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Call of Duty: Modern Warfare

Call of Duty: Modern Warfare - erste Details zum Reboot

In Los Angeles haben wir uns den Neustart der Modern-Warfare-Serie angeschaut, das auf intensive Details und Realismus setzt.

Leidenschaft. Das Wort haben wir bei den Entwicklern des neuen Call of Duty wohl am häufigsten zu hören bekommen. Jeder in den Fluren des Studios in LA spricht von einem besonderen Moment in der Geschichte der Videospiele - als Call of Duty auf unseren Konsolen erschien. Und obwohl die Serie immer Höhen und Tiefen hatte und haben wird, so konnte sie stets polarisieren. Deshalb kann niemand die Wichtigkeit dieser Reihe bestreiten.

Infinity Ward spielte dabei ein besondere Rolle: Sie entwickelten das erste Call of Duty und später schenkten sie uns die Modern-Warfare-Reihe. In diesem Büro entstand auch Ghosts und Infinite War, die viele Spieler jedoch vernachlässigt haben. In den letzten zweieinhalb Jahren ist Infinity Ward wieder zu ihrer stärksten Marke zurückgekehrt, obwohl die Saga 2011 mit Makarovs Tod endete. Aus diesem Grund waren wir nicht sonderlich überrascht, als uns gesagt wurde, dass das neue Spiel nicht Call of Duty: Modern Warfare 4 heißen würde. Der Ego-Shooter sei ein Reboot der originalen Modern-Warfare-Saga und heißt deshalb einfach Call of Duty: Modern Warfare (fast so wie 2007).

Eines ist jedenfalls klar: Das hier wird kein Remake des ersten Call of Duty, sondern ein völlig neues Erlebnis. Die Ambition dieses Titels sieht vor, ein möglichst gegenwärtiges Kriegsszenario mit plausiblem, geopolitischem Hintergrund zu erzählen. Seit 2007 hat sich die Welt verändert, die Kriege haben sich gewandelt und daher braucht Modern Warfare ein neues Skript. Nicht zuletzt sind auch unsere aktuellen Videospiele anders als noch vor zwölf Jahren, also braucht es einige radikale Veränderungen.

Call of Duty: Modern WarfareCall of Duty: Modern Warfare

Fast alle Ableger von Call of Duty hatten diese zweigeteilte Struktur, in denen Singleplayer und Multiplayer nebeneinander koexistierten. Das hat das Publikum über die Jahre geteilt, denn die Spieler haben entweder den einen oder den anderen Aspekt ignoriert. Das neue Call of Duty: Modern Warfare will das ändern, indem es uns nahtlos zwischen Singleplayer und Multiplayer wechseln lässt. So soll das Spiel als ein zusammenhängendes Produkt wahrgenommen werden, in dem jeder Teil seinen Kontext bietet. Bislang sind das aber nur Versprechen, konkrete Details zur Umsetzung wurden uns nicht verraten.

Call of Duty: Modern Warfare will uns von einem gegenwärtigen Kriegsszenario erzählen, denn Krieg ist etwas Schreckliches. Zu oft wird in der Welt der Videospiele das Kriegsgrauen platt mit viel Blut und gewaltsamen Darstellungen veranschaulicht. Im neuen Modern Warfare versucht Infinity Warfare hingegen, die Anspannung und das persönliche Drama der Soldaten zu zeigen, die mit solchen Situationen konfrontiert werden. Laut einem Sprecher orientiert sich das Game bei der Darstellung von Gewalt eher an "Der weisse Hai", als an "Saw".

Call of Duty: Modern Warfare wird also nicht einfach den Kampf eines Helden gegen einen abgrundtief bösen Protagonisten zeigen, sondern komplexe Charaktere abbilden, die nachvollziehbare Motivationen haben. Es soll ein Spiel werden, in dem Gut und Böse eher eine Frage der Perspektive sind. Noch immer stehen sich die amerikanischen und russischen Supermächte gegenüber, aber die Ereignisse, die im dritten Teil der Saga zur Zerstörung einer amerikanischen Großstadt führten, sind noch nicht eingetreten.

In Modern Warfare treten auf beiden Seiten professionelle Militärs sowie Rebellen-Milizen gegeneinander an. Sie kämpfen Seite an Seite, aber es gibt auch Situationen, in denen sie dem Feind alleine gegenüberstehen. Die sogenannten Operatoren reisen in kleinen Gruppen und sind mit fortschrittlicher Ausrüstung ausgestattet, während sich die Rebellen auf ihre zahlenmäßige Überlegenheit verlassen müssen. Zwischen diesen Fronten zu wechseln sorgt für abwechslungsreiche taktische Szenarien.

Call of Duty: Modern WarfareCall of Duty: Modern Warfare

Die Präsentation in Los Angeles hat sich exklusiv der Einzelspieler-Komponente von Modern Warfare gewidmet. Die erste Mission hat uns nach London geführt, wo nach einem Anschlag eine terroristische Zelle ausgehoben wurde. Zu Beginn der Mission verteilten sich die Operatoren an die Eingänge und warteten auf das Signal zum Durchbruch. Das Szenario hat stark an Rainbow Six: Siege erinnert und als in den Korridoren die Lichter gekappt wurden und wir unsere Nachtsichtgeräte eingeschaltet haben, kam es zum Kampf gegen die Terroristen.

Dabei kam es zu einer denkwürdigen Szene: Ein Terrorist benutzt eine Frau als menschliches Schild und nachdem wir die Gefahr gebannt haben, läuft sie zu einer Wiege und wir müssen uns fragen, ob sie dort nach ihrem Kind schaut oder nach einer Waffe. Wenig später wird ein Mann heftig an der Kehle verwundet und wir hören sein Röcheln, während ein anderer Sterbender nach seinem Gewehr greift. Obwohl diese Szenen einem Skript folgen, sorgt das Spiel dafür, dass sich uns der Magen umdreht.

Die zweite Mission war in einem islamisierten Teil Asiens angesiedelt und wir schlüpfen dort in die Rolle eines kleinen Mädchens, das nach Bombentreffern aus den Trümmern gerettet wird. Ihre Mutter ist an ihrer Seite gestorben, aber die Dorfbevölkerung konnte sie auf wundersame Weise unverletzt bergen. Die Bomben waren allerdings nur der Vorgeschmack auf eine russische Invasion mit Nervengas. Wir fliehen in unser Zuhause und werden dort von unserem Vater und insgesamt acht Brüdern beschützt, während die Russen die Gebäude durchkämmen. Nach einem gewaltsamen Zusammentreffen mit einem gegnerischen Operator fliehen wir aus dem Haus und erleben draußen eine grauenhafte Hinrichtung der Dorfbewohner. Der Krieg lässt die Zivilisten leiden und Call of Duty: Modern Warfare zeigt uns das auf eine sehr grobe Art und Weise.

Call of Duty: Modern WarfareCall of Duty: Modern Warfare

Nach diesen Szenen und einer kleinen Kaffeepause zeigte uns Infinity Ward die technische Komponente ihres nächsten Projektes. Sie arbeiten an einem "Volumetric Lightning"-System, das den Staub nach einer Bombardierung einfängt, was uns vor allem mit hochwertigem Audio-Design überraschte. Jede Waffe verursacht ein anderes Geräusch, abhängig von dem Ort, an dem sie abgefeuert wurde. In einer Szene am Piccadilly Circus fiel uns der Klang des Granatwerfers in der Londoner U-Bahn auf, in der Coventry Street war es das Echo unserer Kugeln. Die Sorgfalt, die in diese Komponente geflossen ist, hat uns beeindruckt und wir waren froh, dass sich die Entwickler die Zeit genommen haben, um uns darauf hinzuweisen.

Sogar die Animationen der Waffen wurden überarbeitet: Mit einem System das "Activital" genannt wird, versuchen die Entwickler zu imitieren, wie jede Waffe gehalten wird und wie man mit ihr umgehen kann. Die schwereren Knarren beeinflussen die Kopfbewegungen der Spieler, denn das Gewicht ist förmlich spürbar. Das Anpassen der Waffen erinnert fast schon an die Garage von Forza Motorsport, so viele Details können hier verändert werden. Insgesamt haben die Entwickler schwer daran gearbeitet, Objekte möglichst realistisch im Spiel darzustellen. Von rostigen Autotüren bis hin zu Schrotthaufen - die Welt von Call of Duty: Modern Warfare wirkt sehr detailliert und realistisch. Die Charaktermodelle, die alle echten Schauspielern nachempfunden wurden, zeigen sogar Gesichtsvenen oder wenn jemand rot anläuft.

Infinity Ward beschreibt Call of Duty: Modern Warfare als das authentischstes und realistischstes Videospiel, das sie je entwickelt haben. Und wir müssen zugeben, dass wir trotz aller Skepsis der Marke gegenüber und nach all den Jahren überrascht waren. Dieses neue Modern Warfare ist ein vielversprechendes Spiel und sicher eines der interessantesten Kriegsspiele der letzten Jahre. Wir müssen abwarten, wie sich der Multiplayer präsentieren wird und wie viele der Entwickler-Versprechen letztlich tatsächlich eingehalten werden. Doch vielleicht könnte dieses Spiel einen Wendepunkt für die Marke einleiten.

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