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Kritiken
Earth Defense Force: Iron Rain

Earth Defense Force: Iron Rain

Kult-Produzent Nobuyuki Okajima beamt seine japanischen Aliens in die USA - kann das gutgehen?

Seit ihren Ursprüngen auf der Playstation 2 gewinnt die Earth Defense Force in ihrem ewigen Kampf gegen riesige außerirdische Ameisen, Spinnen und UFOs mehr Fans. Allein in Japan erzielte die inzwischen der Low-Budget-Ecke entwachsene fünfte Episode Verkaufszahlen von über 300.000 Stück. Und das ist für dortige Verhältnisse extrem viel für ein Spiel, das weder auf Handys noch auf einer Nintendo-Konsole läuft. Angespornt von diesen Zahlen entschloss sich Produzent Nobuyuki Okajima, einen auf westliche Konsumenten fokussierten Ableger zu kreieren, um die Fanbase der „EDF", wie die Soldaten im Spiel abgekürzt genannt werden, global zu erweitern.

So wechselte man von der grafisch wenig beeindruckenden, selbst entwickelten Engine auf die Unreal Engine 4, was dem Spiel direkt ein deutlich gefälligeres Aussehen verpasst. Dazu spielt die Handlung nun im Jahre 2040, in einer Welt, die von den extraterrestrischen Aggressoren schon ziemlich verwüstet ist. 20 Jahre befinden sich die EDF-Kräfte im Krieg mit den Aliens sowie einer menschlichen Rebellengruppierung. Von der Atmosphäre her wird weniger auf 1970er-Trash-Filme gesetzt, sondern ein eher ernstes Ambiente à la Starship Troopers angestrebt. Auch die Spielsysteme wurden in fast allen Belangen auf einen „westlicheren" Stand gebracht.

Natürlich ist aber auch vieles beim Alten geblieben, zum Beispiel ist die Story in zahlreiche kleine Missionen zerteilt - diesmal sind es 52 Stück, die wir direkt in fünf verschiedenen Schwierigkeitsgraden angehen können. Je nach Anspruch bekommen wir verschieden viel Geld und Edelsteine, die wir in neue Waffen und Panzerung investieren können, die nach und nach von einem Verkaufsroboter in unserer Basis freigeschaltet werden. Zudem gibt es eine ganze Reihe von Gadgets, von Erste-Hilfe-Paketen über Granaten bis hin zu automatischen Geschützen, deren Benutzung jedoch Geld kostet, welches uns nach Ende der Mission abgezogen wird.

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Ein weiteres Betätigungsfeld in der Basis zwischen den Missionen ist das Ausstaffieren der eigenen Spielfigur. Hier kann erstmals zwischen verschiedenen Gesichtern und Körperformen für Männer und Frauen gewählt werden, zudem gibt es Frisuren und Kleidungsstücke für den Kopf, Ober- und Unterkörper sowie Accessoires. Selbst die Exoskelette, die den EDF-Einheiten ihre Kampfstärke verleihen, können unterschiedlich lackiert und mit freispielbaren Wappen versehen werden. Doch es gibt nicht nur optische Unterschiede, nach und nach werden die vier Hauptgruppen freigeschaltet und neben der normalen Infanterie können wir schon bald mit Jetpacks herumdüsen, schwer gepanzert an den Start gehen, oder auch erstmals riesige Aliens als Reittiere nutzen.

Zum Einsatz geht es dann auf etwa zehn verschiedenen Maps, die in den USA angesiedelt sind und durch verschiedene Tageszeiten und Witterungsbdingungen abwechslungsreich gehalten werden. Die Spielbereiche sind jedoch eine ganze Ecke kleiner als bei den üblichen EDF-Teilen. Inhaltlich erwartet uns natürlich die altbewährte 3rd-Person Ballerkost, in der wir uns Horden von anstürmenden Monsterinsekten, Robotern, Aliens und leibhaftigen Godzilla-artigen Kaiju gegenübersehen.

Die Grafik wirkt dabei um einiges realistischer als in den normalen Serienteilen, auch wenn sie im optionalen Zwei-Spieler-Splitscreen an etwas gröber Auflösung und Dithering leidet. Dafür ist die Action immer einigermaßen flüssig, was allerdings offensichtlich dadurch erkauft wurde, dass die Gegner nicht ganz so zahlreich auftreten, wie wir das aus den japanischen Teilen kennen. Trotzdem an Bord ist aber die großflächige Zerstörung, die ganze Häuserblocks in Schutt und Asche versinken lässt. Und diesmal sind auch die dazugehörigen Animationen und resultierenden Trümmerberge um einiges realistischer.

Im Zuge der „Verwestlichung" lassen sich einige Waffen nun wie bei Gears of War durch timingsicheres Knöpfchendrücken schneller nachladen und es gibt zum ersten Mal in der Serie Respawns. Auf die müssen wir jedoch eine Weile warten - es sei denn, wir entscheiden uns, mit weniger Lebensenergie schneller wieder ins Geschehen einzusteigen. Sind die knappen Respawns verbraucht, hilft aber nur noch, sich von einem Mitspieler wiederbeleben zu lassen, sofern dieser noch ein Reanimations-Pack übrig hat.

Nach dem Ende einer Mission, die in der Regel zwischen fünf und zehn Minuten lang sind, erwartet uns eine Abrechnung, in der wir in vier Parametern bewertet werden. Diese bestimmen dann zusammen mit dem Schwierigkeitsgrad den Sold, den wir erhalten. Nach etwas undurchsichtigen Mechanismen werden dann auch neue Waffen und Gerätschaften freigeschaltet, die wir für eine Mischung aus Geld und den eingesammelten Edelsteinen kaufen können.

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Hier lauert dann auch der erste Hinweis, dass sich die Entwickler beim Re-Design teilweise etwas verrannt haben. Das System mit Freischaltungen, Geld und Edelsteinen ist unnötig verworren und kompliziert. In der Regel haben wir sowieso genug Edelsteine, wenn genug Geld da ist. Leider sind 90 Prozent der Waffen sowieso Schrott, da sie sehr viel kosten und oft in einem entscheidenden Parameter - zum Beispiel der Nachladedauer - unserer aktuellen Waffe unterlegen sind. Was aber nicht heißt, dass wir mit guten Waffen anfangen - ganz im Gegenteil, es sind die reinsten Erbsenwerfer, so dass es sich empfiehlt, die gesamte Kampagne erst einmal auf „Leicht" durchzuspielen.

Zwar könnte das geübte Spieler unterfordern, aber es werden dabei hunderte von Mordinstrumenten freigeschaltet, so dass die hohe Ausfallrate an eigentlich überflüssigen Waffen nicht mehr so sehr stört. Zudem werden wir nach dem Abschluss der Story mit der Freischaltung einer weiteren Schwierigkeitsstufe belohnt. Die Handlung bleibt übrigens trotz der Bemühungen, uns die einzelnen Mitglieder unseres EDF-Teams in kurzen Funkgesprächen und Info-Einblendungen in den Ladebildschirmen näherzubringen, eher flach.

Aber das ist bei den übertriebenen Fights um das Schicksal unseres Planeten auch gar nicht so wichtig. Geschmacklich etwas daneben gegriffen hat man allerdings damit, den verrückten Wissenschaftler des Teams „Dokor Mengel" zu nennen - das erinnert zusammen mit seinem Deutschen Akzent in der englischen Sprachausgabe ein bisschen zu eindeutig an den berüchtigten Nazi-Arzt Mengele.

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Auf spielerischer Seite gibt es leider zudem einige Rückschritte bei den vielen Veränderungen. Neben dem wirren Upgrade-System wiegt am schwersten, dass sich die Steuerung schwerfälliger anfühlt als gewohnt und auch das ansonsten immer geniale Trefferfeedback gelitten hat. Darüber hinaus ist das Sounddesign sehr merkwürdig, alles ist irgendwie ein Brei, aus dem man die eigenen Schüsse und Treffer leider nicht sehr prägnant heraushört. Auf der positiven Seite stehen dafür die deutlich ansprechendere Grafik, witzige Komfortfeatures wie die Individualisierung der eigenen Figur und dass die Missionen - auch wenn es nicht mal halb so viele sind wie bei EDF 5 - etwas abwechslungsreicher erscheinen.

Unterm Strich bleib ein wenig die Frage, was Earth Defense Force: Iron Rain nun eigentlich sein soll. Für weniger Japan-affine Gamer ist es sicherlich eine gute Heranführung an die Franchise. Doch dann ist es wiederum so anders, dass selbst angefixte Neulinge wahrscheinlich von den anderen Serienteilen nicht begeistert sein werden. Umgekehrt wurde für Hardcore-EDF-Fans wie den Autor dieser Zeilen zu viel am ursprünglichen Stil der Serie verändert. Trotzdem wäre für den sechsten Teil der Hauptserie, der ohne Frage irgendwann erscheinen wird, die Übernahme einiger Features aus Iron Rain durchaus wünschenswert.

Ist nur die Frage, welche genau das sein sollen - da ist sicherlich die Antwort, je nachdem, wen man fragt, unterschiedlich. Doch als Konsumenten müssen wir uns darum wohl nicht kümmern, und bis Nobuyuki Okajima uns seine Antwort präsentiert, werden wir weiterhin viel Spaß mit den Helden der Earth Defense Force haben. Egal, ob wir nun bei Teil 5 noch die letzten Trophies holen, um zu den irrsten ein Prozent der Fans zu gehören, oder ob wir bei Iron Rain den sicherlich spaßigen Online-Modus ausprobieren, der vor dem Launch leider noch nicht mit genügend Mitspielern ausgestattet war.

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07 Gamereactor Deutschland
7 / 10
+
Explosions- und variantenreiches Insektenkillen in 52 Missionen, neue und abwechslungsreiche Schauplätze in den USA, starke Individualisierungs-Optionen, aufpolierte Grafik
-
spielt sich sperriger als die normalen Serienteile, kleinere Einsatzgebiete, schwaches Sounddesign, unnötig kompliziertes Upgrade-System
overall score
ist die Durchschnittswertung von Gamereactor. Wie hoch ist eure Wertung? Die Durchschnittwertung aller Gamereactor-Redaktionen wird aus den Wertungen in allen Ländern erhoben, in denen es lokalen Gamereactor-Redaktionen gibt

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