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IL-2 Sturmovik: Birds of Prey

IL-2 Sturmovik: Birds of Prey

Ein bedrückender Action-Flugsimulator mit einem unaussprechlichen Namen, das ist IL-2 Sturmovik: Birds of Prey. Wir sind mit der Xbox-Version in die Luft gestiegen und haben den Zweiten Weltkrieg gesehen. Von oben, in all seiner opulenten Grausamkeit.

  • Christian Gaca

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Wer in Berlin lebt, wird noch relativ häufig mit den Folgen des Zweiten Weltkriegs konfrontiert. Häuserwände mit Einschusslöchern gehören immer noch zum Stadtbild. Auch Fliegerbomben werden bei Bauarbeiten noch gefunden, gefährliche Relikte aus der Vergangenheit. Insofern war es schon harter Tobak, an der Bombardierung der eigenen Stadt im Jahr 1945 teilzunehmen - in einem sehr realen, teils sehr bedrückenden Action-Flugsimulator namens IL-2 Sturmovik: Birds of Prey.

Für PC-Spieler ist IL-2 Sturmovik seit 2001 ein feststehender Begriff, für die Fans von Hardcore-Flugsimulationen vielleicht sogar <k>die</k> feststehende Größe. Luftkampf und Luft-Bodenkampf der authentischen Sorte gab es bereits damals. Im Jahr 2009 sieht das alles extrem poliert aus. Das Erstaunlichste ist allerdings in puncto Gameplay gelungen. Die Entwicklern haben eine Balance hergestellt zwischen dem ultra-harten Simulationsansatz, der das Originalspiel maßgeblich prägte und dem Anspruch, IL-2 Sturmovik: Birds of Prey auch für Hobbypiloten zugänglich zu halten. Was dann auch über eine Million Downloads der Demo auf Xbox Live und im Playstation Network erklären dürfte.

Das Spiel versetzt uns in das Leben eines Piloten der Royal Air Force im Jahr 1940. Deutschland überrollt mit dem Blitzkrieg Europa und will auch die Britischen Inseln mit Hilfe der Luftwaffe erobern. Wir dürfen nun daran mitarbeiten, genau dies zu verhindern und später in fünf weiteren Kampagnen auch zurückschlagen.

Vor dem eigentlichen Spiel gibt es einige gut gemachte (und bitter nötige) Flugtrainingsmissionen. Die zahlreichen dabei eingespielten Tagebucheinträge und Zwischensequenzen geben dem Helden ein Gesicht - und vor allem die vielen Originalaufnahmen aus den Kriegsjahren sorgen für eine authentische, oft beklemmende Atmosphäre.

Der Flugunterricht ist nicht nur lehrreich, sondern definiert gleichzeitig den Schwierigkeitsgrad. Mit dem Basistraining wird der Arcademodus freigeschaltet, der durch recht simple Steuerung und eine wirklich guten Zielkamera überzeugt. Dieser Modus ist für die meisten Spieler bestens geeignet, um ohne große Hürden direkt in den Luftkampf einzusteigen. Aber vor allem Anfänger brauchen trotzdem eine Weile, bis sie sich an die Steuerung gewöhnt haben. Das ist allerdings fast immer der Fall bei Flugsimulationen.

Wer nachfolgend noch erfolgreich die optionalen Trainingsmissionen absolviert, schaltet so den realistischen Modus und den Simulationsmodus frei. Der realistische Modus setzt bereits einige Kenntnisse übers Fliegen voraus, um dort vernünftig spielen zu können. Den Simulationsmodus meistern vermutlich nur Masochisten oder echte Piloten - ich jedenfalls habe es nicht geschafft, ihn freizuspielen.

Ganz ehrlich, der Simulationsmodus ist wohl auch eher eine ehrfurchtsvolle Verbeugung vor der Hardcore-Fangemeinde als taugliches Massenprogramm. Sicher werden die alten Fans es extrem zu schätzen wissen, dass die Entwickler jahrelang an der präzisen Umsetzung der Flugeigenschaften alter Bomber geschraubt haben. Aber wer einmal versucht hat, eine störrische Spitfire mit Höhen- und Seitenruder unter Kontrolle zu halten, merkt schnell, dass dies kein Unterfangen für Novizen ist. Dieses Anspruchsdenken ist auch im Arcademodus noch spürbar. IL-2 Sturmovik: Birds of Prey ist eben auch dort nicht superleicht zu spielen, wird aber nie zu kompliziert oder nervig. Die Flugzeuge reagieren, wie wir uns alte Flugzeuge vorstellen: etwas behäbig, sehr mechanisch. Trotzdem genau richtig, irgendwie.

Sechs Kampagnen und 20 Missionen bietet der Einzelspielermodus, dazu 48 separat spielbare Einzelmissionen. Der Luftkampf führt uns von der Schlacht um England (Juni 1940 bis Mai 1941) zur Schlacht um Berlin (April/Mai 1945). Dazwischen Stalingrad, Sizilien, Kiew und die Ardennen - jeweils eine ganz eigene Hölle zum Überfliegen. Über 45 Flugzeuge sind im Spiel enthalten, in der Kampagne darf aber nur das Material der Alliierten geflogen werden. 12 Bomber und Kampfflugzeuge sind das, von der wendigen Spitfire bis hin zur B17. Es kommt einiges an Spielzeit zusammen, wenn alle Primär- und Sekundärziele der Missionen absolviert werden sollen.

Der Mehrspielermodus mit bis zu 16 Fliegern hält vier Modi parat: Dogfight-Luftkampf, Deathmatch-Luftkampf, Bodenangriff und eine Capture the Flag-Variante namens Flugplatzeinnahme. Standardprogramm also - was aber durch die nicht immer leicht zu steuernden Flieger zu einem echten und vor allem intensiven Wettbewerb wird. Die Luftkämpfe dauern nicht selten eine ganze Weile, sind geprägt von taktischen Finessen und strategischen Planungen. Das findet allerdings nicht jeder spannend. Etwas mehr Action bieten die beiden letztgenannten Modi.

Grafisch ist der Luftkrieg in IL-2 Sturmovik: Birds of Prey extrem effektvoll inszeniert - auch im Detail. Während wir über wunderschöne Landschaften fliegen, die häufig erst einmal so gar nicht nach Ärger ausschauen, sind die folgenden Luftkämpfe dann explosiv, intensiv und optisch erstklassig. Unglaubliche Mengen an Flugzeugen und Bombern in Formationen - das ist spürbar furchteinflößend, obwohl es nicht real ist.

Dann die verschieden großen Einschusslöcher in den Tragflächen vom Bord-MG oder der Flak. Unglaublich realistisch qualmende Motoren. Dezente Ölspritzer auf der eigenen Scheibe nach Volltreffern des Vordermannes. Oder einfach nur die Rauchstreifen der MG-Schüsse und die Art, wie die Patronenhülsen wegfliegen. Mitten drin im Cockpit-Krieg, so hat das vermutlich damals in echt auch ausgesehen. Puh. Da ist man tatsächlich mal froh, dass es jetzt nur ein Spiel ist. Eines, bei dem die Entwickler wirklich sehr sehr viel Wert auf Authentizität und Details gelegt haben.

IL-2 Sturmovik: Birds of Prey
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08 Gamereactor Deutschland
8 / 10
+
Intensive Luftkämpfe, tolle Grafik der Umgebung und der Flugzeuge
-
Teils etwas zu schwierig, Multiplayer tendenziell lahm
overall score
ist die Durchschnittswertung von Gamereactor. Wie hoch ist eure Wertung? Die Durchschnittwertung aller Gamereactor-Redaktionen wird aus den Wertungen in allen Ländern erhoben, in denen es lokalen Gamereactor-Redaktionen gibt

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