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Halo Infinite

Kommentar: 343 Industries vernachlässigt den Mehrspielermodus von Halo Infinite

Obwohl der Mehrspielerbereich von Halo Infinite vielversprechend gestartet ist, hat 343 Industries sämtliches Potential liegen lassen. Wir haben die Nase voll.

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Derzeit strahlt Paramount die Halo-Webserie aus und egal, was man über die einzelnen Folgen dieser Produktion denkt, die sich acht Jahre lang in Entwicklung befand; es ist natürlich ein monumental bedeutsamer Teil der langjährigen Geschichte dieser Marke. Trotzdem - und trotz all der Zeit, die Microsoft und dem Halo-Studio 343 Industries bis zu diesem Punkt zur Verfügung stand - ist es den beiden Unternehmen nicht gelungen, pünktlich zum Seriendebüt eine Kleinigkeit für Halo Infinite vorzubereiten. Diejenigen, die sich täglich in der Mehrspielerwelt des neuesten Ego-Shooters aufhalten, haben deshalb vielleicht noch gar nicht mitbekommen, dass das Projekt angelaufen ist. Ist es denn zu schwer, ein paar neue Objekte einzufügen, die an Team Silver erinnern? Der Bezug zur Webserie wird nach wie vor nicht hergestellt, weder in offensichtlichen noch in gut versteckten Hinweisen, mit denen die Entwickler an die Paramount-Serie erinnern.

Das sagt leider viel darüber aus, in welchem Zustand sich Halo Infinite derzeit befindet. Als großem Halo-Fanboy tut es mir fast weh mitansehen zu müssen, wie 343 Industries ihr anfangs so erfolgreiches, so vielversprechendes Halo-Comeback einfach auf den Boden fallen lässt. Denn obwohl sich die Konsolenspieler auf der Xbox als treue Gemeinschaft erweisen (die PC-Spieler haben den Mehrspielerteil von Halo Infinite aufgrund der vorherrschenden Probleme nur angespielt und sind dann schnell wieder abgezogen), dürfte es auch diesen Fans nicht entgangen sein, dass die Entwickler seit dem 8. Dezember jedes der selbst kommunizierten Ziele verpasst und weiter hinausgeschoben haben. Die ständigen Entschuldigungen nerven, denn sie strapazieren den guten Willen, der 343 Industries von der anfangs noch super positiven Spielerbasis entgegengebracht wurde.

Wir sehen dem Start der zweiten Live-Service-Saison von Halo Infinite gegenüber und vermutlich wäre es strategisch sinnvoller, auf die versprochenen Inhalte zu warten, ehe ich über das Spiel meckere. Doch unabhängig davon, ob es "Saison 2" wirklich schafft, die offensichtlichen Inhaltsprobleme, die die Spieler seit inzwischen vier Monaten beanstanden, einzudämmen oder nicht; es ist es fast unmöglich, die Augen vor dem unfassbaren Missmanagement dieses Spiels zu verschließen. Halo Infinite hätte sehr viel mehr gepflegt und aktualisiert werden müssen, die Prioritäten hätten schlichtweg auf anderen Schwerpunkten gesetzt werden müssen.

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Obwohl ich kein großer Fan der Lizenzproduktionen von Dice bin, ist Star Wars Battlefront II im Vergleich zum neuen Halo ein viel, viel besseres Beispiel eines Live-Service-Games. Das Spiel hatte anfangs mit der stinkenden Lootbox-Kontroverse seine Probleme, aber das viele Geld hat die Entwickler wenigstens dazu ermutigt, das Spiel nach der Premiere in einem Tempo und auf eine Art und Weise zu aktualisieren, sodass Online-Spieler regelmäßig zurückkehren wollten, um sich die Änderungen anzuschauen. Online-Spiele greifen popkulturelle Elemente aus neu veröffentlichten Filmen und Serien seit Jahren in unterschiedlichsten Formen auf, was mal in Mikrotransaktionen und (noch besser) in kostenlosen Updates mündet. Mit neuen Helden, Waffen, Karten und Fähigkeiten bleibt das Spiel frisch, aktuell und interessant. Das alles ist nötig, denn die verwöhnten Spieler von heute brauchen in diesen modernen Zeiten einen guten Grund, um ein Spiel erneut anzuwerfen.

Teile von 343 Industries gehören der alten Schule an, wo ein Mehrspielerspiel wie Halo 2 in einem bestimmten Zustand veröffentlicht werden konnte und dann in genau diesem Zustand, mit genau dem gleichen Inhalt und der gleichen Funktionalität mehrere Jahre lang weiter existiert und immer beliebter wurde. Jeder von uns, der online First-Person-Shooter spielt, müsste aber wissen, dass diese Zeiten lange vorbei sind. Titel wie Call of Duty, Fortnite und Apex Legends (um nur einige Beispiele zu nennen) leben und atmen. Die Entwickler planen Live-Service-Events, mit denen sich die Inhalte der jeweiligen Projekte stetig weiterentwickeln. Die ganzen Updates bieten ständig etwas Neues und das wollen die Spieler anscheinend auch. Der Mehrspieler von Halo Infinite will diese ständige Aufmerksamkeit ebenfalls haben, doch das Live-Service-Spiel hat seit der Veröffentlichung keinen "Live"-Aspekt, was Spieler wie mich so müde macht. 343 Industries hat es nicht einmal geschafft, einen konstanten Strom an kosmetischen Gegenständen im eigenen Halo-Shop zu etablieren, was bemerkenswert tragisch ist.

Ich sollte keine Sekunde lang denken, dass ich eine Art Spieleentwicklungsexperte bin, und ich möchte auch nicht behaupten, dass 343 Industries Halo Infinite und dessen Mehrspielermodus einfach "ignoriert" hat. Denn nichts davon stimmt natürlich. Aber ich verstehe einfach nicht, wie es zu dieser Nachlässigkeit kommen konnte. Dieses Entwicklerstudio beschäftigt 720 Menschen und damit ist es eines der weltweit größten Spielestudios - das ausschließlich an Halo arbeitet. Halo Infinite ist das teuerste Spiel aller Zeiten mit einem Entwicklungsbudget von weit über zwei Millionen Euro und das reicht offenbar nicht, um regelmäßig ein paar kosmetische Mikrotransaktionen ins Spiel einzupflegen... Als Phil Spencer den Bungie-Veteranen Joseph Staten als Creative Director zu 343 Industries holte und dem Team zwölf weitere Monate Zeit gab, um die Entwicklung zu koordinieren, wurde sicherlich ein Teil des Spiels überarbeitet, aber für mich ergibt das alles keinen Sinn. Natürlich wird die Entwicklung herausfordernd und anspruchsvoll gewesen sein, aber was tun all diese Leute mit ihrer Zeit?

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720 Leute, unbegrenztes (fast) Entwicklungsbudget und sechs Jahre kontinuierliche Entwicklung haben zu einem sehr guten Spiel geführt, das seit der Veröffentlichung nur rudimentär aktualisiert wurde. Das kann als alter Halo-Liebhaber weder akzeptiert noch verstanden werden. Hätte 343 Industries mit Staten an der Spitze gewusst, dass das Studio in den ersten vier Monaten nach der Veröffentlichung des Spiels keine wesentlichen Inhalte hinzuzufügen haben würde, dann hätte der Fokus doch ganz offensichtlich darauf liegen sollen, den Schmiede-Teil rechtzeitig zur Premiere des Spiels im Dezember letzten Jahres fertigzustellen. Auf diese Weise hätten sich die Spieler zumindest selbst mit benutzerdefinierten Inhalten beschäftigen können, während sich das Studio darauf konzentriert, diesen spärlich bestückten Mehrspielermodus anderweitig fit zu machen.

In einem kürzlich veröffentlichten Artikel sprechen Bonnie Ross und Frank O'Connor von 343 Industries mit der Washington Post über die Schwierigkeiten bei der Anpassung der Halo-5-Game-Engine an die offene Spielwelt und die Tatsache, dass sie große Probleme hatten, Crossplay zwischen PC und Xbox zu ermöglichen. Meiner Meinung nach fühlt sich das wie ein schwacher Trost an, denn es ist keine wirkliche Erklärung dafür, warum Halo Infinite seit vier Monaten stillsteht. Diese Leute haben die volle Unterstützung der gesamten Microsoft Studios und sie hatten sechs (!) Jahre lang Zeit, um sich Lösungen für Konnektivitätsprobleme auszudenken. Die Mehrspielerserver laufen auch nicht in "offenen Spielwelten", sodass Argumente zur Spielstruktur völlig irrelevant werden. Schmiede fehlt, es gab keine neuen Karten oder Waffen, die optischen Anpassungsgegenstände fehlen und letztlich wünschen sich viele von uns mehr Spielmodi. Es fehlt an Leben, Bewegung, Fehlerbehebungen und der allgemein anerkannten Unterstützung, die Spieler heute von einem Entwickler dieser Größe für ein Projekt dieser Größenordnung erwarten.

Ich liebe Halo, habe es immer getan. Ich werde Halo wahrscheinlich immer lieben, aber gleichzeitig kann ich nicht die Augen davor verschließen, dass 343 Industries jede Menge Potenzial in gewisser Weise vernachlässigt. Bungie hat das nie getan und sie waren "nur" 110 Leute, die zusammen Halo: Reach veröffentlichten. Auch das Budget dieses Titels lag bei etwas mehr als einem Neuntel von dem Kapital, das Hallo Infinite hatte/hat. Für mich ist es offensichtlich, dass 343 Industries in vielerlei Hinsicht einfach nicht weiß, womit sie sich beschäftigen sollen. Und das... ist tragisch. Halo verdient immer etwas Besseres.

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