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Kritiken
Gungrave VR

Gungrave VR

Als Wiedergänger kehrt ein längst totgeglaubter Held der PS2-Ära für PSVR-Headsets zurück. Steckt in der Serie mehr Leben, als in seinem zombifizierten Hauptdarsteller?

Rückwirkend betrachtet ist Gungrave eine ganz spannende Kiste. Das Playstation-2-Game von 2002 war eine Art Horde-Shooter, der leider recht monoton ausfiel und nicht besonders gute Bewertungen einfuhr. Nicht absprechen konnte man dem Ganzen jedoch einen gewissen Zauber, der zu einem guten Teil von der Atmosphäre und dem tollen Charakter-Design herrührte. So kam es, dass Gungrave im folgenden Jahr zur Anime-Serie wurde und 2004 sogar noch ein Folgespiel namens „Gungrave Overdose" erschien. Danach wurde es jedoch recht still um das Franchise und ihren Helden „Beyond the Grave", auch bekannt als Gungrave.

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Das Spiel verliert nur wenige Worte zur Hintergrundgeschichte von Beyond the Grave.

Besonders gesprächig war dieser Hüne noch nie. Einst war er unter seinem Geburtsnamen Brandon Heat Mitglied einer kriminellen Organisation, bis er von seinem ehemals besten Kumpel Harry ermordet wurde. Dreizehn Jahre später wird er dann von Doktor Tokioka mit Hilfe der Nekrolyse wieder zum Leben erweckt. Diese Technik wurde erfunden, um Tote zu Zombie-ähnlichen Biowaffen zu machen, den sogenannten Orkmännern. Natürlich gerät eine solche Technologie schnell außer Kontrolle, und so wurde Beyond the Grave die einzige Chance, diesen Wahnsinn noch zu stoppen. Dazu schleppt er nun seinen eigenen Sarg mit sich herum, den er als Nahkampfwaffe und Raketenwerfer nutzt.

Das alles ist für die VR-Version gut zu wissen, denn bis auf einen langweiligen Text am Anfang erfahren wir aus dem Spiel so gut wie nichts über die Hintergründe. Stattdessen zeigt uns ein Tutorial, dass Gungrave VR im Prinzip ähnlich aufgebaut ist, wie sein PS2-Vorfahr: Wir sehen Grave von hinten und können über den Controller laufen, Ausweichrollen und Nahkampf-Angriffe auslösen. Gezielt wird durch die Blickrichtung des Headsets, was gut funktioniert. Dazu gibt es noch Spezialattacken, die man jeweils nach 100 Treffern vom Stapel lässt, sowie eine Zeitlupen-Funktion, deren Energievorrat sich langsam regeneriert. Mit dem rechten Stick lässt sich die Kamera in etwa 30°-Winkeln umschalten, was leider nicht konfigurierbar ist - ein größerer Winkel würde besser zum schnellen Spieltempo passen.

Der Ersteindruck des Geschehens ist durchaus positiv, die Kombi aus Third-Person-Gameplay und VR hat etwas für sich, auch das abgedrehte Charakter-Design von Grave entfaltet wieder seine Wirkung. Leider bestehen die Level aus sehr klein gehaltenen Arealen, in denen die wenigen unterschiedlichen Gegnerarten ständig aufploppen. Am Ende kommt dann ein Boss, der auch eher durch Sturheit als durch geschicktes Agieren kleinzukriegen ist, und nach unangenehmen Ladepausen geht es dann mit der nächsten Szene weiter.

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Immerhin probierte sich Entwickler Marvelous Europe an verschiedenen Perspektiven für die virtuelle Realität.

Ein Pluspunkt von Gungrave VR ist die Abwechslung von Third-Person-Szenen mit Leveln in Ego-Sicht (dort wird in bester Schießbudenmanier nur noch geballert). Das macht Spaß, fällt jedoch für seine simple Natur oft zu langgezogen aus. Wahrscheinlich haben sich die Entwickler aus pragmatischen Gründen zur Integration dieser Abschnitte entschieden, denn sonst wäre das Spiel viel zu schnell vorbei. Wenn man sich einigermaßen geschickt anstellt, ist man ohnehin schon in etwa 90 Minuten mit dem Game durch. Dann bleibt nur noch die Punktejagd nach Bestleistungen, was jedoch eigentlich schon dadurch erreicht wird, dass man ohne zu sterben bis zum Ende durchkommt.

Etwas erweitert wird das Erlebnis durch „Gungrave U.N.", wobei unklar ist, was das Namensanhängsel bedeutet und wieso es ein eigenes Spiel ist, das zwar zusammen gekauft, aber separat heruntergeladen wird. Denn eigentlich geht es genau im gleichen Stil weiter, auch der Raum, in dem man Mission und Kostüme wählt, ist gleich. Allerdings wird das Geschehen hier durch einige kurze Schnipsel aus dem Anime kommentiert, was sicher auch dem normalen Spiel gut getan hätte. Die „U.N."-Episode bietet noch einmal drei weitere kurze Missionen, die überwiegend aus einer völlig VR-untypischen Seitenansicht gespielt werden.

Insgesamt ist Gungrave VR ein ganz interessanter Mix aus verschiedenen Ideen, die allerdings alle unausgegoren wirken. Überhaupt macht das Spiel einen ziemlich unfertigen Eindruck, da Gegner oft ins Bild ploppen, unser Fadenkreuz manchmal riesig groß aufgeblasen wird und Animationen sehr ruckhaft ablaufen. In Gungrave U.N. kommt unser Ziellaser zudem aus unerfindlichen Gründen nicht aus Graves Waffen, sondern aus einem Punkt, der einen halben Meter über seinem Kopf schwebt... Die Musik, die eigentlich ganz okay ist, besteht leider nur aus recht kurzen Melodien, die beim Loopen sogar deutlich hörbare Hänger aufweisen.

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Nach eineinhalb Stunden ist in Gungrave VR dann aber so langsam die Puste raus...

Durch all diese Faktoren wirkt Gungrave VR eher wie das, was andere Film- und Game-Hersteller als kostenlose Experience anbieten - was dazu passen würde, wenn nächstes Jahr wirklich ein neues „großes" Gungrave-Spiel für die PS4 kommen soll. Eigentlich schade, dass man mit den eigentlich ganz schick aussehenden, aber winzig kleinen Level und den technischen Unzulänglichkeiten nur halbe Sachen gemacht hat. Größere Areale, unterschiedliche Feinde und ordentliche Politur hätten ein tolles Spiel ergeben können. Doch so wie es ist, bleibt der reanimierte Grave leider doch eine Totgeburt.

04 Gamereactor Deutschland
4 / 10
+
Mehrere unterschiedliche VR-Konzepte, interessantes Charakter-Design.
-
Sehr kurz, technisch absolut unfertig.
overall score
ist die Durchschnittswertung von Gamereactor. Wie hoch ist eure Wertung? Die Durchschnittwertung aller Gamereactor-Redaktionen wird aus den Wertungen in allen Ländern erhoben, in denen es lokalen Gamereactor-Redaktionen gibt

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