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AI: The Somnium Files

Ein einzelner, obsessiver Spieler ist für Review-Bombing von AI: The Somnium Files verantwortlich

Jemand hat sich so sehr über den Umgang mit einem virtuellen Charakter aufgeregt, dass er die Schwächen eines Meinungsbild-Portals ausnutzte.

In den letzten Jahren sind "Review-Bombings" auf verschiedenen Plattformen, auf denen man Meinungsbilder von Experten und Nutzern findet, immer häufiger geworden. Infolge einer scharfen Kritik, die sich schnell durchsetzt und verbreitet, gelingt es mehr oder weniger organisierten Nutzergruppen auf diese Weise, extrem niedrige Bewertungen für bestimmte Produkte zu erzielen, mit denen sie aus verschiedenen Gründen nicht übereinstimmen. Diese Praxis wirkt sich auf die Durchschnittsbewertung eines Produkts aus und hat entsprechenden Abschreckwert für uninformierte Dritte.

Das Ziel solcher Aktionen ist häufig die Verkäufer und Entwickler auf bestimmte Sachverhalte aufmerksam zu machen. Manchmal wird dadurch jedoch auch versucht, einen direkten Einfluss auf die Verkäufe zu nehmen. Wir haben im Bereich der Videospiele bereits einige Beispiele für diese Form des Protests gesehen, allerdings sind längst nicht alle Fälle gleichermaßen gerechtfertigt. Was wir bisher noch nicht mitbekommen haben ist, wie ein einzelner Benutzer in einem Mix aus Wut und Besessenheit den Ruf eines Titels herabsetzen konnte, der seit mehreren Monaten im Handel erhältlich ist.

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Bei der Visual Novel AI: The Somnium Files ist das jedoch am vergangenen Wochenende geschehen. Die durchschnittliche Nutzer-Bewertung auf Metacritic sank innerhalb weniger Stunden von 8,2 auf den Wert 1,9 von 10 Punkten. In einem vergleichsweise kurzen Zeitraum sind mehr als 300 negative Bewertungen veröffentlicht worden, wie auf ResetEra dokumentiert wurde.

Der japanische Game Director und Autor Kotaro Uchikoshi, der nach Werken wie 999 oder Zero Escape: Virtue's Last Reward für den Hauptvorteil des Spiels (es ist sein Drehbuch) verantwortlich ist, hat seine Fans öffentlich um Hilfe gebeten. (Wenig später bedankte er sich bei den Fans "für ihre ermutigenden Worte" - solche Auswirkungen kann Review-Bombing also ebenfalls haben.)

Das Spiel ist seit letztem September erhältlich, warum und wie kam es also jetzt zu dieser Aktion? Wie in den letzten Stunden klar wurde, ist für dieses Review-Bombing keine Gruppe verärgerter Benutzer verantwortlich, die gemeinsam ein Problem festgestellt haben und es anschließend angehen wollten. Die Aktion wurde von einem einzelnen Nutzer ins Leben gerufen, der mit einem bestimmten Teil des Skripts unzufrieden war.

AI: The Somnium Files
AI: The Somnium Files hatte in der letzten Woche viel Aufmerksamkeit erlangt, als der Preis im Zuge einer Werbeaktionen auf der Nintendo Switch rabattiert wurde.

Auf ResetEra gibt es ein Bekennerschreiben, in dem der Verantwortliche die alleinige Schuld auf sich nimmt. In einer ausführlichen Erklärung rühmt er sich für seine Taten und erklärt, dass er mit dieser Tat die schlechte Funktionsweise von Webseiten wie Metacritic demonstrieren und in einer investigativen Recherche die Schwachstellen solcher Systeme offenlegen wollte. Angestachelt wurde der Verantwortliche eigenen Aussagen zufolge durch den Aufschrei, den zuletzt Blizzard mit Warcraft III: Reforged begegnete. Dort haben verärgerte Nutzer sogar Spiele, die noch deutlich schlechter als die unglückliche Neuveröffentlichung sind, positiv bewertet, damit die aktualisierte Version des Strategiespiels wirklich das schlechteste Produkt auf der Plattform ist...

Und warum traf es nun AI: The Somnium Files? Die Antwort: Es war ein persönliches Motiv. Obwohl zuerst die Pro-LGBT+-Haltung eines weltoffenen Charakters als möglicher Grund für die Auswahl des Spiels als Zielscheibe des Review-Bombings diskutiert wurde, ist im Geständnis lediglich ein Fall von virtueller Besessenheit gegenüber einem digitalen Charakter aus dem Adventure ersichtlich. Dem Nutzer gefiel nicht, wie der Publisher Spike Chunsoft mit seiner Lieblingsfigur umging, deshalb hat er das alles initialisiert.

Der Schuldige dokumentierte, wie das System von Metacritic die Durchschnittsnote nach und nach senkte, nachdem er mit falschen Accounts immer mehr schlechte Kritiken zu AI: The Somnium Files veröffentlichte. Wir ersparen euch die versteckten Hinweise und Symboliken, die der Nutzer zur Identifikation seiner Tat gezielt gestreut hat, denn die Schuld sieht er natürlich allein beim Entwickler. Interessanterweise erfolgte das Geständnis erst, nachdem Uchikoshis Kollege, der Game Designer und stellvertretende Director Akira Okada, auf den Angriff aufmerksam wurde.

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Mit etwas Humor (und nach der Unterstützung der Community sicher auch deutlich erleichterter) meldet sich Uchikoshi auf seinem englischen Twitter-Account selbst zu Wort und bedankt sich öffentlich bei seinen Fans und der Community. AI: The Somnium Files mag aus offensichtlichen Gründen kein Titel für jedermann sein, doch es ist ein Überraschungshit, der von der Presse und den Fans zu Recht gefeiert wird. Sam attestiert dem Spiel eine großartige Geschichte mit fantastischen Charakteren und nennt es das (bisher) "beste Spiel von Kotaro Uchikoshi".

Vielleicht wird diese Geschichte letztlich dazu führen, dass mehr Leute auf AI: The Somnium Files aufmerksam werden (das wäre zu hoffen). Gleichzeitig wollen wir drei Erkenntnisse aus diesem Erlebnis festhalten: Erstens die Bedeutung, die Verlage und ihre Aktionäre weiterhin Portalen wie Metacritic beimessen, ist immens. Zweitens sollte klar werden, warum es wichtig ist, anonyme von vertrauenswürdigen Bewertungen zu unterscheiden - egal ob bei bekannten Medien oder fremden Nutzern aus dem Internet. Und zu guter Letzt: Menschen, die sich aktiv der Image-Schädigung von Produkten verschreiben, die ihrer Meinung nach ungültig oder falsch sind, sind weiter auf dem Vormarsch. Leider.

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