dem Spielcharakter verknüpft sind. So kann man bei einem zweiten Durchgang mit einer neuen Klasse zumindest mit einem kleinen Bonus das Spiel neu starten. Außerdem steht jetzt auch ein Schrank zur Verfügung, womit dubiose Waffenübergaben mit Freunden entfallen, um die heißgeliebten Knarren einem anderem eigenen Spielcharakter zu vererben, wie es noch ihm ersten Teil von Borderlands nötig war.

Der Badass-Rank ist tatsächlich eine der wichtigsten Neuerungen von Borderlands 2, denn auch wenn sich das Spiel nicht nur auf die ganz billigen Tricks verlässt, hängt einem natürlich die ganze Zeit die Karotte am Stock vor der Nase. So werden selbst Passagen mit Gegnern wieder interessant, die vielleicht schon längst nicht mehr genug Erfahrungspunkte bringen, denn man kann sich stets sicher sein - noch ein paar Kills mehr und ein neuer Badass-Rank mit neuen Boni wartet auf einen. Sollen doch die Kumpels ruhig regungslos mit dem Gesicht zur Wand in ihrem Inventar hantieren: Die Freaks und die Tierwelt von Pandora beschäftigen einen die ganze Zeit und es besteht ja auch jederzeit die Chance auf die ultimative Beute.

Borderlands 2
Der Badass-Rank ist tatsächlich eine der wichtigsten Neuerungen am Spielprinzip.

Man kann ohne Frage auch alleine mit Borderlands 2 viel Spaß haben, aber zu Höchstform läuft das Spiel im Koop-Modus auf. Dann wird das Abenteuer auf Pandora zur großen Party, in der alle fröhlich auf bunte zahlensprühende Piñatas ballern und sich über die nahezu unendlichen Geschenke freuen können. Pandora ist für Neueinsteiger und Borderlands-Veteranen gleichermaßen ein Ort, an dem es viel zu entdecken gibt. Die Landschaften sind noch mal um einiges abwechslungsreicher und größer als beim Vorgänger. Die unterschiedlichen Gegenden und Städte haben ihren jeweils ganz eigenen Charakter. Von vereisten Gebirgspässen geht es durch Wüstengebiete in neonfarbene unterirdische Minen mit Säuretümpeln hin in kleine Westernstädtchen und das faschistische Hochglanz-Utopia von Erzschurke Handsome Jack.

Ständig erwarten uns neue Szenarien und auch die Gegner sind wesentlich variantenreicher geworden. Sie erfordern ihre jeweils ganz eigene Taktik insbesondere in Bezug auf die Elementarschäden und ihre Resistenzen. Neben den bekannten zusätzlichen Schäden wie Feuer, Blitz oder Säure ist noch das neue Slag hinzu gekommen. Mit Slag werden die angeschossenen Gegner ihrer Resistenz beraubt und zusätzlich noch empfindlicher gegenüber anderen Elementen, was gerade im Koop-Modus für noch mehr taktischen Tiefgang sorgt. Ein gut gerüstetes Team ist so schnell mit den deutlich schwereren Gegnern fertig werden.

Neben den vielen kleinen und größeren Verbesserungen haben sich allerdings zwei Dinge nicht verändert: Die manchmal etwas wenig aussagekräftige Minikarte und die merkwürdige Steuerung der Buggys mit den Analogsticks. Ein anderer Kritikpunkt der Vorgänger-Version fällt dafür aber weg: Wasser gibt es kaum zu sehen und die kleinen reißenden Gebirgsbäche sehen bei den jetzt wechselnden Tageszeiten tatsächlich großartig aus.

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Man kann ohne Frage auch alleine mit Borderlands 2 viel Spaß haben, aber zu Höchstform läuft das Spiel im Koop-Modus auf.

Obwohl sich, wie bei eigentlich jedem Videospiel, die einzelnen Aufgaben auf die vermeintliche stumpfsinnige Wiederholung der ewig gleichen Aufgaben wie "Töte dies, beschütze das und bring mir dies" herunterbrechen lassen, sind die Quests von Borderlands 2 so wunderschön verpackt und mit tollen Gags gespickt, so dass nie Routine aufkommt. Die deutsche Synchronisierung muss da natürlich einige Federn lassen, ist aber trotzdem erstaunlich gut gelungen.

Das Rollenspiel-Element von Borderlands 2 ist mit vielen kleinen Änderungen, auf die man hier unmöglich komplett eingehen kann, noch mal verbessert und mit einem kleinen bisschen Tiefgang versehen worden. Leute aus der Shooter-Ecke werden aber nicht mit zu komplizierten Details verschreckt. Neu im Beuteschema sind die Skins für Kleidung und Kopf der eigenen Spielfigur. Wem etwa der Commando Axton rein optisch zu glatt erscheint: Mit den passenden Skins wird der schnell zum vollbärtigen, vernarbten Haudegen mit Glatze in schwarzer Vladov-Uniform. So wird jeder Charakter in Borderlands 2 schnell einzigartig, während im Vorgänger nur Farbnuancen verändert werden konnten.

Auch wenn viele NPCs und auch die Hauptfiguren aus Borderlands wieder auftauchen: Verständnisprobleme werden Neueinsteiger sicher nicht haben. Einige Gags werden zwar untergehen und man wird das breite Grinsen der Kenner kaum nachvollziehen können, die in einem der späteren Gebiete von Borderlands 2 plötzlich Fyrestone wiederentdecken - den Ort des doch relativ langatmigen Tutorials des ersten Teils. Die Kreuzung hinter dem kleinen Kaff und die Straßenführung kennt man einfach noch genau - inklusive der Skag-Nester und dem Seitengang zum ersten Miniboss. Schöner konnte die Rückkehr nach Pandora kaum sein.

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09 Gamereactor Deutschland
9 / 10
+
Toller und einzigartiger Hybrid aus Shooter und Rollenspiel, grossartiger Humor, extrem hoher Suchtfaktor
-
Gewöhnungsbedürftige Steuerung der Fahrzeuge, teilweise laden die Texturen langsam nach
overall score
ist die Durchschnittswertung von Gamereactor. Wie hoch ist eure Wertung? Die Durchschnittwertung aller Gamereactor-Redaktionen wird aus den Wertungen in allen Ländern erhoben, in denen es lokalen Gamereactor-Redaktionen gibt

Zweite Meinung

Man soll sich als Kritiker ja nicht allzu sehr von persönlichen Vorlieben übermannen lassen. Man muss analytisch bleiben, fair, gerecht und immer artig schauen, welche Note die vergleichbare Konkurrenz hat und die Vorgänger. Und man muss genau auf alles das pfeifen können. Dann nämlich, wenn einem etwas als Gesamtkunstwerk so unglaublich gut gefällt, dass es einfach keine faire Messlatte mehr dafür gibt. Ich finde an Borderlands 2 wirklich alles gut. Einfach alles. Punkt. Es ist eines der für mich perfekten Spiele in seiner ganz eigenen Welt. Ich meine, echt mal, selbst einige der so unglaublich coolen, witzigen, selbstironischen und stylischen Waffen sprechen mit mir, wenn ich mich mal ein paar Minuten auf Pandora ausruhe und die Aussicht genieße. Ich liebte Borderlands. Und ich liebe Borderlands 2 - noch ein bisschen mehr.

Meint: Christian Gaca und wertet 10/10

Leserkritiken

  • Hotzenplotz
    Meisterhaft!!! Selten das man sich ein Spiel wünscht in dem sich nicht zuviel verändert zum Vorgänger. Aber bei Borderlands ist das so. Und in... 10/10

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