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Final Fantasy Crystal Chronicles Remastered Edition

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"In diesem Tagebuch wurden viele Erinnerungen niedergeschrieben - einige tief in unseren Herzen eingraviert, andere längst vergessen."

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Final Fantasy Crystal Chronicles Remastered Edition ist im Grunde ein seichter Dungeon-Crawler, da wir die gleichen 13 Level immer wieder abschließen, um stärker zu werden.

Final Fantasy: Crystal Chronicles war 2004 der Grund, warum ich unbedingt eine Nintendo Gamecube haben musste. Meine Freunde, die eigentlich nur Mario Kart: Double Dash spielen wollten, mussten mir über eine Stunde lang dabei zusehen, wie mir diese blöde Krabbe in Fluss Belle immer und immer wieder auf den Deckel gegeben hat - denn ich war wirklich nicht sehr gut in dem Spiel. Durchgespielt habe ich es erst Jahre später, mit Komplettlösung und der Hilfe eines guten Freundes, der über das Zaubersystem der Final-Fantasy-Reihe deutlich besser Bescheid wusste. Losgelassen hat mich diese Erfahrung bis heute nicht und deshalb habe ich mir ein bisschen Zeit gelassen, um meine Kritik zur jüngst erschienenen Remastered Edition fertigzustellen.

Der Titel kam schon zur Veröffentlichung nicht sonderlich gut an, da Square Enix die bekannte IP lediglich als narrativen Rahmen für ein Multiplayer-Spiel auf der damals neuen Gamecube aufgriff. Final Fantasy: Crystal Chronicles ist nämlich ein Abenteuer, das bis zu vier Leute gleichzeitig auf einem Bildschirm erleben. Die wenigsten Level setzen das kooperative Element zwingend voraus (zumindest in den anfänglichen Phasen), doch als Einzelspieler ist es trotzdem eine sehr eigenständige Erfahrung. Damals musste man zum Zusammenspielen vier Gameboy Advance mit jeweils eigenem Verbindungskabel an die Gamecube anschließen, um das echte Mehrspielererlebnis zu genießen. Der lokale Koop wurde in der Neuveröffentlichung gegen eine meistens gut funktionierende Matchmaking-Option eingetauscht.

Mein Ersteindruck vom neuen Final Fantasy Crystal Chronicles Remastered Edition war ehrlich gesagt ernüchternd. Ich habe den Titel erst vor ein paar Monaten angeworfen, doch dass sich optisch im Grunde seit dem ersten Auftritt nichts getan hat, fällt auch so auf. Die Auflösung „verwaschener Pixelmatsch" wurde ins HD-Zeitalter gehoben, um auch auf großen Fernsehgeräten akzeptabel zu sein. Trotz ihres Charmes und vielen wirklich kreativ und auch schön herausgearbeiteten Panoramen, hätte die Grafik aber schon 2010 niemandem mehr vom Hocker gehauen. Texturen und Modelle sind unangetastet übernommen worden und auch sonst stößt man sich überall an ungewöhnlichen Hürden und veralteten Systemen.

Final Fantasy Crystal Chronicles Remastered Edition
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Die neuen End-Game-Dungeons sind der Hingucker dieser Neuveröffentlichung, doch man muss das Spiel zuerst abschließen, um darauf zugreifen zu können.

Da wäre zum Beispiel die furchtbare Steuerung, an die ich mich erst nach vielen Stunden gewöhnen konnte. Gleichzeitig gibt es auch immer noch das Kommandosystem, das unsere Aktionen im Kampfbildschirm festlegt. Wer angreifen will, muss den entsprechenden Befehl aktiv ausgewählt haben - wollen wir verteidigen, müssen wir zu dieser Aktion wechseln und die jeweilige Aktionstaste betätigen. Das wird alles von einem unfassbaren Clusterfuck aus verschrobenen Menüs untergraben, die niemals Sinn ergeben werden und den Gefechte aktiv im Wege stehen. Das hätte man bei dieser Gelegenheit unbedingt angehen müssen, denn es hat bereits das Original viel zu sehr blockiert.

Außerdem verrät uns das Spiel eigentlich nichts und deshalb kann man es ohne Guide auch nicht durchspielen. Das ist auch einer der Gründe, warum die FF-Community den Titel so abwertend betrachtet - das Spiel erklärt leider nicht besonders gut, was eigentlich vor sich geht und was die aktuelle Aufgabe ist. Die initiale Prämisse ist noch simpel: Ein giftiger Nebel, das sogenannte Miasma, breitet sich auf der Welt aus und deshalb müssen sich die Leute mithilfe von magischen Kristallen schützen. Die verlieren mit der Zeit jedoch an Kraft und deshalb müssen Kristallkarawanen durch die Länder ziehen, um etwas namens Myrretau zu sammeln. Drei Tropfen brauchen wir, dann haben wir ein Jahr lang Ruhe, ehe unsere Reise wieder von vorne beginnt. Da jeder Myrrebaum nach der Ernte für einige Zeit den Betrieb einstellt, müssen wir uns immer weiter in die Welt hinauswagen und unweigerlich größere Herausforderungen überwinden. Kehren wir dann wieder in den Dungeon zurück, steigt er im Schwierigkeitsgrad.

Damit unsere Abenteurer auf ihrer Reise vom Miasma keinen Schaden nehmen, haben wir einen kleinen Kristallkelch dabei, der vom Anfang des Levels bis zum Bossraum geschleppt werden muss. Im Einzelspielermodus haben wir ein fliegendes, unsterbliches Nagetier bei uns, das den Topf häufig mit einigem Widerwillen für uns trägt, während im Multiplayer-Modus einer der Spieler als Bote herhalten muss. Es gibt aktuell leider keine Möglichkeit, wie man einem Online-Spieler den Kelch wegnimmt und sollte sich jemand dazu entscheiden, das Teil irgendwo hinzutragen, dann müssen die anderen zwingend folgen. Wer nicht im Schutzraum des Kelchs ist, stirbt schließlich langsam. In zufällig zusammengewürfelten Online-Lobbys ist das aktuell kein allzu großes Problem, aber es wird dafür sorgen, dass man sich irgendwann zweimal überlegt, ob man sein Spiel für andere öffnet.

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Nach anfänglicher Enttäuschung bin ich am Ende doch sehr zufrieden mit diesem Remaster. Es ist aber auch ein Spiel, das mir sehr am Herzen liegt.

Insgesamt 14 Dungeons gibt es im Spiel und mit voranschreitender Spielzeit führt es uns an immer entlegenere Orte. Final Fantasy Crystal Chronicles Remastered Edition ist im Grunde ein seichter Dungeon-Crawler, denn Charakterfortschritt wird ausschließlich über Ausrüstung und gewonnene Artefakte erzielt. Monster lassen Gegenstände fallen, am Ende des Dungeons dürfen wir ein Artefakt, seltene Handwerksmaterialien oder Blaupausen mitnehmen, und in den Städten stellen die Schmiede daraus etwas Sinnvolles her. Kaum ein Spielsystem wird wirklich erklärt, deshalb müssen sich Neulinge darauf einstellen, vieles selbstständig nachzulesen oder sich etwas zeigen zu lassen.

Dank der Remastered Edition läuft das Final Fantasy: Crystal Chronicles nun auf modernen Systemen, sowie auf Smartphones, außerdem wurde die Online-Konnektivität gewährleistet. Auf PS4, Nintendo Switch und auf den Handys gibt es zudem eine kostenlos spielbare Lite-Version, mit der sich jeder einen Vorgeschmack einholen konnte. Die ersten drei Dungeons darf man damit selbstständig ausprobieren und es soll auch irgendwie möglich sein, den Sitzungen von jemandem beizutreten, der das komplette Spiel gekauft hat. Wie man anderen Leuten eine Einladung schickt, habe ich aber nicht rausbekommen, deshalb kann ich es einfach nicht bestätigen.

Darüber hinaus erwarten uns einige zusätzliche Neuerungen. In der Charakterauswahl stehen zum Beispiel acht neue Spielfiguren zur Verfügung und viele weitere Figuren-Skins (und superstarke Waffen, sowie andere Vorteile) kann man als DLC nachkaufen. Außerdem dürfen sich Spieler, die fleißig Mogri-Stempel in den vielen Schauplätzen des Spiels sammeln, in den Kampfzonen als NPC verkleiden, was sicher eine nette Option ist. Das Highlight dieser neuen Remastered Edition sind besonders schwere Varianten der bestehenden Dungeons, die jedoch erst nach Abschluss des eigentlichen Spiels freigeschaltet werden und somit echte End-Game-Inhalte mit hohem Grind-Faktor sind.

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Ein giftiger Nebel, das sogenannte Miasma, breitet sich auf der Welt aus und deshalb müssen sich die Leute mithilfe von magischen Kristallen schützen.

Es handelt sich hierbei um optisch und strukturell teilweise aufwändig angepasste Varianten der 13 Hauptlevel von Final Fantasy: Crystal Chronicles (Mount Vellenge ist nicht enthalten), die mit hohem Gegneraufkommen und starken Feinden gepflastert sind. Die Gegner lassen weniger Items fallen, dafür erwarten euch größere Herausforderungen, die deutlich auf den Multiplayer-Fokus des Projekts abzielen. Im Grunde ist es also eine Weiterführung der bestehenden Level-Struktur, die ebenfalls komplizierter wird, je häufiger man die gleichen Gebiete abschließt. Die Bosse sind ebenfalls herausfordernder und verursachen hohen Schaden, als Belohnung gibt es noch stärkere Ausrüstung.

Die neuen Inhalte haben mich sehr glücklich gestimmt, denn die frischen Herausforderungen sind sehr schön geworden und erleichtern es Spielern, die vielen Geheimnisse dieser tollen Spielwelt vollständig zu ergründen. Außerdem lassen sich in diesen Abschnitten zahlreiche sinnvolle Änderungen finden, an denen man merkt, dass die Entwickler ziemlich genau wissen, was am Originalspiel häufig genervt hat. Der Spielfluss in diesen Leveln ist deshalb überraschend gut, was eine merkwürdige Entscheidung ist, da die Inhalte ja erst verfügbar werden, wenn man das Spiel eh schon durchgespielt hat... Das Matchmaking für diese Herausforderungen wird übrigens jeden Tag gewechselt, damit die Online-Lobbys gebündelt werden - eine recht schlaue Option, wie ich finde.

Final Fantasy: Crystal Chronicles mag nicht das sein, was Final-Fantasy-Fans von diesem Ableger erwartet haben, doch Square Enix hat viele tolle Ideen in diesem kleinen Spiel verwirklicht und dadurch genau das geschafft, was sie initial umsetzen wollten: Einen frischen Mehrspielertitel zu schaffen, den Freunde zusammenspielen wollen. Es ist kein starker Teil der legendären Einzelspielersaga, doch dafür gibt es zahlreiche liebevolle Geheimnisse und ikonische Geschichten. Umso bedauerlicher ist es, dass die Entwickler viele bestehende Problemzonen im Hauptspiel dieses Remasters schlichtweg ignoriert haben. Für mich als zurückkehrenden Fan hat sich dieses Abenteuer dennoch gelohnt, denn ich werde in Zukunft wahrscheinlich häufiger ein bisschen Myrre sammeln, um meine Kristallchronik zu vervollständigen. Das konnte ich damals auf dem Gamecube nämlich nie.

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Es ist nicht alles schlecht, denn früher musste man vier Gameboy Advance mit jeweils eigenem Verbindungskabel an die Gamecube anschließen, um das echte Mehrspielererlebnis von Final Fantasy: Crystal Chronicles zu genießen.
07 Gamereactor Deutschland
7 / 10
+
neue Dungeon-Varianten für End-Game-Spieler, Online-Matchmaking mit Crossplay, Lite-Version zum Testen, es ist nach wie vor ein eigenständiges und magisches Abenteuer mit viel Liebe zum Detail.
-
Menüstruktur gehört verbrannt, viel mehr Spielsysteme müssten ausgiebig erklärt werden, ohne Komplettlösung seid ihr aufgeschmissen, viele Texturen und Modelle sind extrem hässlich anzusehen.
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