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Mario Tennis Aces

Mario Tennis Aces

Das neue Spiel der Tennis-Liebhaber erstrahlt in bunter Farbpracht und trägt neuerdings einen Bart.

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2018 wirkt wie ein wahrgewordener Traum für Tennis-Liebhaber, denn im Sommer stehen gleich drei vielversprechende Titel auf der Matte. Tennis World Tour erscheint auf allen großen Plattformen, AO International Tennis landet auf PS4 und Xbox One und mit Mario und seinen Freunden aus dem Pilzkönigreich bringt Nintendo ihre eigene spaßige Exklusiv-Umsetzung für den erfolgreichen Hybriden heraus. Mario Tennis Aces ist der neueste Ableger des langlebigen Franchise und eine weitere Umsetzung der interessanten Fantasy-Spiele, die uns mit ihrem unverkennbaren Arcadestil und der bekannten Präsentation verzaubern. Unsere erste Lektion zeigt uns jedoch, dass es sich hier nicht um ein Kindersiel handelt, denn Nintendos neues Sportspiel liegt vom Niveau her nicht allzu weit hinter den sogenannten Simulationen der Konkurrenz.

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Im Abenteuer schalten wir neue Schauplätze für das freie Spiel frei. Die zusätzlichen Charaktere, die wir dort zu sehen bekommen, werden von Nintendo zu einem späteren Zeitpunkt als „freie Downloads" zum Spiel hinzugefügt.

Langzeitfans erhalten den Abenteuermodus zurück, der damals auf dem Game Boy Advance so viele Spieler begeisterte. Mit dem Original hat diese Umsetzung nicht mehr sonderlich viel zu tun, allerdings überzeugt das Resultat auch ohne Nostalgie, was ein Beleg für den Umfang und die Qualität der Inhalte, die in Mario Tennis Aces geboten werden, ist. Der Abenteuermodus bietet eine simple Geschichte und täuscht kaum darüber hinweg, dass sich hier nur ein 30-stufiges Tutorial versteckt. Wir lernen dort die Grundlagen und fortgeschrittene Techniken, die von Experten gemeistert werden wollen. Ich muss zugeben, dass mich die Geschichte nicht einmal am Rande interessierte, weshalb ich schon nach 15 Minuten Textboxen übersprang. Die Gegner bieten eine wachsende Herausforderung und drängen uns schon früh dazu, unterschiedliche Manöver zu meistern, Charakterklassen und Spezialfähigkeiten zu verinnerlichen und unsere Rivalen mit Intelligenz und Genauigkeit in die Knie zu zwingen.

Der Abenteuermodus ist übrigens nicht nur das Tutorial, sondern gleichzeitig der erste Schlag ins Gesicht eines jeden Mario Tennis Aces-Spielers. Ich betone das an dieser Stelle noch einmal in aller Deutlichkeit: Das Spiel ist richtig schwierig und ihr solltet auf diese Herausforderung gefasst sein. Wer den Abenteuermodus durchspielt, befindet sich etwa auf dem Experten-Niveau (was noch immer richtig anstrengend sein kann). Danach folgt das CPU-Level Profi, was mich auch nach 15 Stunden noch ganz anständig vermöbelt, gegen den Rang Ass sehe ich aber noch immer kein Land...

Nachdem wir die Eröffnungssektion in den Waldruinen abgeschlossen haben, steigt die Lernkurve ordentlich an. Wir werden zum Beispiel dazu herausgefordert, uns einen Schlagabtausch von über 300 Ballkontakten mit einem Rivalen zu liefern, der ab und zu Zonen-Schüsse absolviert. Noch spaßiger wird es in der Piratenkarte, wenn mitten in einem nervenaufreibenden Match plötzlich ein Segelmast im Feld auftaucht und unsere Knie mit fiesen Abprall-Bällen auf eine harte Belastungsprobe stellt. Noch einen Schritt schwieriger sind die Bosskämpfe, die uns mit Edelsteinen locken und nur am Rande an das klassische Tennis erinnern. In diesen Szenen müssen wir Bälle zielgerichtet versenken und gleichzeitig gegnerische Attacken blocken oder ihnen gänzlich ausweichen - während die Zeit unaufhörlich runtertickt. Unsere Chancen steigen mit wachsendem Charakterlevel oder neuen Schlägern, aber ein Rollenspiel ist der Abenteuermodus somit nicht mehr. Es liegt irgendwo zwischen dem Erlebnis der GBA-Umsetzung und einem uninspirierten Karrieremodus aus "realistischeren" Tennis-Umsetzungen, bleibt aber zumindest immer spannend und unterhaltsam.

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Die Tennisplätze sind kreativ gestaltet und überzeugen mit vielen Details und tollen Überraschungen.

In puncto Steuerung hat sich nicht sonderlich viel getan, noch immer bleiben Veteranen die traditionellen Eingaben erhalten. Für Neulinge lohnen sich frische Alternativen mit dem Controllstick, die leicht von der Hand gehen und zielsicher dafür sorgen, dass der Ball übers Netz geht. Auf hohem Niveau ist aber nur der Spieler siegreich, der die besseren Angriffe durchbekommt und Spezialmanöver meistert. Diese Techniken zu nutzen ist die eine Sache, etwas anderes ist die richtige Verteidigung. Trick Shots müssen mit dem rechten Stick gekontert werden, die Zeitlupenfunktion solltet ihr nur in gefährlichen Zonenangriffen nutzen, und am Allerwichtigsten ist das Blocken. Jeder Spieler hat eine gewisse Anzahl an Schlägern, die sich mit schlecht ausgeführten Kontern abnutzen und sogar gänzlich zerbrechen können. Wer das Timing nicht richtig verinnerlicht, verliert nicht nur seinen Schläger sondern direkt die gesamte Partie. Auf den obersten beiden Schwierigkeitsgraden ist es deshalb offengestanden etwas überraschend, wie stark sich die Energieleisten der KI-Rivalen erneuern. In Sportspielen ist es nämlich eigentlich nicht gängig, dass sich der Computer hinter zu-perfektem Code verstecken muss.

Viel wichtiger ist aber ohnehin, wie toll dieses System funktioniert und dass sich eine richtige Eigendynamik einstellt. Die spaßige Koop-Erfahrung gewinnt dadurch ein Level an Taktik, dass sonst nur Simulationen für sich beanspruchen. Jeder Punkt wird ein Kampf und das Momentum kann sich ebenfalls jederzeit ändern - genau wie im richtigen Sport. Außerdem möchte ich die Balance der über 20 Charaktere positiv hervorheben, denn im Roster gibt es keinen klaren Favoriten. Rosalina und der Kettenhund wirkten in der Beta noch übermäßig stark, doch Nintendo hat das Problem mittlerweile in den Griff bekommen. Sicherlich wird das Entwicklerteam auch in Zukunft noch daran arbeiten, dass niemand unfaire Vorteile erhält.

Camelot hat eine hervorragende Mischung aus Fantasie und Realismus hinbekommen. Die Präsentation ist kunterbunt und ebenso lebendig, wie es die Serie seit jeher ist. Gleichzeitig überzeigen Figurenmodelle, Animationen und Schauplätze mit großer Varianz und Detailreichtum. Bei den Umgebungen überraschen uns Sandgötter, verfluchte Villen und Regenwälder mit mutierten Piranha-Pflanzen, während wir in den verschneiten Bergen auf Lavaflüsse achten müssen. Dadurch ergeben sich viel mehr spannende Tennisfelder, als ihr es euch werdet vorstellen können. Gleichzeitig wirkt das Chaos nie übertrieben oder unsauber und zudem unterscheidet es sich optisch durch einen härteren Zeichenstil. Lobenswert ist auch, dass die Bildrate trotz all dieser Dinge nie unter 60 Frames sinkt, weder im Handheld-, noch TV-Modus.

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Selbst wenn sich der Bildschirm im lokalen Koop-Spiel in zwei Hälften teilt, verschwindet im Sichtfeld keines der wichtigen Details.

Der Turniermodus ist ein bisschen enttäuschender, zumindest wenn ich hier nichts verpasst haben sollte. Es gibt nur drei Pokale (Der Pilz-Cup auf dem Grasfeld, der Blumen-Cup im Sand und den Star-Cup auf dem trockenen Platz) mit fixen Schwierigkeitsgraden und es fehlt jeglicher Fortschritt oder eine sonstige Belohnung. Der große Spaß wartet für Einzelspieler folglich in den im Schwierigkeitsgrad steigenden Matches des Freien Spiels. Seit den Game-Boy-Zeiten wird Mario Tennis aber natürlich vor allem für seine Mehrspieler-Erfahrung gefeiert und auch in diesem Bereich glänzt Mario Tennis Aces. Das Spiel ist ein großer Spaß für zwei bis vier Spieler und selbst wenn sich der Bildschirm in zwei Hälften teilt, bleibt das Sichtfeld noch immer groß genug, um alle wichtigen Details auszumachen. In der Mehrspielerdemo konnten wir bereits gute Eindrücke davon gewinnen, auch die Struktur der Online-Turniere hat mich bisher begeistern können. Für unsere Kritik konnten wir jedoch nicht auf die Nintendo-Server zugreifen und werden diesen Bereich entsprechend anpassen, sobald wir das alles ausgiebig testen konnten.

Zuletzt möchte ich noch den Swing-Modus der Switch-Controller erwähnen, für uns ist das nämlich ein kleiner Hingucker von Mario Tennis Aces. Die traditionelle Steuerung beinhaltet bereits die volle Kontrolle über Spezialmanöver, doch mit der Bewegungssteuerung gibt es ein direkteres, realistisches Feedback. Diese simple Alternative nimmt sich die Essenz von Wii Sports und passt sich den gewählten Charakteren, Klassen und sogar den Spielumgebungen an, um uns eine gut funktionierende Steuerungsmethode zu bescheren. Bis zu fünf Arten von Schlägen werden mit den Joy-Cons erkannt, einfaches Schütteln der Controller funktioniert nicht länger (wie noch mit der Wii-Fernbedienung). Das System erfordert etwas Eingewöhnung, doch der Effekt kann überaus belohnend sein. Insgesamt versteckt sich im Swing-Steuerungsmodus eine großartige Neuerung, vor allem wenn die Familie vorbeikommt oder Freunde Zeit für ein Partyspiel haben.

Da die letzten beiden Spiele des Mario Tennis-Franchise schwach waren, erhielt Mario Tennis Aces bislang nicht sonderlich viel Aufmerksamkeit, doch der Titel hat genau das verdient. Mario Tennis Aces spricht nicht nur Gelegenheitsspieler auf der Suche nach einer spaßigen Arcade-Erfahrung im Sinne von Wii Sports an, das Spiel fordert gleichzeitig Hardcore-Spieler mit der Sehnsucht nach einer ordentlichen Tracht virtueller Prügel heraus. Der Sporttitel ist schwierig, verlangt seinen Spielern einiges ab und belohnt Tennisfans für ihre Kenntnis des Sports. Mit seinen Inhalten, dem frischen Abenteuer-Tutorial und der technischen Verfassung sichert sich Nintendo auf der Switch den Matchball.

08 Gamereactor Deutschland
8 / 10
+
Perfekte Kombination von Fantasie und "Arcade-Simulation"; schöner Look; solide Erfahrung frei von technischen Mängeln; unterhaltsamer Abenteuermodus.
-
Schwache Wettbewerbsoptionen; höhere Schwierigkeitsgrade fühlen sich teils unfair an.
overall score
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