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Little Nightmares

Little Nightmares

Wir haben uns in die gelben Regenmäntel gezwängt und unseren Weg durch The Maw gefunden.

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Das neue Spiel der Tarsier Studios heißt Little Nightmares und mischt Schleichpassagen mit Physik-Rätseln. Ein bisschen ähnelt das Abenteuer den stilvollen Spielen Limbo und Inside des dänischen Playdead-Studios. Ähnlichkeiten mit Unravel hat Little Nightmares auch, obwohl das Thema ein anderes ist. Das soll natürlich nicht heißen Little Nightmares würde sich genauso spielen wie Inside oder eines der anderen eben erwähnten Titel, aber es gibt offensichtliche Parallelen durch die es unvermeidbar, ist die Titel miteinander zu vergleichen. In seiner präsentierten Ästhetik wirkt das Spiel der Franzosen sehr eigen, trotz düsterem Limbo/Inside-Setting. Was ich mit all diesen Vergleichen bezwecken will, ist, in welch unglückliche Sparte Little Nightmares fällt. Immer wieder muss das Spiel mit einigen der besten Spiele der letzten Jahre verglichen werden.

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Das Spiel besteht aus fünf Kapitel, die man bequem in einer längeren Spiel-Session erledigen kann.

Little Nightmares spielt in einer düsteren Unterwasserwelt, in der man ständig auf der Flucht vor ihren Bewohnern und anderen Gefahren ist. Wir versuchen aus The Maw zu entkommen, so wird dieser Ort genannt, auch wenn es keine gesprochene oder geschriebene Geschichte gibt. Stattdessen sind wir gezwungen, die Vorgänge zu interpretieren und uns unserer eigenen Gedanken über dieses merkwürdige Restaurant für groteske Kreaturen zu machen.

Der ursprüngliche Titel war Hunger und wäre vielleicht der bessere Name für das Spiel gewesen, auch wenn er vielleicht schon zu viel verraten würde. Hunger passt sowohl zu den Gästen dieser bizarren Welt, aber auch zur Hauptfigur Six. An einem bestimmten Punkt in jedem Level überkommt Six der Hunger und das ist zentral für die Erzählung der Geschichte. Auf der audiovisuellen Seite kann Little Nightmares wirklich glänzen. Tarsier hat sich für eine Puppenhaus-Optik entschieden, die bei Atmosphäre und Stimmung Wunder wirkt. Das gilt auch für die Schatten und die Bewegung der Kamera, die gut aus dieser Puppenhaus-Perspektive funktionieren.

Das Spiel hat eine grobkörnige Qualität und im Gegensatz zu dem stark stilisierten Inside, kann man mit vielen Dingen interagieren, auch die Objekte, die abseits des eigentlichen Weges liegen. Trotzdem ist das Abenteuer von Tarsier Studios linear. Immerhin machen die zusätzlichen Kleinigkeiten die Welt taktiler und zu einem Erlebnis, das sich seltsam real und geerdet anfühlt. Die Perspektive sorgt auch dafür, dass man die Verwundbarkeit von Six spürt und Gemälde und andere Dinge unterstützen die Story, auch wenn alles unserer eigenen Interpretation überlassen bleibt.

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Nicht nur die Optik lässt das Spiel glänzen, auch der Sound muss hierbei erwähnt werden. Die Musik wirkt wie ein gruseliger Kinderreim (sie wird sehr spärlich eingesetzt) und die Sounds sind hervorragend eingesetzt. Die verschiedenen Bewohner dieses Ortes geben Geräusche von sich, die einem die Haare zu Berge stehen lassen.

Die Gameplay-Mechaniken von Little Nightmares sind einfach und gradlinig. Wie erwartet kann man springen, rennen, greifen und ziehen, um sich seinen Weg durch die Welt zu bahnen. Mithilfe eines Feuerzeugs bringen wir Licht in dunkle Passagen und kriechen oder schleichen sonst ungesehen an Gegner vorbei. Viele Rätsel erfordern kreativen Einsatz unserer Fähigkeiten, manchmal muss man aber auch nur einfach vor Feinden flüchten. Diese Fluchten werden im zweiten Teil des Spiel ein klein wenig zu oft eingesetzt. Und obwohl sich die Rätsel nicht direkt gleichen, ähneln sie sich mit der Zeit doch sehr - ein Gefühl, das man bei Inside nie hatte.

Wie lang ist das Spiel? Nun, es besteht aus fünf Kapiteln und man löst jedes in unter einer Stunde, wenn man nicht irgendwo komplett hängenbleibt. Das letzte Kapitel ist etwas kürzer und wird von fähigen Spielern wohl in einer halben Stunde abgeschlossen werden. In anderen Worten, das Spiel kann man in einer einzigen Sitzung schaffen, eine Art Abend-Unterhaltung. Der Wiederspielwert von Little Nightmares ist nicht besonders hoch, außer ihr wollt unbedingt alle Nomes umarmen und jede Statue zerbrechen in einem Spieldurchlauf zerbrechen. Alle anderen Sammel-Fanatiker nutzen die Kapitelanwahl, um in ein bestimmtes Gebiet zurück zu kehren und die letzten Geheimnisse zu lüften.

Little Nightmares ist ein netter Bekannter. Es ist ein Spiel, das vielleicht die Natur der Tarsier Studio zeigt - die kennt man ja vor allem für ihre Arbeit an Little Big Planet (sie haben an mehreren Teilen mitgearbeitet und die Vita-Version entwickelt). Das Ende ist etwas abrupt und auch wenn es mir nichts ausmacht, dass Spiele kürzer sind, könnte einigen Spielern der Inhalt für das Geld nicht genügen. Wer ein dunkles Abenteuer sucht, um für einen oder zwei Abende abzutauchen, liegt bei Little Nightmares genau richtig.

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The Maw ist ein düsteres Restaurant, voller bizarrer Kreaturen.
08 Gamereactor Deutschland
8 / 10
+
Wundervoll körnige Ästhetik, Puppenhaus-Perspektive funktioniert wundervoll, toller Einsatz von Audio, großartige Atmohphäre und interessantes Thema, ein rundes Erlebnis.
-
Fluchtszenen werden ein wenig repetitiv, kein sonderlich hoher Wiederspielwert, recht kurz.
overall score
ist die Durchschnittswertung von Gamereactor. Wie hoch ist eure Wertung? Die Durchschnittwertung aller Gamereactor-Redaktionen wird aus den Wertungen in allen Ländern erhoben, in denen es lokalen Gamereactor-Redaktionen gibt

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