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Death Stranding Director's Cut

Death Stranding Director's Cut

Kojima präsentiert eine komplettere und ausgewogenere Version seines Meisterwerks.

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Death Stranding Director's CutDeath Stranding Director's CutDeath Stranding Director's Cut
Dieses Spiel nutzt sein interaktives Medium als Transportmittel, um den Spielern die zentrale Aussage seines Schöpfers näherzubringen.

Hideo Kojimas Death Stranding hat die Leute geteilt, als es 2019 herauskam. Es ist ein unkonventionelles Videospiel, das noch nie zuvor gemacht wurde und das wir vielleicht auch nie wieder sehen werden. Im Kern geht es darum, von A nach B nach C und dann wieder zurück nach A zu laufen. Zwischendurch lässt man idealerweise nicht aufhalten, denn das erschwert eure Aufgabe nur unnötig. Manche Leute fanden dieses Konzept schlichtweg langweilig und nannten es sogar "den wahren Walking-Simulator". Oberflächlich betrachtet ist das nicht falsch, doch darunter steckt noch so viel mehr.

Death Stranding ist vor allem ein Spiel über das Verbinden. Die Handlung beschäftigt sich mit der Wiedervereinigung amerikanischer Städte nach einem verheerenden Ereignis, das als Death Stranding bekannt ist. Es ist eine verworrene Handlung mit übertriebener Darstellung und langen Zwischensequenzen, aber auch großartiger Schauspielerei, einer erstaunlichen Welt und umwerfenden Idioten, die darin überleben. Wenn man so will, ist es Hideo Kojima in Reinform. Wir haben die Handlung und die Charaktere sehr genossen, doch es ist vor allem diese originelle und brillante Welt, die in ihren Bann zieht. Wir wollen euch die Hintergründe nicht vorwegnehmen, doch es ist sehr spannend zu begreifen, wie Dinge, wie "Strände", Brückenbabys, Chiro-Technologien, DOOMS, Leerestürze und all der andere, verrückte Kram funktionieren. Das World-Building wurde derart kreativ in die Handlung und das Gameplay integriert, dass es einfach nur erstaunt.

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Death Stranding Director's CutDeath Stranding Director's CutDeath Stranding Director's Cut
Der 60fps-Modus hat einen weitaus größeren Einfluss auf das Gesamterlebnis und ist deshalb klar zu empfehlen.

Das ist aber noch nicht der Grund, warum uns Death Stranding so sehr gefällt. Während es in der Handlung darum geht, sich und andere Menschen zu verbinden, besteht die wahre Verbindung in Death Stranding unter den Spielern - unbekannten Personen, die sich niemals sehen oder bewusst miteinander interagieren. Umso erstaunlicher ist es, dass man die Verbindung zu anderen Spielern wirklich fühlt und auch wertzuschätzen lernt. Das Spiel erschwert es uns absichtlich, von A nach B zu gelangen, doch man bekommt viele Hilfsmittel an die Hand, die das eigene Leben ein wenig leichter machen. Ihr könnt Strukturen erstellen, Straßen bauen und Leitern, Seile oder andere Gegenstände im unwegsamen Terrain positionieren, um euch auf diese Weise leichter durch die Welt zu bewegen. Für einen alleine ist das eine echte Herkulesaufgabe, doch hier greift der asynchrone Mehrspielergedanke des Titels.

Das beste Beispiel dafür sind die Straßen, die spätestens nach der Hälfte des dritten Kapitels wichtig werden. Straßen könnt ihr nicht überall hin bauen, stattdessen müssen Straßenbaumaschinen mit Ressourcen versorgt werden, die nach der Lieferung einen kleinen Abschnitt anfertigen. Diese Maschinen erfordern enorme Materialmengen und wenn man das alles allein machen müsste, wäre man ewig beschäftigt. Doch da alle Spieler mit ihrer „Materialspende" zum Fortschritt der Community beitragen, wird die Arbeit einfacher und alle profitieren am Ende davon. Das ist es, worum es bei Death Stranding wirklich geht - man macht sich das eigene Leben und das Leben der anderen einfacher, indem man einander hilft. Das ist auch der Zeitpunkt, an dem das Spiel für die meisten Leute plötzlich Sinn ergibt.

Erwartet aber nicht, dass ihr nach einer Weile ins Spiel kommt und dann schon plötzlich alles für euch gebaut wurde. Bevor ihr von den Konstruktionen und der Hilfe anderer Spieler in einem Gebiet profitieren könnt, müsst ihr zuerst die Schutzräume der jeweiligen Zonen erreichen und sie quasi ans Internet anschließen. Erst wenn sie mit dem gesamten chiralen Netzwerk verbunden sind, könnt ihr von den Konstruktionen anderer Spieler profitieren und umgekehrt. Wir sind uns nicht sicher, wie der Code des Spiels im Detail funktioniert, aber wir vermuten, dass eine serverseitige Lösung dafür sorgt, dass euch immer nur ein Teil der Konstruktionen anderer Spieler zur Verfügung gestellt wird.

Death Stranding Director's Cut
Death Stranding Director's CutDeath Stranding Director's CutDeath Stranding Director's Cut
Der Director's Cut bietet ein ausgewogeneres Spielerlebnis, fantastische 60 Bilder pro Sekunde, mehr Inhalte und großartige neue Werkzeuge, mit denen die Spieler jede Situation meistern werden.

Death Stranding ist auch ein Spiel, das positives Feedback belohnt, da man anderen Spielern "Likes" hinterlassen kann. Nehmen wir an, ihr findet an einem Abhang das Kletterseil eines anderen Spielers, das es euch ermöglicht, schnell und unkompliziert an der Klippe nach oben zu gelangen, anstatt um den Bergkamm herum laufen zu müssen. Diesem Spieler könntet ihr ein paar Likes als Anerkennung hinterlassen, was eine Art hintergründiges Erfahrungssystem befeuert. Es ist ein großartiges Gefühl, ins Spiel zu kommen und lauter Berichte zu erhalten, die einem sagen, dass Dutzende anderer Spieler die eigenen Konstruktionen benutzt haben und sich dafür bedanken. Solch ein Gefühl gibt einem ein Spiel nicht oft und deshalb ist Death Stranding meiner Meinung nach ein Meisterwerk.

Die Handlung ist gut genug, um als Film, Fernsehsendung oder in Buchform erzählt zu werden, genau wie die Geschichten in so vielen anderen Videospielen auch. Die Botschaft des Spiels hätte jedoch nur als Videospiel so effektiv weitergegeben werden können. Um die Verbindung und die Hilfe anderer Spieler wertschätzen zu können, hilft es sehr dabei, wenn man zuvor die schwierigen und frustrierenden Teile des Spiels selbst durchlaufen hat. Ihr könnt euch in diesem und anderen Artikeln über die Erfahrungsberichte belesen, aber um die Botschaft, die Kojima weitergibt, wirklich zu verstehen, müsst ihr Death Stranding wahrscheinlich selbst spielen. Dieses Spiel nutzt sein Medium also als Transportmittel, um zu seinem wahren Potenzial zu gelangen. Das ist die Kraft von Videospielen.

Natürlich tragen die Handlung, die Schauspielerei, das World-Building, die hervorragenden Produktionswerte, die Grafik und die Musik dazu bei, dass man das alles so sehr genießen kann. Der größte Unterschied zur PS4-Version von Death Stranding ist die Möglichkeit, mit 60 Bildern pro Sekunde zu spielen. Ihr dürft euch auch für eine Darstellung in 30 Frames mit etwas besserer Grafik spielen, aber der 60fps-Modus hat einen weitaus größeren Einfluss auf das Gesamterlebnis und ist deshalb klar zu empfehlen.

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Death Stranding Director's CutDeath Stranding Director's CutDeath Stranding Director's Cut
Während das spielerische Gerüst im Director's Cut durch viele Anpassungen verbessert wurde, fehlt der narrativen Erfahrung jegliche Nachbearbeitung.

Die Director's-Cut-Edition verfügt außerdem über mehrere neue Funktionen und Optimierungen, die für ein ausgewogeneres Erlebnis sorgen. In der Originalversion war das zweite Kapitel ziemlich schwierig und frustrierend, weshalb an dieser Stelle viele Spieler aufgehört haben. Auch auf der PS5 gilt das, aber die Einführung einer neuen Waffe, eines besseren Exoskeletts, mit dem ihr euch schneller bewegen könnt, und eines Schießstands mitsamt zusätzlicher Tutorials sorgen für ein allgemein ausgewogeneres Gesamterlebnis. Der Weg zum nächsten Ziel erfordert noch immer harte Arbeit, doch das ist wie gesagt nötig, um das Spiel später zu verstehen. Das Maß der von euch geforderten Anstrengung ist jedoch gesunken, sodass die Botschaft immer noch vorhanden ist - nur ohne zu viel Frust oder Wiederholung.

Das gleiche gilt für den Rest des Spiels: Neue Brückentypen, Paketkatapulte, Wettrennen und frischer Ausrüstung wurden eingeführt, um eure Reise zu erleichtern. Darüber hinaus erhalten PS5-Spieler nun auch die Extras der Steam-Version, einschließlich der Missionen und Gegenstände, die an Kooperationen mit Half-Life, Portal oder Cyberpunk 2077 erinnern. Es gibt auch einen neuen Indoor-Bereich, den ihr erkunden könnt. Dieser erinnert an das Gameplay von Metal Gear Solid mit einem stärkeren Fokus auf Schleichpassagen. Ihr werdet immer wieder darauf zurückkommen, da man nach und nach auf diese Einrichtungen zugreift. Die Geschichte dahinter wollen wir euch nicht vorwegnehmen, also deckt sie lieber selbst auf.

Death Stranding Director's Cut enthält auch Rampen für Ausflüge und Rennstrecken mit Bestenlisten, wenn euch der Sinn nach einer Herausforderung steht. Auf den Straßen zu fahren, ist in Ordnung, doch das unwegsame Gelände eignet sich überhaupt nicht für solche Aktivitäten. Auf der PS5 verwendet diese neue Version des Spiels die Dualsense-Funktionen des Controllers, sowie Tempest-3D-Audio. Beides ist cool und trägt zum Gesamteintauchen bei, aber wir müssen sagen, dass wir etwas mehr erwartet haben. Returnal und Astro's Playroom sind unserer Meinung nach immer noch die besten Beispiele für Spiele, die die einzigartigen Funktionen der PS5 demonstrieren. Was die PS4-Spieler betrifft, die können ihren Spielstand von Death Stranding immerhin in die PS5-Version portieren, falls sie einen haben. Es ist ein nerviger Prozess, aber zumindest ist er da. Für das Upgrade vom PS4-Spiel auf die PS5-Version zahlt ihr 10 Euro und ihr erhaltet dafür die Digital Deluxe Edition.

Death Stranding Director's Cut
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Die neuen Indoor-Bereiche erinnern vom Gameplay her an Metal Gear Solid, denn dort muss Sam leise und bedacht vorgehen.

Wir glauben wirklich, dass Death Stranding ein Meisterwerk ist, und diese Director's Cut-Ausgabe ist in der Tat die endgültigere Ausgabe des Spiels, die aber auch nicht völlig frei von Fehlern ist. Wie bei so vielen anderen Kojima-Spielen gibt es einfach zu viel Exposition und die meiste Zeit ist es schwerfällig, in diesem Tempo durch die Handlung zu kriechen. Manche Momente können frustrierend sein, da man ständig durch andere Charaktere unterbrochen wird, die nicht immer etwas Sinnvolles zu sagen haben. Das Spiel hätte viel effizienter bearbeitet werden können, aber diese Kritik kann man allen Metal-Gear-Spielen unterstellen. Kojima-Fans wissen also, worauf sie sich da einlassen. Die durchschnittliche menschliche Feind-KI könnte auch etwas schlauer agieren, aber das ist halb so wild. Und wie bereits erwähnt, die Fahrmechaniken sind abseits der fertigen Straßen nicht sehr angenehm.

Ein Meisterwerk mit kleinen Schrammen ist immer noch ein hervorragendes Spiel. Es gibt wirklich nichts, das wie Death Stranding ist, denn nur ein Videospiel kann die zentrale Botschaft des Verbindens auf so effektive Art und Weise übertragen. Dieser Director's Cut macht ein hervorragendes Gesamtabenteuer noch besser und bietet ein ausgewogeneres Spielerlebnis, fantastische 60 Bilder pro Sekunde, mehr Inhalte und großartige neue Werkzeuge, mit denen die Spieler jede Situation meistern werden. Es mag für manche Leute zu frustrierend oder "langweilig" sein, aber wenn ihr euch irgendwann entscheidet, es doch auszuprobieren (vor allem wenn man bedenkt, dass das zweite Kapitel jetzt etwas einfacher ist), könnt ihr sicher sein, dass sich die Arbeit am Ende lohnen wird.

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Wenn euch ein Spiel ein gutes Gefühl gibt, dann hat es etwas richtig gemacht. Hideo Kojima ist das mit Death Stranding gelungen.
09 Gamereactor Deutschland
9 / 10
+
Es ist ein Gaming-Meisterwerk. Ergänzungen bieten mehr Optionen und sorgen für ein ausgewogeneres Erlebnis, 60 fps sind eine großartige Entwicklung.
-
der Titel baut zuweilen zu stark auf seine Exposition auf, Zwischensequenzen und Texten hätten ebenfalls überarbeitet werden können.
overall score
ist die Durchschnittswertung von Gamereactor. Wie hoch ist eure Wertung? Die Durchschnittwertung aller Gamereactor-Redaktionen wird aus den Wertungen in allen Ländern erhoben, in denen es lokalen Gamereactor-Redaktionen gibt

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