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Kritiken
Darksiders II

Darksiders II

Die Apokalypse brach über die Welt herein und Krieg soll dafür verantwortlich sein. Sein Bruder Tod versucht, ihm zu helfen. Auch wenn er dafür ungewöhnliche Wege gehen muss.

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Krieg, einer der vier Reiter der Apokalypse, soll das Gleichgewicht zwischen Gut und Böse empfindlich gestört haben. Es ist ihnen nur gestattet einzugreifen, wenn die sieben Siegel der Apokalypse gebrochen wurden. Sie waren allerdings scheinbar alle intakt und doch stand Krieg plötzlich auf der Erde. Zwischen Himmel und Hölle brach ein Kampf aus und die Erde versank im Chaos. Im Spiel Darksiders versuchte Krieg im Auftrag des Hohen Rates auf der zerstörten Erde herauszufinden, was hinter all dem steckte. Der stolze und mächtige Reiter war angreifbar geworden, aber ihm blieb nur diese letzte Chance. Am Ende des ersten Spiels kam es tatsächlich zum Bruch der Siegel und ihrem Ruf folgten die drei anderen Reiter.

Darksiders II handelt nun vom Apokalyptischen Reiter Tod. Er weiß nur, dass sein Bruder für das Ungleichgewicht und das Ende der Menschheit verantwortlich sein soll. Jedoch glaubt er nicht daran. Tod will um jeden Preis die Hände seines Bruders reinwaschen. Über hundert Jahre sind vergangen und der Reiter muss einsehen, dass er vermutlich nicht herausfinden wird, was wirklich vorgefallen ist. Und schon gar nicht wird er das gegenüber dem Hohen Rat beweisen können.

Aber er kann versuchen, die Balance wieder herzustellen. Also macht er sich auf zum Krähenvater, dem Hüter der Geheimnisse. Der kennt die Wahrheit und vielleicht kann er helfe, die Verbrechen ungeschehen zu machen und die Menschheit zurück auf die Erde holen. Es klingt nach einem wahnsinnigen Plan. Doch Tod will seinem Bruder um jeden Preis helfen. Das ist es, was ihn das ganze Spiel über antreibt. Es ist das Grundmotiv von Darksiders II. Sollte es tatsächlich gelingen, so sein Gedankengang, würde das die Vorwürfe gegen Krieg nicht mehr so schwer wiegen lassen.

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Darksiders IIDarksiders II

Leisten soll das der Baum des Lebens, er kann die Menschen retten. Doch der Krähenvater will es dem Reiter nicht so einfach machen. Denn der Tod trägt noch ein dunkles Geheimnis in sich - eines, das er eigentlich erfolgreich verdrängt hatte. Während der 20 bis 30 Stunden Spielzeit werden wir immer wieder darauf gestoßen, müssen uns damit auseinandersetzen. Als Apokalyptischer Reiter mögen wir stark sein, doch sind auch wir auf die Hilfe anderer angewiesen. So wird uns die Rolle in diesem ungleichen Spiel nur langsam bewusst. Denn trotz all der Macht sind wir nur ein Spielball, wissen nur wenig über die vielen Geheimnisse in der Welt.

Vigil Games trägt die Story fantastisch vor und zeichnet ein interessantes Bild vom Reiter. Und wer sich ein wenig im Alten Testament auskennt, der wird auch die vielen Anspielungen verstehen und Figuren wiedererkennen. Spielbar ist Darksiders II natürlich auch ohne dieses Wissen. Erzählt wird eine ganz eigene Geschichte über das Verderben, das sich in der Welt ausbreitet und weder vor Licht noch Dunkelheit halt macht. Doch auch ohne diesen Teil der Bibelgeschichte zu kennen, werden wahrscheinlich am Ende ein paar Fragezeichen bleiben.

Spielerisch schließt alles nahtlos an den Erstling an. Es sind große Schlösser und Verliese, interessante Landschaften und Orte, die wir besuchen. Die Weitläufigkeit und Offenheit war schon ein Stärke des ersten Teils. Diesmal spüren wir das noch deutlicher und doch ist dabei eigentlich alles wie Perlen an einer Schnurr aufgereiht. Wir können uns nicht verlaufen, aber das Spiel lädt uns dazu ein, herumzuspazieren und die Welt zu erkunden. Überall gibt es etwas zu entdecken und selbst die optionalen Dungeons wirken wie kleine, vollwertige Abenteuer.

Darksiders II
Vigil Games trägt die Story fantastisch vor und zeichnet ein interessantes Bild vom Reiter.

Trotz der Parallelen ist Tod ein ganz anderer Charakter als sein Bruder Krieg. Im Gegensatz zum schweren, coolen Kämpfer im Vorgänger steuern wir nun einen geschickteren, flinkeren Typen, der schmal und wendig ist. Tod geht den Gefahren eher aus dem Weg. Und das Fähigkeitssystem kann dies sogar noch verstärken. Neben dem Talentbaum für den konfrontativen Todesboten gibt es nun noch einen Nekromantiker. Statt den direkten Kontakt zu suchen und die Nahkampfangriffe unserer Sense zu verstärken, setzt dieser Charakter auf die Beschwörung von Ghulen und Krähen, die sich selbstständig auf Feinde stürzen.

Wir erleben einfach gehaltene Gefechte gegen ein paar wenige Gegner. Aber es gibt auch solche, bei denen uns kleine Horden von ihnen, also rund zehn Stück, nach dem Leben trachten und eine ganze Weile auch immer wieder Gegner nachkommen. In solchen Momenten wird es dann richtig voll und unübersichtlich auf dem Bildschirm. Wir versuchen tapfer einen Gegner im Visier zu behalten, während wir blind drauflos schlagen und ab und zu die entsprechende Taste zum Ausweichen drücken.

Doch obwohl so viel Chaos herrscht und wir eigentlich mehr einen Blick auf unsere Energieanzeige als für das Gefecht selbst haben, sind diese Momente großartig. So viele Gegner umzunieten, es ist ein Fest und etwas, das auch Fans von God of War so an ihrem Spiel lieben. Jene werden auch die wuchtigen Zwischengegner und fetten Endbosse in ihr Herz schließen. Der wichtigste Unterschied aber ist, dass Darksiders II nur sehr, sehr sparsam mit Quicktime-Sequenzen umgeht und wir in der Regel alles selbst machen müssen.

Wunderbar auch die Idee, das vom modernen Prinz of Persia entlehnte Herumklettern und Entlanggleiten an Wänden zu übernehmen. Anders als noch in den Vorabversionen ist die Steuerung inzwischen auch ziemlich gut und nur wenigen Stellen geraten wir aus dem seidig glatten Spielfluss. Im Grunde unnötige Spielelemente wurden entfernt und was bleibt sind erstaunlich schön zu spielende, ruhige Kletterpassagen, die sich immer wieder in angenehmer Balance mit actiongeladenen Kämpfen abwechseln.

Ein bisschen enttäuschend ist lediglich der Abschluss des Spiels. Das letzte Gefecht war für mich fast so enttäuschend wie jenes in Prince of Persia: Die vergessene Zeit. Vigil Games erhöht im letzten Viertel deutlich die Schlagzahl, um wohl etwas Tempo in das ansonsten recht ausladende Abenteuer zu bringen. Doch statt dann einfach mit einem großen Paukenschlag über die Ziellinie zu rauschen, wird brav die Geschwindigkeit gedrosselt und auf den letzten Metern dann doch der Wagen abgewürgt.

Darksiders II
Trotz der Parallelen ist Tod ein ganz anderer Charakter als sein Bruder Krieg.

Und das Problem ist nicht einmal, dass die Handlung auf mehrere Titel angelegt ist, wir also ohnehin kein richtiges Ende erleben könnten. Die Geschichte von Tod ist abgeschlossen, auch wenn sie nur ein Teil des großen Ganzen ist. Nein, der fade Beigeschmack kommt einfach vom famos aufgezogenen Spannungsbogen, dem man irgendwann einfach nicht mehr gerecht werden konnte. Allerdings ist das eindeutig Jammern auf sehr hohem Niveau. Wer hoch steigt, der kann nun einmal tief fallen. Und immerhin hat Vigil Games die Handlung zu einem vernünftigen Ausgang gebracht und uns nicht völlig irritiert zurückgelassen. Dafür nehmen wir den Anti-Climax zum Schluss in Kauf.

Wird genauer hingeschaut, ist Darksiders II das deutlich rundere und auch hübschere Spiel. Während der Vorgänger noch unweigerlich Vergleiche mit der Legend of Zelda-Serie auf sich zog, verschwimmt das nun durch neu hinzugekommene Elemente. Klar, es wurden wieder Elemente aus anderen Spielen geliehen. Ein besonderer Abschnitt im späteren Verlauf erinnert beispielsweise an einen Zombie-Shooter. Das Sammeln von Rüstungsgegenständen mit individuellen Eigenschaften funktioniert ähnlich wie in Diablo. Und ja, es bleibt natürlich auch der Beigeschmack von God of War und dem oben erwähnten Nintendo-Spiel.

Trotzdem ist Darksiders II ein eigenständiges Spiel. Nicht nur, dass die Komposition der verschiedenen Elemente ein ganz neues Produkt geformt hat. Es ist der Stil, der die Darksiders-Serie so besonders macht. Ohne Creative Director Joe Madureira würde dem Titel die Seele fehlen. So etwas Beeindruckendes und Schönes wie beispielsweise die Unterwelt habe ich in Sachen Design selten gesehen. Immer wieder gibt es diese Momente, die uns in Staunen versetzen.

Darksiders II
Wird genauer hingeschaut, ist Darksiders II das deutlich rundere und auch hübschere Spiel.

Und obwohl es durchaus grafische Mängel gibt, ist dieses Spiel wunderschön. Es sind die Kleinigkeiten, wie Totenköpfe auf den Türen im Reich der Schatten, deren Augen anfangen grün zu blitzen, je näher wir ihnen kommen. Es sind die Abwechslung und die Liebe für das Detail, mit denen uns schon der Vorgänger eingelullt hat. Und auch der Soundtrack leistet erstklassige Arbeit. Denn wenn es gelingt, Anspannung allein durch die musikalische Untermalung zu beeinflussen, uns subtil in Rage zu bringen, die Alarmbereitschaft zu erhöhen oder zu beruhigen - dann ist das einfach das Beste, was einem passieren kann.

Die Geschichte ist großartig inszeniert, so dass es am Ende einfach egal ist, woher all die Inspirationen für das Spiel kommen. Die Leistung von Darksiders II ist die nahtlose Verknüpfung all dieser verschiedenen Ideen mit dem einzigartigen Stil zu einer ganz neuen Videospielerfahrung. Es ist ein komplett spielbarer Comic, der vom Anfang bis - nun ja, sagen wir mal, bis kurz vor Schluss - erstklassig unterhält.

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09 Gamereactor Deutschland
9 / 10
+
schönes Design, spannende Geschichte, großer Umfang
-
Ende etwas schwach
overall score
ist die Durchschnittswertung von Gamereactor. Wie hoch ist eure Wertung? Die Durchschnittwertung aller Gamereactor-Redaktionen wird aus den Wertungen in allen Ländern erhoben, in denen es lokalen Gamereactor-Redaktionen gibt

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