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Need for Speed: The Run

Need for Speed: The Run

Die Need for Speed-Serie hat sich nie wirklich festgelegt. Wilde Verfolgungsjagden mit den Cops, Open-World oder Rennsimulation - im Laufe der knapp zwanzig unter dem Namen erschienenen Spiele war fast alles vertreten. Der neuste Zugang Need for Speed: The Run orientiert sich in erster Linie am Over-Top-Action-Kino eines Michael Bay. Da fehlt eigentlich nur noch, dass sich die Autos in riesige Roboter verwandeln können.

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Meine ersten Erfahrungen mit Need for Speed hätten mich Mitte der Neunziger Jahre fast einen 3DO kaufen lassen. Super Grafik, schnelle Rennen im Gegenverkehr und keine öden Runden drehen, sondern schöne Strecken entlang rasen und das alles präsentiert von einem cheesy Sprecher. Darauf besinnt sich auch Need for Speed: The Run, allerdings leider auch im Bezug auf das cheesy sein. Nächstes mal dann einfach gleich mit Shia LaBeouf.

Wir spielen als Jack und haben mächtig Schwierigkeiten. Der Mob will uns zusammen mit unserem schicken Porsche zu einem kleinen handlichen Würfel pressen. Die einzige Chance, die Probleme aus der Welt zu schaffen, ist der Sieg eines illegalen Autorennens von der Westküste rüber zur Ostküste.

Zweihundert Fahrer müssen dazu geschlagen werden, während uns die Cops und die Mafia im Nacken hängen. Insgesamt bietet Need for Speed: The Run Fahrstrecke für gut zwei Stunden, denn das ist die reine Fahrzeit, die man im Spiel von San Francisco bis nach New York braucht. Die Strecken sind wunderschön in Szene gesetzt. Es geht durch die Wüste Nevadas, die verschneiten Berge der Rockys, jede Menge Freeways, durch Wälder im Indian Summer und Städte wie Las Vegas oder Chicago. Die Atmosphäre der Rennstrecken ist fantastisch, insbesondere die vereisten Pisten der Bergpässe oder die ländlichen Gebiete South Dakotas kurz vor einem Sturm, in denen man förmlich die Luftfeuchtigkeit spürt.

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Wir müssen uns auf der der Reise nach New York von Platz 200 bis an die Spitze kämpfen.

Doch an all diesen Sehenswürdigkeiten fliegen wir förmlich vorbei, denn das hier ist schließlich Need for Speed und die Renngeschwindigkeit ist halsbrecherisch. Das Gefühl für Tempo ist perfekt umgesetzt, wenn wir etwa auf fast geraden Wüstenstrecken die Piste entlang preschen und selbst kleine Fahrkorrekturen schnell für einen Abflug in die Kakteen sorgen.

Die Rennabschnitte bieten unterschiedliche Aufgaben. Mal müssen wir während der nächsten Meilen eine bestimme Anzahl Gegner überholen oder wir fahren einen Abschnitt gegen die Uhr, um Zeit gutzumachen. Manchmal müssen Gegner innerhalb eines Zeitlimits überholt werden oder wir treffen auf besondere Fahrer, die es zu schlagen gilt und deren Karre wir danach in unserem Fuhrpark wiederfinden. Diese Fahrer werden uns allerdings nur in öden, statischen Ladebildschirmen vorgestellt. Sie passen damit so gar nicht zur gewollt cineastischen Präsentation des Spiels, das uns immer mal fragwürdige Quicktime-Events aufdrängt und zwar Michael Bay-Style. Das kommt aber nicht allzu häufig vor und kann auch unter interaktiver Cutscene abgehakt werden, in denen aber leider auch die originale Sprachausgabe oft überhaupt nicht synchron zu der jeweiligen Szene läuft.

Aber leider unterstützen diese Szenen nur das Gefühl, dass bei Need for Speed: The Run zu viel gescripted ist. Bei den Zwischensequenzen ist das ok, aber die Straßensperren der Cops tauchen immer an exakt denselben Stellen auf und geben einem nicht gerade das Gefühl, auf das eigene Fahrverhalten zu reagieren. In den Action-Rennszenen ist das ähnlich. So sieht es bei der Lawinensprengung in den Rockys noch gut aus, aber in einer ähnlichen Hubschrauberverfolgungs-Szene knicken Stahlträger immer wieder gleich ab und stürzen uns in den Weg. Da sollte man meinen, die mächtige Frostbite-Engine könnte mehr, denn so erinnert das an schlechte Fahrsequenzen in einem miesen James Bond Lizenzspiel.

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Die Quicktime-Events sind stumpfsinnig, aber auch selten. Press A to run.

Aber das sind nur Probleme der Kampagne, denn nachdem das große Rennen gewonnen ist, stehen alle Streckenabschnitte natürlich mit Challenges zur Verfügung und warten auf die Jagd nach Bestzeiten. Dafür gibt's natürlich die tolle Autolog-Unterstützung, die bei Need for Speed: Hot Pursuit eingeführt wurde. Nichts wird einen mehr zu Höchstleistungen auf der Strecke motivieren, als der ewige Hinweis auf Streckenabschnitte, in denen einen Freunde geschlagen haben und die erst bei der passenden Antwort wieder verschwinden.

Natürlich gibt es das Autolog-Feature auch für das gesamte Rennen, das ist dort aber fragwürdig, da es sowohl unterschiedliche Schwierigkeitsgrade als auch die Funktion der Retrys gibt. Pro Abschnitt stehen bis zu vier dieser Neuversuche zur Verfügung und setzen einen bei Bedarf zum letzten Checkpoint zurück. Das ist auch bitter nötig, denn mit Hilfe von Leitplanken kommt man in Need for Speed: The Run durch keine Kurve. In den Bergpässen ist das noch verständlich, wenn die Karre aus der Kurve fliegt und über die Klippen stürzt. Aber in den flachen Etappen reicht ein kleiner Ausflug abseits der Strecke aus, um zurückgesetzt zu werden. Das hätte auch mit Strafzeiten gelöst werden können, aber das lässt ein anderes Problem von Need for Speed: The Run nicht zu: das Rubber-Banding ist eine echte Plage.

An unsichtbaren Gummizügen holen längst deklassierte Fahrer automatisch wieder auf. Bei einem Rennen hatte ich meinen Gegner schon mit knapp fünfzehn Sekunden abgehängt und durfte auf gerader Strecke bei Höchstgeschwindigkeit inklusive Boost zusehen, wie mein Vorsprung innerhalb einer Sekunde auf Null schrumpfte. So werden die Rennen künstlich spannend gehalten, jedenfalls für die schlechten Fahrer. Natürlich will niemand ständig hoffnungslos hinter dem Feld herfahren. Aber man wird das Gefühl nicht los, um seinen Sieg betrogen zu werden, wenn es die beste Strategie bleibt, sich einen vollen Boost für die letzte Meile des Rennens aufzusparen, um erst dort den letzten Gegner zu überholen. Durch diese Spielmechanik sind dann auch die Höchstleistungen nicht mehr vergleichbar, mal abgesehen davon, dass die vollen Boost-Funktionen auch erst ab einem bestimmen Fahrerlevel zur Verfügung stehen.

Die begrenzten Retrys erfühlen auch noch einen anderen Zweck. Sie sorgen nicht nur dafür das wir nicht bei jedem Fehler den gesamten Streckenabschnitt wiederholen müssen, sondern bewahren uns auch vor den Ladebildschirmen, die uns verdammt viel Zeit dafür lassen, über gerade gemachte Fehler nachzudenken. Aber das ist vielleicht der Preis dafür, um danach mit wunderschönen und einzigartigen Etappen belohnt zu werden.

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An Tankstellen können wir unsere Karren wechseln.

Bleibt noch die Mehrspielervariante, die gegenüber Need for Speed: Hot Pursuit ein paar kleine Neuerungen aufweisst. Man darf jederzeit am Ende des Fahrerfeldes in noch nicht beendete Rennen einsteigen, was zwar kaum Chancen auf den Sieg bietet, aber die Wartezeit versüßt und immerhin Erfahrungspunkte bringt. Und es dürfen Fahrergruppen gebildet werden, die es erleichtern, im Rennen mit seinen Freunden zusammen zu bleiben.

Es werden Rennen in den unterschiedlichen Fahrzeugklassen gefahren und der Preis für den ersten Platz wird jeweils vorher mit einer Art Glücksrad ausgelost. So erhält man mal einen neuen Flitzer oder bekommt einen ordentlichen Boost an Erfahrungspunkten. Leider stehen nur klassische Rennen zur Verfügung, denn die Cop gegen Racer Gadget-Rennen aus Hot Pursuit tauchen in Need for Speed: The Run nicht wieder auf.

Trotz seiner Schwächen ist Need for Speed: The Run ein tolles Arcade-Rennspiel mit wahnsinniger Geschwindigkeit in kostspieligen Karren auf wirklich wunderschönen Rennstrecken. Aber es wäre schön, wenn sich mal das Beste aus allen Need for Speed Spielen in einem großen Wurf vereinigen könnte. Also Cockpit-Kamera mit kleinem Simulationsanspruch, aber auch die taktischen Rennen eines Need for Speed: Hot Pursuit verbunden mit den tollen Strecken von Need for Speed: The Run. Wenn Need for Speed weiter so regelmäßig in unterschiedlichen Neuauflagen erscheint, dürfte das Franchise eher früher als später gegen die Wand fahren.

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08 Gamereactor Deutschland
8 / 10
+
Wahnsinnige Geschwindigkeiten auf wunderschönen Strecken, tolles Fahrgefühl
-
sehr lange Ladezeiten, Rubber-banding und fehlender Cops gegen Racer Modus, Sprachausgabe oft nicht synchron.
overall score
ist die Durchschnittswertung von Gamereactor. Wie hoch ist eure Wertung? Die Durchschnittwertung aller Gamereactor-Redaktionen wird aus den Wertungen in allen Ländern erhoben, in denen es lokalen Gamereactor-Redaktionen gibt

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Ein tolles Arcade-Rennspiel mit Schwächen, wahnsinniger Geschwindigkeit in kostspieligen Karren auf wunderschönen Rennstrecken.



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