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Chernobylite

Chernobylite

Dieser postapokalyptische Shooter hat sich stark von Metro 2033 und Fallout 4 beeinflussen lassen.

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Chernobylite will ein eiskalter, spannender Thriller sein, der von Dunkelheit und Ungewissheit durchtränkt ist. Das gelingt der Geschichte aber leider nicht.

In Chernobylite übernehmen wir die Rolle von Igor, einem Nuklearphysiker, der früher im Kernkraftwerk von Tschernobyl beschäftigt war. 30 Jahre nach dem Vorfall, der das gesamte Gebiet verwüstete und als die größte Atomkatastrophe aller Zeiten gilt, kehrt er an den Ort des Geschehens zurück, um herauszufinden, was mit seiner Frau passiert ist, die bei dem Unglück damals spurlos verschwunden ist.

Die Entwickler bezeichnen ihr neues Projekt als "Sci-Fi-Rollenspiel", aber in der Realität handelt es sich hierbei um eines dieser Survival-Games, die vor einer Weile wie Pilze aus dem Boden geschossen sind. Der Titel weist starke Metro-/Stalker-Vibes auf und er bietet einige mehr oder weniger gut implementierte Rollenspielelemente. Es geht darum, Dinge zu erforschen, Hinweise zu sammeln und dabei zu überleben. Am Ende erhält man Antworten auf die wichtigen Story-Fragen rund um das mysteriöse Schicksal von Igors Frau, die ihm vor vielen Jahren verlorengegangen ist.

Die Charaktere wirken sehr stereotyp und manchmal sind sie beinahe Karikaturen. Immer wenn die Geschichte versucht, surreal oder philosophisch zu sein, fällt auf, dass The Farm 51 nicht genug dramaturgisches Wissen besitzt, um diese Momente anständig zu inszenieren. Chernobylite will ein eiskalter, spannender Thriller sein, der von Dunkelheit und Ungewissheit durchtränkt ist. Das gelingt dem Spiel aber leider nicht sehr gut, deshalb hat mich das, was hier erzählt wird, schnell gelangweilt.

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Die Spielerfahrung ist an manchen Stellen etwas verwässert und das Tempo stimmt nicht immer. Diese raue Form passt ehrlich gesagt aber ganz gut zu dieser Art von Spiel.

Unsere Entscheidungen ziehen im Spielverlauf viele Konsequenzen nach sich, die im gesamten Abenteuer widerhallen. Dieses Fundament überzeugt mich tatsächlich sehr, denn an dieser Front glänzt Chernobylite eindeutig mehr als viele andere Spiele dieser Art. Es fühlt sich immer so an, als ob meine Entscheidungen meine eigenen wären und als ob sie mein Leben in den rußschwarzen Wäldern außerhalb von Prypjat beeinflussen würden.

Diese Gefühl und die grundlegende Brutalität der Spielmechaniken, sorgen in Verbindung mit dem Spieltempo dazu, dass es tatsächlich Momente gibt, die sich wie Stalker anfühlen. Schade ist eigentlich nur, dass viele der Aufgaben, die ich absolvieren musste, sehr eintönig waren. Ich verstehe, dass man als Spieleentwickler sicherstellen muss, dass die Leute möglichst viel Zeit mit dem eigenen Projekt verbringen, doch das muss man schaffen, ohne die gleiche Art von Missionen mit der identischen, langweiligen Struktur endlos zu wiederholen. Statt das eigene Produkt mit diesem Müll zu verwässern, wäre ein straffes, besser durchgetaktetes und abwechslungsreiches Abenteuer, an das sich der Spieler gerne zurückerinnert, zweifellos die bessere Entscheidung gewesen.

The Farm 51 hat in Chernobylite ein System integriert, dank dem wir eine Basis aufbauen und Helfer rekrutieren können, die Igor bei der Suche nach seiner vermissten Frau helfen. Im Grunde funktioniert das ein bisschen so wie in Fallout 4, gemixt mit dem Sammeln von Artefakten, wie man es in Stalker tat. Auf dem Papier ist das eine vertraute Idee, die man schon 1000 Mal gesehen hat, doch in diesem Spiel funktioniert sie nicht. Es fällt leider schon früh auf, dass das Spielsystem etwas spät in der Entwicklung hinzugefügt wurde. Wahrscheinlich konnte die Geschichte das Interesse derjenigen, die die frühesten Versionen von Chernobylite getestet haben, nicht wecken, weshalb wir uns nun mit dieser halbherzigen Integration beschäftigen müssen. Es ist wahrscheinlich auch der Arbeit am Skript geschuldet, dass sich das alles nie besonders relevant oder lebendig anfühlt.

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Der Titel weist starke Metro-/Stalker-Vibes auf und er bietet einige mehr oder weniger gut implementierte Rollenspielelemente.

Abgesehen davon gefällt mir die Atmosphäre im Spiel aber sehr gut. Tatsächlich hat es The Farm 51 geschafft, die gleichen Gefühle von Einsamkeit und Dunkelheit aufzubauen, die schon Stalker so sehr bestimmten. Es gibt sogar Momente des Schreckens, die mir während meiner Stunden mit dem Spiel blanke Angst einjagen konnten. Die Schuss- und Schleichmechaniken sind ebenfalls ziemlich gut geworden, obwohl es dem Spiel in Bezug auf bestimmte Aspekte, wie Rückstoßphysik oder Animationen, sehr deutlich an Fingerspitzengefühl und Detailtreue mangelt. Das Spielgerüst wirkt dadurch ein bisschen "roh", was in gewisser Weise aber sehr gut zur künstlerischen Vision und dem Konzept passt. Auch die Umgebungen sind relativ gut gemacht.

Chernobylite ist ein gutes Spiel, aber es ist auch sehr fragmentiert, um es gelinde auszudrücken. Die Spielerfahrung empfand ich als ebenso beängstigend, düster, brutal und zugleich hektisch, wie klaustrophobisch, gnadenlos schwierig, unnötig kompliziert und eintönig. Die Nahkämpfe sind hoffnungslos plump und die Missionen könnten abwechslungsreicher sein, aber trotzdem muss ich das hier jedem empfehlen, der Fallout 4, Stalker oder Metro 2033 mag.

07 Gamereactor Deutschland
7 / 10
+
Atmosphäre und Spielmechaniken sind gut, sehr schwierig, fesselnde Erfahrung.
-
langweilige Geschichte mit schlechten Charakteren.
overall score
ist die Durchschnittswertung von Gamereactor. Wie hoch ist eure Wertung? Die Durchschnittwertung aller Gamereactor-Redaktionen wird aus den Wertungen in allen Ländern erhoben, in denen es lokalen Gamereactor-Redaktionen gibt

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