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Kritiken
Colin McRae: Dirt 2

Colin McRae: Dirt 2

Der heiß ersehnte Nachfolger von Colin McRae: Dirt ist eine verdammt hübsche Hommage an den kompromisslosesten Raser der Rallywelt geworden. Gamereactors Motorsport-Junkie Petter Hegevall hat Colin McRae: Dirt 2 getestet, getestet, getestet.

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"Wenn du zweifelst, tritt das Gaspedal ganz durch." Eines der bekanntesten Zitate von Colin McRae darf hier stellvertretend die gesamte Erfahrung mit Codemasters lang erwartetem Nachfolger von Colin McRae: Dirt zusammenfassen. Zwanzig Stunden Rally-Orgasmus haben gerade ihr Ende erreicht. Wir sind extrem davon beeindruckt, was Colin McRae: Dirt 2 alles zu bieten hat. Der Rallysport ist auf der anderen Seite des Atlantiks gewachsen, er hat sich entwickelt und ist zu mehr als einem nach Kiefernnadeln duftenden Waffelfest geworden, wie wir es in Schweden kennen.

Colin McRae war einer der Wegbegleiter dieses Phänomens und er war derjenige, der gemeinsam mit dem Fixstern Travis Pastrana darauf bestand, dass Rally ein ständiger Bestandteil der X-Games sein sollte. Heute sind Pastrana, Block, Foust und Mirra die neuen Sterne des Rallysports. Junge Herren mit einer Vergangenheit im Extremsport. Rally ist schneller, hübscher und extremer geworden und ist sehr viel mehr als früher ein smart geplanter Flirt mit dem Publikum. Auf jeden Fall mehr als sich die WRC-Heinis das jemals haben träumen lassen. Colin McRae durfte diese Veränderung des Sportes, für den er lebte, nicht mehr miterleben. Er starb, bevor sein neuer Traum Wirklichkeit wurde.

Colins Name lebt dennoch weiter, nicht zuletzt im Zusammenhang mit jenen Rally-Spielen, in denen er immer noch am berühmtesten und besten ist - obwohl er selbst als Rallyfahrer selten gewann, sondern meistens im Straßengraben landete. Colins Mantra war Vollgas - die ganze Zeit. Sein extrem wilder Fahrstil lockte das Publikum und als wir zum 29. Mal zu eng in eine kroatische Haarnadelkurve hineinrasen und dabei die Steine nur so zerschnippseln, gedenken wir Colin und seinem Ehrenmotto: "Wenn du zweifelst, tritt das Gaspedal ganz durch."

Mit Colin McRae: Dirt 2 hat Codemaster den Schritt zum Extremsport geschafft - ganz und gar. Schon beim Vorgänger gab es deutliche Tendenzen in Richtung des X-Games-Racings, in dem Pastrana und Block die Meister sind. Dort aber wr trotzdem noch das traditionelle Rallyerbe sichtbar, das auf eine bekannte Art präsentiert wurde. Letzteres ist in Colin McRae: Dirt 2 nun nicht mehr vorhanden und das Ganze fühlt sich in seiner Präsentation mehr an wie ein Snowboard-Spiel mit wilder Grafik, frischer Typographie, kochendheißer Musik und lebendigen Wettbewerben, vollgestopft mit gröhlenden Zuschauern.

Colin McRae: Dirt 2 ist eine digitale X-Games-Meisterschaft ohne Moto-X, Skateboard, BMX und Snowboard. Hier gibt es nur überladene Gruppe N-Autos, klassische Gruppe B-Monster und durstige Baja-Buggys. Es kracht, raucht, knattert und zischt. In Kombination mit dem freundschaftlichen Gedisse der Gegner und dem Brüllen des Publikums ergibt sich hieraus eine ganz eigene Atmosphäre, die perfekt zum Racing in Colin McRae: Dirt 2 passt.

Beim ersten Spiel lotste uns Travis Pastrana durch die Menüs und feuerte uns vor harten Wettbewerben mit lautstarken Fangesängen und Hymnen an. Jetzt wurde die Stafette an den derzeit weltgrößten Rally-Held weitergereicht, Ken Block. Ken Blocks coole Fahrstunts in verschiedenen Werbespots (unter anderem für DC Shoes und Monster) haben im Internet für eine mittlere Hysterie gesorgt. Davon wollten die trendempfänglichen Leute bei Codemasters jetzt natürlich profitieren. Fast jedes Mal, wenn man nach einem bestandenen Event wieder zu seinem Wohnwagen zurückkommt, spricht Block mit seiner nasalen Stimme mit uns. Während des deftigen Karrieremodus wird er so ebenso zu einem Begleiter wie zu einem Rivalen.

Colin McRae Dirt 2 ist in allen nur erdenklichen Punkten ein besseres Spiel als sein Vorgänger. Die erste spielbezogene Verbesserung, die vorgenommen wurde, ist definitiv die schwerere Physik der Autos, die einen sehr viel mehr herausfordert. Beim Vorgänger war das Fahrgefühl unerhört direkt gesteuert. Die Autos waren sehr schnell und die Bremsen waren so effektiv, dass es sich nicht real anfühlte. Bei Colin McRae Dirt 2 ist die Friktionsphysik und das Gravitationssystem verändert und alle Autos fühlen sich schwerer und... materieller an.

Jetzt kann man, genau wie in Colin McRae 04 (zum Beispiel) Scandinavian Flicks machen, breit in den Kurven liegen wie ein Formel D-Fahrer oder versuchen, scharf zu fahren, um damit Zeit zu gewinnen. Die Autophysik in Colin McRae: Dirt 2 ist unerhört gut und auch wenn das Fahren damit eine größere Herausforderung als im ersten Spiel ist, ist es dadurch sehr viel ergiebiger. Es fordert, dass wir jedes einzelne Auto sehr viel eingehender kennen und bewerten, bevor wir das Gaspedal durchtreten.

Genau wie in Colin McRae 3 und im Höhepunkt der Serie, Colin McRae 04, haben die Physikprogrammmierer von Codemaster wundervolle Arbeit geleistet und ein herrlich süchtig machendes Fahrgefühl geschaffen, das uns einen reellen Unterschied zwischen den Autos der unterschiedlichen Klassen spüren lässt - trotz einer arcadigen und extrem übertriebenen Vereinfachung der Wirklichkeit.

Es ist erfrischend, von einem frontlastigen Nissan 350Z mit starkem Hang zu Slides (der uns einfach zu breiten Schotterslides verführt) auf Subarus letzten WRX STi zu wechseln. Der kurze Achsabstand des Hot-Hatch-Subarus hat zur Folge, dass man seinen Fahrstil ganz und gar umstellen muss. Jetzt gilt es, mit vorsichtiger Bremse zu fahren und geizig die Innenkurven zu beschneiden. Es gibt viele unterhaltsame Automodelle in Colin McRae: Dirt 2, auch wenn wir definitiv auf eine noch größere Auswahl gehofft hatten.

Außer dem brillanten Fahrgefühl und der fast perfekt ausbalancierten Autophysik hat Colin McRae Dirt 2 die absolut beste Grafik des Genres. Race Driver: Grid war schon vor einem Jahr pervers hübsch, doch Colin McRae: Dirt 2 übertrifft Codemasters Street-Race-Festum Längen. Vor allem, weil es die besten Lichteffekte hat, die es je in einem Rennspiel zu sehen gab. Es ist eine wahre Freude, durch Malaysias feuchten Dschungel zu fahren und zu sehen, wie sich die starken Sonnenstrahlen ihren Weg hinab durch die dichten Palmenblätter bahnen und das Autodach treffen.

Mit Colin McRae: Dirt 2 schlägt sich Codemasters ganz nach oben durch und das Spiel teilt sich nun mit Killzone 2 den ersten Platz der optisch schönsten Konsolenspiele. Auch für die gelungene Variation verdient Codemasters Lob, denn sie fühlt sich absolut nicht so gezwungen an, wie es zum Beispiel bei den Lastwagenrennen im ersten Spiel der Fall war. In diesem Spiel macht es in allen Rennarten und allen Disziplinen Spaß, miteinander zu wetteifern. Auch wenn hier jemand persönlich die traditionelle Rallystrecken präferieret, bei denen die Uhr der einzige Gegner ist.

Colin McRae: Dirt hatte - zum großen Ärger vieler Gamereactor-Leser - keinen Split Screen-Modus. In Vorbereitung auf den Nachfolger hagelten eure Fragen nur so auf unsere Redaktion ein. Leider, leider müssen wir mitteilen, dass Codemasters auch dieses Mal auf den Split Screen-Multiplayer verzichtet hat und stattdessen einen Online-Modus am Start hat, in dem man mit bis zu sieben anderen Fahrern in sämtlichen Racing-Disziplinen des Spiels um die Wette fahren kann. Auch der System Link-Multiplayer ist mit dabei.

Der Grund dafür, dass es keinen Split Screen gibt, ist natürlich, dass die Grafik hätte bedeutend herabgestuft werden müssen, damit die Konsolen die gleichen Umgebungen und Autos zeichnen und das gleiche System für Physik, Schadenmodelle und alles andere berechnen können - und zwar doppelt. Codemasters selbst hat gesagt, dass die Grafik auf gar keinen Fall eingeschränkt werden soll. Deswegen ist es also nicht möglich, Colin McRae: Dirt 2 gemeinsam mit einem Kumpel auf dem gleichen Bildschirm zu spielen.

Ein weiteres Detail, das bei Colin McRae: Dirt 2 definitiv auf dem Minuskonto landet, ist die vielleicht etwas zu grafische Präsentation, die eine ganze Menge Ladezeit zwischen den verschiedenen Wahlmöglichkeiten mit sich bringt, die es nach jedem Wettbewerb gibt. Uns gefällt die Atmosphäre, das Racing- und Extremsport-Gefühl, aber es ist einfach nervig wie lange es dauert, sich durch die Menüs zu navigieren, eine Statistik zu sehen und endlich wieder ins Auto zu kommen.

Als wir am Ende des Karrierenmodus vom Spiel darüber informiert werden, dass wir mehr Zeit in den Menüs als auf der Strecke verbracht haben, kommt eine Frustration auf, die nur von einer Handvoll übertrieben breiter Asphaltslides (inklusive wahnwitziger Scandinavian Flicks) beruhigt werden kann. Für den nächsten Teil hoffen wir darauf, dass Codemasters begreift, dass grafisch allzu fordernde Menüs mehr kaputt machen, als sie dem Spiel geben - unabhängig davon, wie cool sie die ersten zehn Male auch aussehen mögen.

Es sind am Ende einige wenige, eher minimale Minuspunkte. Und eine verdammt große Menge fetter Pluspunkte. Geniale Autophysik, wunderbare Grafik und eine fantastische Abwechslung machen Colin McRae: Dirt 2 zu einem der besten Spiele des Jahres. Wir vermissen jedoch den Split Screen-Multiplayer und finden, dass die Autoauswahl viel zu geizig ist. Aber ansonsten ist das Ganze absolut fantastisch.

(Alle Bilder sind von der Xbox 360-Version des Spiels).

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09 Gamereactor Deutschland
9 / 10
+
Unverschämt gute Grafik, fantastische Spielkontrolle, perfekt balancierte Autophysik, unterhaltsame Levels, gute Musik, gut gemachter Onlinemodus
-
Zähe, zeitraubende Menüs, begrenzte Autoauswahl
overall score
ist die Durchschnittswertung von Gamereactor. Wie hoch ist eure Wertung? Die Durchschnittwertung aller Gamereactor-Redaktionen wird aus den Wertungen in allen Ländern erhoben, in denen es lokalen Gamereactor-Redaktionen gibt

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