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Kritiken
Fist of the North Star: Lost Paradise

Fist of the North Star: Lost Paradise

Ein Kult-Anime trifft auf Segas Yakuza und sprengt damit nicht nur unsere Vorstellungskraft, sondern auch jede Menge Köpfe.

Als Mitte der 90er auch in Europa das Interesse an japanischen Animationsfilmen zunahm, galt „Fist of the North Star" bereits als Kult. Der Anime zum Manga, der wiederrum auf der gleichnamigen, japanischen TV-Serie aus 80ern basiert, schockte mit übertriebenen Gewaltdarstellungen und hektoliterweise Blut. Grund dafür ist die besondere Kampfkunst des Helden Kenshiro, der als einsamer Wanderer durch postapokalyptische Wüsten streift. Er ist der amtierende Champion des Hokuto Shinken, einer Technik, die entfernt mit Akupressur zu tun hat und neben Heilkräften auch mühelos das Zerplatzen der Körper unfreundlich gesinnter Zeitgenossen hervorrufen kann - eine Anwendungsmöglichkeit, die der Held ohne mit der Wimper zu zucken reihenweise praktiziert.

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Fist of the North Star: Lost ParadiseFist of the North Star: Lost Paradise
Die Yakuza-Transfusion hat der "Fist of the North Star"-Marke sehr gut getan.

Nach diversen semi-erfolgreichen Versuchen, gute Videospiele aus dem ursprünglichen Manga zu stricken, hat Sega nun mehr Erfolg. Schon der japanische Name des Spiels deutet an, was hier passiert ist: „Hokotu ga Gotoku" heißt das Werk dort, eine Mischung der japanischen Titel „Hokuto no Ken" („Faust des Nord-Sterns") und „Ryu ga Gotoku" („wie ein Drache", der Originaltitel der Yakuza-Reihe). Kurz gesagt hat man einfach die Spiele-Engine von Yakuza 0 modifiziert, eine neue Geschichte rund um Kenshiro gestrickt und dabei viele Eigenheiten von Segas kultiger Mafia-Reihe beibehalten. Daraus entsteht eine überaus skurrile, aber auch spaßige Mischung.

Die Handlung spielt sich vor dem Hintergrund ab, dass Kenshiro seine Verlobte Yuria sucht. Die soll irgendwo in der Wüste verschollen sein, angeblich in einer mysteriösen Stadt namens Eden. Zunächst führen natürlich einige Tutorials in das Kampfsystem ein, das an Yakuza erinnert, sich jedoch schneller spielt und vor allem durch die Hokuto-Shinken-Finisher aufgepeppt wird. Diese werden in Form unterschiedlichster Quicktime-Events ausgeführt, die mit verschiedenen Vorgaben und Ergebnissen unterhalten. Die grotesken Animationen der meistens dümmlich aussehenden, muskelbepackten Gegner, die sich verwundert deformieren und dann zerplatzen, haben schon einen merkwürdigen Charme.

Merkwürdig geht es dann auch weiter, denn selbst wenn Eden schließlich gefunden und nach einigen kleinen Fetch-Quests betreten werden kann, geht die Einführung noch stundenlang weiter. Immer mehr skurrile Elemente werden eingeführt, darunter ein fahrbarer und Upgrade-fähiger Untersatz, mit dem Kenshiro die Wüste nach bunt leuchtenden Crafting-Gegenständen durchkämmt, oder ein Mini-Game, bei dem er als Barkeeper seine Kampfkunst nutzen muss, um atemberaubende Cocktails zu mixen. Hier gilt also ähnlich wie bei den Yakuza-Spielen, dass die Hauptstory recht trocken ist und sich zum Teil selbst viel zu ernst nimmt, während Nebenschauplätze eher ironische bis schreiend komische Tendenzen aufweisen.

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Fist of the North Star: Lost ParadiseFist of the North Star: Lost Paradise
Häufige Quicktime-Events unterbrechen die hitzigen Kämpfe, die im Vergleich zur Gangster-Soap viel zackiger (und blutiger) ablaufen.

Das ist auch bitter nötig, denn Held Kenshiro ist ein absolut einsilbiger Klotz, der kaum eine Miene verzieht und darüber hinaus unzerstörbar erscheint. Da droht ein wenig das Superman-Syndrom, weil ohne ernstzunehmende Gegenspieler eben auch keine Dramatik aufkommen kann. Dagegen helfen natürlich Bosskämpfe, und die sind bei Fist of the North Star meistens ein paar Hausnummern größer. Hier bedarf es deutlich mehr Ausprobieren und gleichzeitig eine höhere Frustresistenz, als bei den normalen Massenschlägereien, die kaum eine Herausforderung darstellen.

Ein anderes probates Mittel, stärker mit dem Helden mitzufiebern, ist die Kenntnis der Vorlage. Viele Figuren aus Manga und den Filmen tauchen auf, werden aber häufig nur oberflächlich eingeführt, ihre Kenntnis also vorausgesetzt. Yakuza- und Sega-Fans werden hingegen über viele Details schmunzeln können, zum Beispiel dass die Fahrten durch die weiten Wüstenlandschaften von Songs aus Spielen, wie Binary Domain oder Super Monkey Ball untermalt werden. Auch dass Kenshiro im Original die gleiche Stimme hat, wie Kazuma Kiryu aus Yakuza hat einen hohen Wiedererkennungswert.

Sobald die ersten paar Stunden der ausgedehnten Einführung erst einmal geschafft sind, nimmt das Spiel dann an Fahrt auf. Die typisch-skurrilen Nebenmissionen und neue Nebenaufgaben, wie Schatzsuchen in der Wüste oder das komplexe Talisman-System, sorgen für Abwechslung. Dadurch lassen sich, wie auch in den aktuellen Yakuza-Remakes, locker 30 Stunden in das Spiel versenken, ohne dass Langeweile aufkommt. Voraussetzung ist jedoch auf jeden Fall eine Affinität zu diesen Titeln oder noch besser, zur zugrundeliegenden Manga-Vorlage. Denn eine bessere Software-Version von Kenshiros Abenteuern hat es bis jetzt noch nicht gegeben.

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Fist of the North Star: Lost ParadiseFist of the North Star: Lost Paradise
Es lohnt sich in Lost Paradise wirklich sehr, die diversen Vorlagen von Fist of the North Star zu kennen.
07 Gamereactor Deutschland
7 / 10
+
Abgedrehte Story, spaßige Kämpfe, großer Umfang.
-
Sehr lange Einführungsphase, manchmal Ratlosigkeit bei Bosskämpfen, Charaktere und Story für Neulinge teilweise schlecht nachvollziehbar.
overall score
ist die Durchschnittswertung von Gamereactor. Wie hoch ist eure Wertung? Die Durchschnittwertung aller Gamereactor-Redaktionen wird aus den Wertungen in allen Ländern erhoben, in denen es lokalen Gamereactor-Redaktionen gibt

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