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Beyond: Two Souls

Film & Spiel: Die zwei Seelen von Beyond

Was macht heutzutage ein Videospiel aus? Und was einen Film? Das sind die Fragen, die uns begleiten als wir die Demo von Beyond: Two Souls, dem neuen Titel aus dem Hause Quantic Dream, spielen.

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Nach einem Meisterwerk wie Heavy Rain wollen die Entwickler nachlegen und liefern uns eine Herzschlag-Erfahrung von der ersten Sekunde an. Im Vergleich zum Vorgänger bringt Beyond: Two Souls aber noch einige wichtige Innovationen mit, zu denen vor allem die Transformation des Medium Videospiel in ein ganz anderes gehört.

Das Dilemma, das uns während der Zeit dem Spiel immer wieder verfolgt, ist einfach zusammengefasst: Wie dünn ist die Grenze zwischen Film und Videospiel? Was wird uns erwarten? Ist es ein interaktiver Film oder ein cineastisches Spiel? Im Fall von Beyond: Two Souls - noch mehr als bei Heavy Rain - sind all diese Fragen berechtigt. Aber wir wollen nicht zur schnell zum Urteil kommen. Schritt für Schritt nähern wir uns einem Titel an, der im Bezug auf Spielerfahrung und Entwicklung eine Menge zu bieten hat.

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Beyond: Two SoulsBeyond: Two Souls
In den Hauptrolle sind Jodie Holmes, gespielt von Ellen Page sowie der Regierungswissenschaftler Nathan Dawkins, gespielt von Willem Dafoe.

Es ist eine nicht-lineare Erzählung, die uns eine ganz zentrale Rolle einräumt. Im Vergleich zu einer der früheren Demo-Versionen, begleiten wir unsere Protagonistin Jodie während drei unterschiedlicher Lebensabschnitte und entdecken so die ungewöhnliche Beziehung zu ihrem Begleiter Aiden, der durch ein unsichtbares Band seit ihrer Geburt mit ihr verbunden ist. Von Beginn an werden wir ahnungslos in die Erzählung geworfen. Mit Hilfe von Rückblenden und Blicken in die Zukunft müssen wir uns selbst ein Bild zusammenpuzzeln und so die Geschehnisse in eine Reihenfolge bekommen. Schon allein deshalb spielen wir eine zentrale Rolle für die erzählerische Bedeutung des Spiels. Wir werden zu mehr als einem bloßen Zeugen der Geschehnisse. Diese Erzählweise, die wir bisher eher aus Filmen und der Literatur kennen, erinnert etwa an den Film Memento von Christopher Nolan - ein Paradebeispiel für die von jeglicher Linearität abweichende Erzählung, wie wir sie in Beyond: Two Souls finden. Im Vergleich zu Heavy Rain, wo die Komplexität der Erzählung durch den Einsatz mehrerer Handlungsstränge erzielt wurde, macht Quantic Dream einen großen Schritt vorwärts. Die Entwickler haben sich für den schweren Weg der Nicht-Linearität entschieden, deren Erfolg nicht unwesentlich uns selbst abhängt, womit wir zu Beobachtern und Mitspielern in einem werden.

Film und Videospiel, der Titel hat zwei Seelen. Und das ist zweifellos einer der faszinierendsten Aspekte von Beyond: Two Souls. Es ist der Zwiespalt, welcher für die stetige Spannung zwischen Kino und Videospiel sorgt. Es ist eine zweischneidige Beziehung die - jetzt mehr als zuvor - die beiden Medien beschreibt, bei denen sich Quantic Dream freimütig bedienen. Die Protagonisten Jodie und Aiden sind klare Metaphern dieser Beziehung, die gleichzeitig von Konflikten gezeichnet ist. Man bedenke nur die idealen Rollen, die beide innerhalb des Spiels einnehmen. Auf der einen Seite begegnen wir Jodie, die wie eine rein cineastische Figur agiert. Sie ist die Erzählerin der Geschichte und ihrer Psyche wird eine besondere Bedeutung beigemessen. Auf der anderen Seite repräsentiert Aiden eher das Konzept eines Videospiels und bildet die interaktive Grundlage der Geschichte. Er ist derjenige, der uns Spielern die nötige Freiheit liefert.

Beyond: Two Souls
Film und Videospiel, der Titel hat zwei Seelen, die durch die Jodie und Aiden dargestellt werden.

Tatsächlich haben wir nur wenig Entscheidungsmöglichkeit, wenn wir für Jodie handeln. Lediglich ein paar Knöpfe müssen während der Quick-Time-Events in Action-Sequenzen betätigt werden. Dazu gibt es einige Schleich-Tutorials innerhalb der CIA, wo allerdings ebenfalls unser Action-Radius begrenzt ist. Im Fall von Aiden erleben wir ein ganz anderes Konzept. Um das Erklärte kurz zu verdeutlichen, nehmen wir als Beispiel das Kapitel "Birthday Party". Jodie wurde von einem anderen Gast in einem Schrank eingesperrt und es ist Aidens Aufgabe, sie daraus zu befreien. Nun bleibt uns die Wahl: Befreien wir Jodie und gehen, oder befreien wir Jodie und üben Rache. Weil ich noch rachsüchtiger bin als Quentin Tarantinos Braut in Kill Bill, denke ich nicht zweimal nach, wenn mir solch eine Möglichkeit zur Vergeltung angeboten wird. Natürlich verlasse ich das Haus nicht. Wir haben eine Menge Spaß, auch wenn die Situation ein wenig außer Kontrolle gerät. Die Zelte in Brand zu stecken war aber auch vermutlich nicht unbedingt die beste Idee. Ganz im Gegensatz zu Jodie, hat Aiden im interaktiven Teil des Spiels etwas mehr zu sagen. Mit ihm werden wir nicht mehr nur dazu gezwungen, sklavisch Instruktionen zu folgen, die auf dem Bildschirm während solcher Sequenzen erscheinen.

Es wäre aber nicht ganz richtig, von absoluter Freiheit zu sprechen. Selbst wenn wir die Reihenfolge unserer Aktionen bestimmen, das Ergebnis ist immer eine bestimme Lösung oder Weg. Das ist ein wenig demoralisierend.

Beyond: Two Souls
Es sind intensive Stunden, die wir in der Demo verbracht haben und wir wollen unbedingt herausfinden, wie die Geschichte ausgeht.

Bisher haben wir vor allem die Geschichte rund um Beyond: Two Souls angepriesen, die sich vor allem auf die beiden Hauptfiguren stützt. Namentlich sind das Jodie Holmes, gespielt von Ellen Page, bekannt aus Inception und Juno, sowie der Regierungswissenschaftler Nathan Dawkins, gespielt von Willem Dafoe, bekannt aus Spiderman und The Aviator. So zufrieden wir mit diesem Aspekt sind, so unzufrieden sind wir mit der Action des Spiels. Wie bereits erwähnt, erwartet uns mit Aiden eine viel größere Freiheit. Wenn wir uns in den Schuhen von Jodie wiederfinden - wie wir es heute in der Demo erleben - sehen wir uns gefangen in verschiedenen Quick Time-Sequenzen. Wenn es in Verfolgungsjagden und den Nahkampf geht, beschränkt sich unsere Aufgabe als Jodie darauf, die richtigen Knöpfe zur richtigen Zeit zu drücken. Noch frustrierender ist, dass die Steuerung teilweise unpräzise ist. Dabei sollte aber nicht unerwähnt bleiben, dass das Spiel für Playstation Move designt wurde. Leider hatten wir nicht die Chance, das zu testen. Es bleibt also die Hoffnung, die Bewegungs-Steuerung könnte an einigen Stellen ein wenig präziser und intuitiver funktionieren.

Wir haben ein paar intensive Stunden mit Beyond: Two Souls verbracht und als die Demo endet, fühlen wir uns überwältigt von den vielen Fragen, die unbeantwortet bleiben. Wie wird es enden? Wer ist Aiden? Wir wollen einfach mehr wissen! Doch dafür müssen wir noch einen Monat warten. Unsere Erfahrung mit Quantic Dreams neuestem Titel ist positiv, obwohl wir noch über einige Gameplay-Entscheidungen des französischen Studios rätseln. Es bleibt das ewig Dilemma der Selbstüberschätzung. Sicher, es war harte Arbeit, sich auf dem schmalen Grad zwischen Kino und Videospiel zu bewegen. Es scheint dieselbe dünne Linie zu sein, wie sie zwischen Aiden und Jodie besteht. Beyond: Two Souls ist kein Videospiel im eigentlichen Sinne. Es wäre aber ebenso falsch, es als interaktiven Film zu beschreiben. Der verwobene Aufbau wird mit Sicherheit nicht jedem gefallen. Doch selbst ohne die klassischen Spielmechaniken und die archetypischen Eigenschaften beider Medien, beinhaltet Beyond: Two Souls eine philosophische Spielerfahrung, die uns vor ein altes, aber gleichzeitig modernes Dilemma stellt: Es ist der alte Konflikt zwischen der Freude am Leben und der Angst vor dem Tod. Wir freuen uns jedenfalls darauf, das Spiel im Oktober näher in Augenschein zu nehmen.

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