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Kritiken
Handball 16

Handball 16

Eine Handballsimulation ist etwas für eine eher spezielle Zielgruppe. Wie gut sowas klappen kann, sieht man an Eishockey und der NHL-Serie. Das Gegenteil gibt's dann hier.

Nur 4,6 Gigabyte ist die Datei groß. Und es ist kein Indie-Game, das ich hier gerade auf der Xbox One installiere, zumindest nicht preislich. Handball 16 kostet 65 Euro für Xbox One und PS4. Dafür kriegt man die derzeit einzige Handball-Simulation, die die Konsolen-Welt zu bieten hat. Leider ist das Spiel nicht besonders gut. Vorsichtig ausgedrückt.

Ich kenne mich nicht extrem gut aus mit Handball. Allerdings spielte zu der Zeit, als ich in Hameln zur Schule ging, der dortige Verein VfL Hameln mit den Handballern in der 1. Bundesliga. Das bekam man mit, weil es fortan etwas nervig war an den Spieltagen mit dem Skateboarden rund um die Rattenfängerhalle. Und ich kannte aus der Schule einige Nachwuchshandballer. Alles harte Jungs, ernsthaft jetzt. Handball ist ein ziemlicher Vollkontaktballsport. Es wird schnell gespielt, viel gerannt, gerne gefoult - gibt ja auch nur kurze Strafen dafür. Der Ball ist klein, verdammt hart und wird noch härter geworfen. Kurzum: Eigentlich eine gute Grundlage für ein Videospiel.

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Das Gameplay ist schlicht strukturiert, weit entfernt von der Finesse, die FIFA 16 oder Pro Evolution Soccer 2016.

Leider ist es mit dem Videospiel wie mit den Bundesliga-Handballern des VfL Hameln. Offenkundig fehlte das Geld, um was wirklich großartiges zu machen. Hameln spielt mittlerweile in der Niedersachsenoberliga und Handball 16 schreit an allen Ende und Ecken "Low-Budget!!!". Das Logo und die gesamte Benutzeroberfläche sehen aus wie 2002 in Corel Draw gezeichnet. Die Spielfiguren scheinen alle aus dem gleichen Setup von sechs mal sechs Möglichkeiten zusammengeneriert. Der Kommentar ist bei jedem Match quasi identisch. Es gibt genau zwei Kameraeinstellung für den Platz. Sie haben es geschafft, kein Geld in Aufwärtstrikots zu investieren, so dass gerne auch mal zwei Teams in schwarz gegeneinander spielen. Da ist Chaos vorprogrammiert. Nun...

Ich habe mit meinem selbst erstellten Spieler den Karrieremodus gespielt. Die SV Henstedt-Ulzburg Frogs waren eines von drei deutschen Teams, die ich wählen durfte. Schade, wo man doch im Solomatch auch den HC Empor Rostock, den HF Springe (übrigens eine Kleinstadt ein paar Kilometer von Hameln entfernt und immerhin in der 2. Bundesliga aktuell) oder den ASV Hamm-Westfalen auswählen kann. Muss man halt auf ein Angebot warten. Die Karriere unterscheidet sich kaum davon, eine komplette Saison zu spielen (was der andere Modus wäre). Man kann seinen nicht mühevoll erstellten Protagonisten hochleveln, am grundsätzlichen Spielgefühl ändert das wenig.

Die sechs Handballer rennen mehr oder minder stumpf in Richtung gegnerisches Tor. Sie passen sich den Ball vor dem Kreis zu und suchen die Lücke für den Wurf. Es gibt ein paar Varianten, man kann ausweichen und Körpertäuschungen ansetzen. Das Gameplay ist schlicht strukturiert, weit entfernt von der Finesse, die FIFA 16 oder Pro Evolution Soccer 2016 bei der Spielsteuerung mittlerweile vorweisen. Das sorgt einerseits dafür, dass der Einstieg relativ simpel ist. Aber der Spaß ist ebenso überschaubar. Das Top-Team THW Kiel spielt sich dabei natürlich flüssiger und schneller und die Spieler treffen besser als vom Die Eulen der TSG Ludwigshafen-Friesenheim.

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Die Grafik hätte 2002 vermutlich noch jemanden irgendwie überzeugt, ist aber heutzutage vollständig überholt. Dazu gesellen sich Fehler wie wild flackernde Logos und schlimmes Clipping.

Die Grafik hätte 2002 vermutlich noch jemanden irgendwie überzeugt, ist aber heutzutage vollständig überholt. Dazu gesellen sich Fehler wie wild flackernde Logos und schlimmes Clipping, so dass das Bild immer wieder teilweise komplett verschoben ist. Die Animation sind generisch, wiederholen sich schnell und wirken gestelzt. Die Spieler der Mannschaften sind nicht individuell gecaptured, sondern werden lediglich in der Mannschaftsaufstellung mit einem Foto gezeigt. Die virtuelle Spielfigur ähnelt nur in etwa ihrem realen Vorbild, soweit man das aus der Ferne der Kameraeinstellung beurteilen kann. Das nimmt schon etwas das Vergnügen für Handballfans, das Gefühl zu bekommen, mit den eigenen Helden zu spielen.

"Nett" ist, dass großzügig Achievements verteilt werden für einfache Aufgaben - wobei das natürlich kein Argument für ein Spiel ist, sondern eher eines dagegen. Eine Onlinemodus gibt es auch. Ich hätte gerne eine Runde gespielt, aber es war niemand da. Ich habe das Matchmaking lange Zeit suchen lassen. Sehr lange Zeit. Kam niemand. Handball ist offenkundig nicht so beliebt als Videospiel. Wer mag, kann im lokalen Multiplayer gegen einen Freund zocken oder ihn durch die stumpf agierende KI ersetzen lassen. Jedes Match folgt einem eigenen Muster, die Spielzüge sind vorhersehbar und nichts überrascht einen.

Ich weiß nicht, wie man allen ernstes den vollen Preis für so ein Spiel verlangen kann. Die Lizenzen können nicht so teuer sein, selbst wenn jeweils erste und zweite Liga aus Deutschland, Spanien, Frankreich und Dänemark integriert sind. Die Produktion kann nicht so viel Geld gekostet haben. Die Technik ist veraltet und die Detailverliebtheit kann auch nicht der Grund für den preis sein. Handball 16 ist ein generisches Produkt, das darauf abzielt, von einer streng definierten Zielgruppe maximal viel Geld einzusammeln. Hätten Bigben Interactive es als reinen Downloadtitel für 19 Euro gebracht, wäre das ein völlig legitimer Plan. So grenzt es an Abzocke...

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04 Gamereactor Deutschland
4 / 10
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Man kriegt eine Handballsimulation, wenn man eine sucht
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fiese Grafikfehler, generisches Figurendesign, zu simples Gameplay, lahmer Karrieremodus, völlig überteuert fürs Gebotene
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