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Demon's Souls

Demon's Souls (PS5)

From Software haben Bluepoint Games ihren Segen gegeben, um auf der Playstation 5 ein imposantes Fantasy-Abenteuer zurückzubringen.

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Atmosphärisch profitiert Demon's Souls auf der PS5 stark von den zusätzlichen Nebelschwaden, den zusätzlichen Partikeleffekten und vor allem von der Beleuchtung.

Mich nach vielen Jahren wieder durch Demon's Souls zu spielen, war eine spannende Erfahrung. Das Original holte ich erst 2014 nach, nachdem mich Dark Souls gebrochen und anschließend wieder neu zusammengesetzt hatte. Ehrlich gesagt kann ich nicht behaupten, dass von meinem ersten Spieldurchlauf sonderlich viel hängengeblieben wäre, doch das neu veröffentlichte PS5-Remake konnte an meine flüchtigen Erinnerungsfetzen wunderbar anknüpfen. Die US-Amerikaner von Bluepoint Games waren drei Jahre lang damit beschäftigt, das visionäre Game Design von From Software aufzupolieren und in einem noch nie dagewesenen Glanz für ein neues Publikum erstrahlen zu lassen, um Sonys neue Gaming-Plattform zum europäischen Verkaufsstart am 19. November 2020 ein fantastisches, erinnerungswürdiges und knüppelschweres Action-Rollenspiel zur Verfügung zu stellen.

Das heruntergekommene Königreich von Boletaria ist der zentrale Schauplatz von Demon's Souls. Die Exposition macht einen mysteriösen Nebel für den Fall dieser prächtigen Ländereien verantwortlich, doch im Endeffekt sind es die Menschen, die ihre eigene Korruption herbeiführen. Der Titel zeichnet abstrakt, wie sich die Starken an den Schwachen bereichern, dabei ihre Menschlichkeit verlieren und letztlich zu Dämonen werden. Auch unsere Spielfigur ist ein Teil dieses Kreislaufs, denn unsere Aufgabe besteht darin, die Seelen der fünf verbleibenden Erzdämonen aufzunehmen, um dem Ursprung dieses gefährlichen Schauspiels auf den Grund zu gehen. Aus diesem Grund bereisen wir Boletaria auf der Suche nach mächtigen Dämonenseelen, die uns die Kraft verleihen, noch stärkere Monster zu verschlingen.

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Ein Abschnitt in den Credits ist der Soulslike-Community gewidmet, die dieses Genre mit großem Eifer am Leben erhält.

Demon's Souls ist der Prototyp des Soulslike-Genres und wenn ihr die Spiele des japanischen Entwicklerteams seit ihrem Aufstieg zu einem der führenden Entwicklerstudios der Welt miterlebt habt, dann werdet ihr zahlreiche Blaupausen und Wurzeln kommender Konzepte erkennen. Das bedeutet aber auch, dass dieser Titel viel archaischer, unkontrollierter und roher als seine Nachfolger ist. Daran hat Bluepoint in ihrem Remake auch nichts geändert, was ebenso gut wie schlecht ist. Hintergründige Spielmechaniken, endliche Hilfsmittel und das Design späterer Areale limitieren unsere Bewegungen und Aktionen sehr gezielt, um die Spieler stetig forderndere Hürden überwinden zu lassen. Man kann diesen Ansatz aber erst dann würdigen, nachdem man den Berg aus eigener Kraft erklimmen konnte.

Demon's Souls war nie ein Grafikmonster und an den Texturmatsch auf der PS3 erinnere ich mich so gut wie gar nicht mehr. Die geringe Weitsicht und das karge Umgebungs-Design haben der Reputation des Spiels aber sicher nicht geholfen, weshalb das PS5-Remake vor allem visuell hochwertig modernisiert werden musste. Je nach Modus läuft der Titel wahlweise mit 4K-Texturen oder mit 60 Bildern in der Sekunde und diese Leistung hält das Spiel selbst wenn die Welt in Flammen aufgeht. Besonders auffällig ist die hohe Detaildichte, die das Original schlicht und ergreifend nicht bieten konnte. Statt in schwarze Abgründe zu blicken und nach weniger texturierten Polygonen zu suchen, können wir in der Ferne nun flackernde Fackeln und magische Funken auf unterschiedlich reflektierenden Strukturen ausfindig machen, um uns zu orientieren.

Die Entwickler haben darüber hinaus viele weitere Hintergrundgeräusche implementiert, um die Spielwelt lebendiger zu wirken zu lassen, als sie eigentlich ist. Laufen wir durch die unheimlichen Kerkergemäuer zum Shrine of Storms, hören wir selbst tief unter dem Boden noch die kreischenden Gesänge der fliegenden Mantarochen, die dieses Gebiet heimsuchen. Nachdem wir uns den gequälten Schreien der Insassen im Tower of Latria ausgesetzt haben, verfolgt uns das allgegenwärtige Pochen eines gewaltigen Herzens, das über der Kathedrale erschallt. Der Dualsense-Controller fängt dieses Dröhnen mit seichten Vibrationen ein, sodass uns dieser gesamte Abschnitt sprichwörtlich durch Mark und Bein zieht.

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Das Vermächtnis von From Software restauriert Bluepoint Games auf die gleiche, aufwändige Art und Weise, mit der sie zuletzt Shadow of the Colossus neu aufblühen haben lassen.

Beachtlich ist auch die Arbeit, die in die verbesserte Spielphysik geflossen ist. Bemerkbar wird das zum Beispiel bei der Menge und dem Grad der zerstörbaren Objekte, die uns das Spiel vorsetzt. Demon's Souls lässt Gegner und Materialien nicht nur mit entsprechendem Eigengewicht auf den Boden klatschen, es speichert auch euren aktuellen Verwüstungsgrad und ruft ihn ab, sobald ihr (innerhalb eines Lebens) zum Ort des Geschehens zurückkehrt. Im Remake gibt es neuerdings auch Windströme, die Ketten oder Funken auf dem Schlachtfeld in Bewegung versetzen, und Gegenstände fangen Feuer, was im Original nicht der Fall war. Solche Aufmerksamkeit muss nicht zwangsweise in ein Remake fließen, aber sie sorgt dafür, dass sich Boletaria auf der neuen Playstation 5 lebendiger anfühlt als je zuvor.

Dank der SSD-Festplattentechnologie der Playstation 5 sind die Ladezeiten beim Wechsel des Gebiets und nach einem Tod deutlich kürzer, wodurch ihr schneller wieder in der Action seid. Demon's Souls ist jedoch damals wie heute eine zermürbende Angelegenheit, denn die Frustration steht im Mittelpunkt des zentralen Konzepts. Seid ihr an einem Bossgegner gescheitert, nagen der beschwerliche Weg und seine vielen Gefahren, sowie der gefühlte Druck, die eigenen Seelen (die am Ort des Ablebens zurückbleiben) wiederzubekommen, zusätzlich an einem. Diese emotionale Belastung wurde von Bluepoint nicht angetastet, doch sie bieten auf dem Next-Gen-Konsolensystem von Sony optionale Hilfestellungen für unerfahrene Spieler an.

Das Game registriert von sich aus, welche Areale ihr noch nicht abgeschlossen habt und welcher Boss euch aktuell Schwierigkeiten bereitet. Playstation-Plus-Abonnenten können während des Spielens mit einem Druck auf die Playstation-Taste in den Aktivitäts-Feed wechseln und dort gezielt nach hilfreichen Video-Guides mit ausführlichen Erklärungen suchen. Dort wird veranschaulicht, wie man bestimmten Attacken sicher entgeht und welche Taktiken in speziellen Situationen zu empfehlen sind. Die Integration wirkt noch ein bisschen holprig, aber das System funktioniert. Ihr könnt auf diesem Wege außerdem in verschiedene Abschnitte schnellreisen, die Option steht jedoch nicht immer zur Verfügung.

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Nach wie vor erklärt sich Demon's Souls so gut wie gar nicht und das hat Bluepoint auch so gelassen.

Neu hinzugekommen sind zusätzliche Animationen für verschiedene Waffen und Charaktermodelle, die implementiert werden mussten, ohne dass sich etwas am bestehenden Timing des Originals ändern durfte. In einigen wenigen Fällen hat das Team auch weitere Indikatoren erarbeitet, um die Lesbarkeit von Angriffen mit Gebietswirkung zu erhöhen. Besonders gut erklärt Demon's Souls aber nach wie vor gar nichts und das hat Bluepoint auch so gelassen. Deshalb müsst ihr euch noch immer bei externen Quellen aushelfen, um hinter Mechaniken wie die „World Tendency" zu blicken oder für den Fortschritt wichtige Schlüssel zu finden.

Abgerundet wird das Remake von gängigen Luxus-Features, wie einem Fotomodus und verschiedenen Filtern, die ihr jederzeit über das Bild legen könnt. Es gibt außerdem eine Option für die Kamera, die in den engen Korridoren ein bisschen mehr Übersicht bietet (und deshalb zu empfehlen ist), sowie eine Reihe weiterer Anpassungen. Nach Abschluss des Spiels schaltet ihr dann noch Konzept-Artworks frei, um weitere Eindrücke der beeindruckenden Arbeit von Bluepoint Games zu erhalten. Abgesehen von einigen Spielfehlern, die teils schon seit dem Originalcode bestehen, aber auch neu ins Spiel gekommen sind, ist dieses Remake vom technischen Standpunkt aus betrachtet eine sehr runde Erfahrung geworden.

Bluepoint hat das Königreich Boletaria als fetten Launch-Titel der neuen Sony-Konsole in aktuellster Technikpracht neu aufleben lassen und ein Produkt abgeliefert, das dem eigenen Ursprung und dessen einzigartigen Mythos mit beinahe ergreifendem Respekt ehrt. Bei aller Ehrfurcht darf man aber nicht übersehen, dass das Team in den letzten drei Jahren ebenfalls eine Menge Arbeit geleistet hat, um das Original abseits von der einnehmenden Präsentation geringfügig zu verfeinern, während gleichzeitig die Features der Playstation 5 demonstriert werden. Trotz dieser modernen Anpassungen bleibt Demon's Souls im Kern aber natürlich das ungezähmte Biest, das seit über einer Dekade erbarmungslos unvorbereitete Spieler zerstört. Dieses Remake sorgt im Endeffekt also nur dafür, dass sich noch mehr Spieler dieser einzigartigen Tortur aussetzen können.

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Raytracing bietet Demon's Souls auf der PS5 zwar nicht, doch die flüssige Bildrate und die hohe Detaildichte erzeugen ein grafisch verblüffendes Gesamtbild.
09 Gamereactor Deutschland
9 / 10
+
die Basis des Remakes ist ein wahnsinnig gutes Spiel, PS5-Showcase mit hohen Produktionswerten, respektvoller Umgang mit der Vorlage.
-
UI ist hässlich, Soundtrack wurde stellenweise stärker überarbeitet als erwartet, neue und alte Bugs, das Game stürzt manchmal ab.
overall score
ist die Durchschnittswertung von Gamereactor. Wie hoch ist eure Wertung? Die Durchschnittwertung aller Gamereactor-Redaktionen wird aus den Wertungen in allen Ländern erhoben, in denen es lokalen Gamereactor-Redaktionen gibt

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