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Dirt 5

Dirt 5 - Rezension

Die Drift-Serie brettert mit einem neuen Arcade-Rennspiel auf die Next-Gen-Konsolen. Das Motto lautet mal wieder: Bunt, laut, schnell.

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Seit Codemasters in den Achtzigern mit kostengünstig produzierten Heimcomputer-Spielen angefangen haben, ist viel passiert. Die Firma hat sich zu einem richtig großen Player im internationalen Gaming-Sektor entwickelt, der seine Dominanz im Rennspielbereich erst letztes Jahr demonstrierte, als sie kurzerhand Slightly Mad Studios aufkauften - die Macher von Project Cars. Mit lautem Motorgebrüll und einem leichten Frühstart wollen sie die neue Konsolengeneration willkommen heißen. Der PS4-Version von Dirt 5 haben wir in den letzten Tagen ausgiebig unter die Motorhaube blicken können, deshalb bieten wir neben der Kritik unseres schwedischen Kollegen und Rennsimulations-Enthusiasten Petter Hegevall eine eigene Rezension an.

Bei diesem Game kracht es gewaltig und das ist schon wenige Sekunden nach dem Starten des Spiels klar, denn der Ton dröhnt durch starke Kompression gefühlt doppelt so laut aus den Boxen, wie bei anderen Spielen. Begleitet von wildem Gequatsche unseres unsichtbaren Spielführers und den knalligen Menüfarben bleibt eigentlich kein Zweifel daran, dass sich dieses Spiel von der Tonalität her an Dirt 3 orientiert, das bisher das krachigste Spiel der Reihe war. Falls jemand verwirrt sein sollte, weil es von Codemasters ja auch noch die Dirt-Rally-Reihe gibt, die eine knallharte Simulation darstellt; Nein, da seid ihr hier an der falschen Adresse.

Bei Dirt 5 geht es einfach nur ums bunte Rasen im Spielhallenstil, gemischt mit der knalligen Präsentation eines Neunzigerjahre-Musiksenders (nur dass die überdrehten Sprecherkommentare zwischen den Rennen eher wie ein Podcast wirken). Das trifft sicherlich nicht jeden Geschmack und auch ich fühle mich da ehrlich gesagt nicht angesprochen, aber bei so einem Titel ist eben klar, dass man sich gar nicht erst ans Lenkrad setzt, sondern mit dem Controller auf dem Sofa zockt. Auch der irre Textjockey, der mich so verdammt lässig aus meinen Boxen vollplappert, erwähnt an einer Stelle, dass ich nicht zu viel über das Ganze nachdenken soll. Alles klar, Bro! Wird gemacht!

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Schon klar, das hier ist ein Fun-Racer, aber bei allem Verständnis für eingängige Fahrphysik wäre mehr spürbarer Unterschied bei den verschiedenen Vehikeln halt schön gewesen.

Stattdessen werfe ich mich also in die Action und muss sagen, dass einem bei der Gestaltung der Rennpisten schon die Kinnlade herunterfallen kann. Die Locations sind atemberaubend aufwendig gestaltet worden und bieten schicke Wettereffekte. Vor allem im HDR-Modus wirken Effekte, wie Gegenlicht mit leichtem Nieselregen, geradezu atemberaubend. Und apropos Regen: Die Wetterbedingungen verändern sich im Verlaufe eines Rennens immer mal wieder, genauso wie die Tageszeit. Deshalb brettern wir ab und zu von einem Sonnenuntergang in die Nacht, was echt klasse veranschaulicht wird.

Eher blöd ist, dass sogar die PS4 Pro von diesem prachtvollen Geschehen überfordert ist und im Modus mit 60 Bildern pro Sekunde heftiges Tearing an den Tag legt. Aber seien wir mal ehrlich, für solch einen Spaß-Raser reichen zur Not auch 30 Bilder pro Sekunde, die Fahrphysik ist nämlich wirklich alles andere als realistisch. Auch bei über 100 km/h können wir ganz easy die Handbremse hochreißen und uns quasi auf der Stelle drehen - das hier ist also übertrieben, aber dennoch einigermaßen nachvollziehbar und spaßig.

Rätsel gibt hingegen der Gummibandeffekt auf, der die gegnerischen Fahrzeuge manchmal mit einer Art Turbo-Boost an einem vorbeischießen lässt (was sich besonders gut auf der Minikarte am Bildrand verfolgen lässt). Andere Male lässt sich die KI problemlos abhängen, damit müsst ihr in solchen Spielen leider leben. Dieses Gegnerverhalten wäre für meinen Geschmack einen Patch wert, aber vielleicht ist es auch nur die Rache dafür, dass wir die Computerkollegen gerne mal als Prellböcke bei engen Kurven missbrauchen - natürlich nur, um die rein kosmetischen Schäden an den Autos zu bewundern.

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Mit dem Playground-Modus könnt ihr eure eigenen Strecken basteln und teilen.

Insgesamt nehme ich dem Spiel diese Ausrichtung als Fun-Raser aber nicht übel. Immerhin freut mich, dass es offenbar keine Rückspulfunktion gibt, die ich in Spielen wie Forza Horizon abgrundtief hasse. Wobei diese Reihe schon ein gutes Stichwort ist, denn es gibt große audiovisuelle Parallelen. Allerdings bietet Dirt 5 keine Open World, sondern eine recht einfache Karrierestruktur. Wir fahren ein Rennen nach dem Anderen und können öfter bei Verzweigungen wählen, wo wir zuerst weitermachen wollen. Denn es gibt natürlich verschiedene Locations auf der ganzen Welt, etwa 70 Strecken in zehn Ländern, die wie gesagt meist äußerst schick gestaltet sind. Die Events spalten sich noch auf Themengebiete, wie Offroad-Rennen oder Gymkhana auf, wo man möglichst viele Drift-Punkte sammeln muss.

Natürlich kommen bei dem Spaß verschiedene Fahrzeugklassen zum Einsatz. Ein Exemplar jeder Gattung haben wir immer schon in der Garage, weitere können dazugekauft werden. Über einen relativ umfangreichen und komfortablen Editor lassen sich diese Gefährte unseren optischen Wünschen anpassen, vorgefertigte Designs, einzelne Sticker oder Lackarten werden durch gewonnene Matches freigespielt. Auf der Piste bieten die Fahrzeuge leider kaum unterschiedliches Fahrverhalten, egal ob ihr im Golf GTI, Rallye-Porsche, Buggy oder SUV unterwegs seid. Abwechslung im Geschehen kommt eher durch die Bodenbeschaffenheit zustande, die auch gerne innerhalb einer Strecke wechselt. Neben Asphalt, Sand und Matsch kommen auch Schnee und - recht exotisch - ein zugefrorener See zum Einsatz. Das macht im Wechsel auf jeden Fall Laune.

Dirt 5 verfügt übrigens auch über einen Offline-Splitscreen-Modus für bis zu vier Leute, zusätzlich zu den typischen Online-Modi. Insgesamt stellt sich bei einem Rennspiel, von denen es schon Dutzende und Hunderte gibt, natürlich immer die Frage nach einem Alleinstellungsmerkmal und das dürfte bei Dirt 5 der Playground-Modus sein: Mit einem recht umfangreichen und dennoch einfach zu bedienendem Editor können wir unsere eigenen Strecken für Events, Zeitherausforderungen oder Drift-Highscores bauen. Viele der Bauteile wirken dabei zugegeben wie aus einem Lego-Set, doch leidenschaftliche Fans können hier mit Sicherheit höchst spaßige und überraschende Kreationen bauen. Das ist auf jeden Fall ein großes Fragezeichen und potenzielles Ass im Ärmel des Spiels, weil es langfristig viel Spaß bringen könnte, wenn es von den Fans gut genutzt wird.

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Neben etlichen Karren warten etwa 70 Strecken in zehn Ländern darauf, von euch gemeistert zu werden.

Als persönliches Fazit muss ich eingestehen, dass ich ganz sicher nicht die Zielgruppe für Dirt 5 bin, aber dennoch ordentlich Spaß mit dem Game hatte. Überhaupt keinen Sinn macht für mich derzeit der 60-fps-Modus, der der herrlich gestalteten Grafik mit seinem dauerhaften Tearing auf den aktuellen (alten) Konsolen wirklich keinen Gefallen tut. Und bei allem Verständnis für eingängige Fahrphysik wäre mehr spürbarer Unterschied bei den verschiedenen Vehikeln schön gewesen.

Zumindest bei der Auswahl der fahrbaren Untersätze hat Codemasters aber voll meinen Geschmack getroffen, da sowohl die bekanntesten Rallye-Wagen der Neunzigerjahre als auch Rallye-Oldtimer mit an Bord sind. Die dicken SUVs und Landrush-Fahrzeuge, die direkt Erinnerungen an Onrush und den geistigen Vorvater Motorstorm aufkommen lassen, sind zwar nicht so mein Fall, doch man kann den Entwicklern immerhin zugutehalten, dass diese Vehikel nicht in allzu vielen Spielen zum Einsatz kommen.

Abwechslung wird also eigentlich groß geschrieben bei Dirt 5, nur kommt das nicht immer auf der Strecke an. Auch Details wie die Auswahl von Sponsoren mit verschiedenen Boni helfen nicht darüber hinweg, dass die Karriere recht simpel gestrickt ist. Doch wenn man einfach nur viel Wumms auf der Piste haben will, liegt man mit Dirt 5 auf jeden Fall richtig - und ich bin schon sehr gespannt, wie das Ganze auf der Playstation 5 in sauberen 60 oder gar 120 Bildern pro Sekunde aussehen wird. Das könnte dem Ganzen noch mal deutlich mehr Schub verleihen.

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07 Gamereactor Deutschland
7 / 10
+
bombastische Streckengestaltung, viel optische Abwechslung, spannender Kreativ-Editor für eigene Pisten.
-
läuft derzeit technisch noch nicht sauber, Gummibandeffekt bei den Gegnern, nicht ganz nachvollziehbare Fahrphysik.
overall score
ist die Durchschnittswertung von Gamereactor. Wie hoch ist eure Wertung? Die Durchschnittwertung aller Gamereactor-Redaktionen wird aus den Wertungen in allen Ländern erhoben, in denen es lokalen Gamereactor-Redaktionen gibt

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