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Operation Flashpoint: Dragon Rising

Operation Flashpoint: Dragon Rising

Codemasters haben den Auftrag angenommen, den Kriegssimulator Operation Flashpoint von Bohemia Interactives weiterzuentwickeln. Die Frage ist, ob sie genauso erfolgreich sind wie das tschechische Ursprungsteam?

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Im Jahr 2001 veröffentlichte Bohemia Interactives, ein mehr oder weniger unbekanntes Team aus Tschechien, nach gefühlt ewiger Wartezeit eine Kriegssimulation namens Operation Flashpoint. Es war kein dem Mainstream angepasstes Actionspiel, in dem wir die Rolle des perfekten Soldaten mit magischem, sich selbst heilendem Fleisch und übermenschlicher Trefferquote einnehmen. In Operation Flashpoint spielten wir einen ganz normalen Soldaten. Der Realismus war offenkundig. Es war eine richtige Herausforderung, die Gegner im offenen Terrain oder mitten zwischen der sporadischen Bebauung zu treffen. Und dabei nicht selbst innerhalb von fünf Minuten draufzugehen, war auch eine Herausforderung, die ihren Namen verdient. Trotz einer Menge Bugs und Problemen war Operation Flashpoint ein äußerst gut gemachtes Spiel mit viel Tiefe und Möglichkeiten.

Damals veröffentlichte Codemasters das Spiel, aber ein paar Jahre und Expansionen später gingen die zwei Parteien getrennte Wege. Codemasters behielt die Rechte am Operation Flashpoint-Namen, während Bohemia Armed Assault entwickelte, das inzwischen unter dem Namen ArmA läuft. Damals wie heute legt Bohemia den Fokus darauf, tiefgehende, realistische Kriegsspiele zu liefern, die aber immer noch voller Bugs sind. Die ArmA-Spiele haben eine sehr treue Fangemeinde, die die realitätsgetreue Konzipierung der Spiele liebt.

Die Skepsis in Bezug auf Codemasters internes Projekt Operation Flashpoint: Dragon Rising war sowohl bei den Fans als auch bei der Fachpresse sehr groß. Auch wenn wir alle mit hübschen Bildern und wunderschönen Videos mit deftiger Kriegsaction angefüttert wurden, waren doch alle irgendwie stets ganz und gar darauf eingestellt, dass Operation Flashpoint: Dragon Rising ein Operation Flashpoint: Let's be Ghost Recon 2 werden würde. Nichts gegen Ghost Recon 2, ganz im Gegenteil, ich liebe fast alle Spiele der Ghost Recon-Serie. Aber das Konzept und die Realisierung ist so völlig anders als in Operation Flashpoint. Ich hatte Angst, dass Codemasters die ganze Flashpoint-Herrlichkeit einfach kaputt machen würden.

Doch bereits beim ersten Durchgang in Operation Flashpoint: Dragon Rising auf der Xbox 360 lösten sich alle Befürchtungen, dass Codemasters das Erbe von Bohemia zerstören würde, in Luft auf. Genau wie früher ist es ein ehrliches Kriegsspiel, in dem auf offenem Gelände stets Gefahr lauert. Als harter Marine-Befehlshaber haben wir das Kommando über einen kleinen Soldatentrupp und der Auftrag ist es, die anderen Truppen bei Offensiven zu unterstützen, Sabotagen und Rettungsmanöver durchzuführen und ganz einfach als eine Einheit an einem größeren Krieg teilzunehmen.

Dieses Mal geht es um die Wurzel allen Übels, Geld. Auf der Insel Skira gibt es reichhaltige Bodenschätze und schon lange Zeit liefern sich Russland und China Auseinandersetzungen darüber, wer denn nun eigentlich der rechtmäßige Eigentümer des Eilands ist. Nun ist das Ganze so weit gediehen, dass China kurz vor einer Invasion des russischen Festlandes steht. Und Russland ruft die USA zur Hilfe. Eine Gruppe netter Marinesoldaten soll das Gepäck schnüren und sich nach Skira begeben, um Russland zu unterstützen, während es selbst seine eigenen Positionen auf dem Festland festigt. Ein ordentlicher Krieg braut sich zusammen und als Soldat auf Skira ist das Leben kein Zuckerschlecken.

Jeder Auftrag wird damit eingeleitet, dass wir eine Übersichtskarte des Auftragsgebiets bekommen sowie eine schriftliche Zusammenfassung darüber, worauf der Auftrag hinausläuft und wieso er auszuführen ist. Nach ziemlich langer Ladezeit geht es raus aufs Feld, wo die Anweisungen per Funk reinkommen. Zur Navigation steht ein Kompass zur Verfügung. Auf ihm sehen wir auch rote Dreiecke, die den Gegner repräsentieren. In Abhängigkeit davon, wie stark sie leuchten, ist der Abstand zwischen uns und dem Feind mal größer und mal geringer. Auf dem Weg zu verschiedenen Orten gibt es ein Flaggensymbol, das den nächsten Punkt markiert, zu dem es geht. Wie das passiert, bleibt ganz und gar uns überlassen.

Diese supereinfache und reibungslose Art zu navigieren wird durch eine große Übersichtskarte ergänzt. Sie zeigt das gesamte Terrain und ob irgendetwas von Interesse gemeldet wurde. Von dieser Übersichtskarte aus lasssen sich bei Bedarf auch die Soldaten kommandieren. Wer die Fußsoldaten lieber in der "wirklichen" Welt herumkommandieren will, hat auch keine Probleme. Ein Knopfdruck aktiviert das kreisförmige Befehlsmenü. Die vier verschiedenen Richtungen erlauben es, taktische Befehle zu geben: Bewegung, Angriff, Deckung und andere spaßige Sachen. Je nachdem was ausgewählt wird, erscheinen noch weitere, bessere und tiefer gehendere Wahlmöglichkeiten.

Wie erwartet, taucht der eine oder andere Typ in Uniform auf der uns stoppen will, natürlich mittels großer Mengen an Waffen und Geschossen. Natürlichen Schutz bieten Steine, Hügel, Birken, halb abgerissene Zäune und noch vieles mehr, das in der Spielwelt verteilt ist. Dazu noch große Mengen an Häusern, Brettern, Fahrzeugen und Schutzwällen aus Sandsäcken - so dass es fast nie an Möglichkeiten mangelt, in relativer Sicherheit versteckt zu liegen. Denn wenn die Kugeln anfangen zu zischen, dann gilt es die Nerven zu behalten. Die Leuchtgeschosse pfeifen einem um die Ohren und die Gedanken wandern nicht ganz ohne Grund zu jener Filmszene aus Black Hawk Down, in der Ewan McGregor erklärt bekommt, wie sich echter Beschuss anhört.

Während der Feuergefechte herrscht natürlich reines Chaos. Die Kugeln zischen um einen herum, Geschosse, die im Boden oder in der Umgebung einschlagen, wirbeln uns Erde und Splitter in die Augen. Häufig müssen wir Schutz suchen, um die Sicht wiederzuerlangen, bevor es wieder ins Gefecht geht. In Deckung zu liegen und zu ballern führt jedoch zu sehr wenig. Entweder müssen wir unsere Kollegen um Deckungsfeuer bitten, während wir den Feind flankieren. Oder eben umgekehrt. Angsthasen bestellen sich derweil ein wenig schweres Artilleriefeuer, um das Feindproblem aus der Ferne zu lösen.

Zu große Vorsicht führt allerdings meist zu nichts, denn auch der Gegner hat Granaten, Raketenwerfer und andere fiese Dinge zu seiner Verfügung. Deswegen gilt es häufig genug, den eigenen Hintern zu bewegen, um diesen nicht kaputt gesprengt zu bekommen. Operation Flashpoint: Dragon Rising ist streckenweise ein mühsames Spiel, das Aufmerksamkeit und Genauigkeit einfordert. Wird die nicht geliefert, geht es meist richtig übel aus. Wenn das eigene Team zur Hilfe kommen soll, tut man sein Bestes daran, erst sämtliche Gegner zu eliminieren. Denn wer eine problematische Situation nur halbherzig löst, riskiert dafür später teuer und ausgiebig zu bezahlen - vor allem bei vertrackten, festgefahrenen Situationen.

Eine Sache, die ständig auffällt, ist die fast immer perfekte Spielkontrolle. Nur selten hindert uns etwa die Steuerung daran, genau das zu tun, was wir wollen. Es könnte etwas schneller gehen, das Menü für die Ausrüstungen parat zu haben, aber schließlich geht es hier ja mehr oder weniger um einen Kriegssimulator. Das bedeutet, dass das Nachladen oder Tauschen von Waffen - vor allem wenn es sich um Raketenwerfer oder ähnliches handelt - ganz schön lange dauern kann. Die Waffen fühlen und hören sich immer authentisch an und eine gewisse Schwere der Ausrüstung ist spürbar. Ohne je selbst einen Karabiner oder Raketenwerfer abgefeuert zu haben, fühlen sie sich immer glaubwürdig und wirklichkeitsgetreu an. Meilenweit entfernt von Hollywood-Glätte und flashigen Ladeeffekten.

Operation Flashpoint: Dragon Rising bietet eine riesige Menge an Waffen, die Abwechslung ist groß: Karabiner, Heckenschützengewehre, Raketenwerfer, Granaten, Pistolen, auf Stative montierte Maschinengewehre und vieles mehr. Der Sound und die Grafik liefern ordentlich ab. Die meisten Stimmen, Waffengeräusche, das Fahrzeugdröhnen und alles andere klingen stets klar und deutlich. Die Waffen hören sich schwer und gefährlich an. Die Explosionen werden mit ordentlicher Tiefe geliefert und manchmal ist es im Brustkorb spürbar, wenn etwas Massives in die Luft geht. Genau wie erwartet gibt es manchmal eine Verzögerung, bis das Geräusch den Spieler erreicht. Allein dieses realistische Verhalten des Schalls ist ein weiterer Punkt, der Operation Flashpoint: Dragon Rising so extrem glaubwürdig macht.

Grafisch ist das Spiel vielleicht nicht so hübsch wie viele andere Kollegen aus dem Genre, aber Operation Flashpoint: Dragon Rising bietet auch eine ganz andere Fläche, auf der man sich bewegt. Ganz allgemein sieht es gut aus. Die Gegner könnten manchmal etwas besser animiert sein, aber weil man sie meistens durch ein Fernglas oder Zielfernrohr sieht, stört das nicht wirklich. Die Gebäude im Spiel sind nicht besonders beeindruckend, sie sind meist sehr einfach und langweilig. Stattdessen imponieren die Umgebungen aber ungemein: Gebüsche, Bäume, offene Felder und eine Menge frischer Luft.

Je weiter der Tag fortschreitet, desto mehr verändert sich auch das Licht. Wer einen Auftrag im Schutze der Nacht beginnt, wird bald von den warmen Sonnenstrahlen der Morgendämmerung umgeben. Es ist Codemasters gelungen, das Licht auf eine vorbildliche Art und Weise einzusetzen. Auch die Rauchverwendung ist einer der gelungeneren Teile. Toll, wenn sich große, dicke Rauchpfeiler an jenen Stellen vor dem Himmel auftürmen, die für den Spieler von Interesse sein könnten.

Aber nicht alles an Operation Flashpoint: Dragon Rising ist gut. Es gibt mehrere Störfaktoren. Zum einen ist die Fahrzeugphysik der normalen Jeeps und Humvees sehr schwammig, manchmal fühlt man sich an die Mondlandung erinnert. Wer falsch auf einen Stein oder etwas anderes fährt, wird gerne mal in die Luft geschleudert (es gab Situationen, in denen es fast zu einem Rückwärtssalto kam). Eine andere Sache, die fast immer dann passiert, wenn ein Fahrzeug verlassen wird, ist, dass die Waffe für ein paar Sekunden verschwindet. Ein paar Mal bin ich mit meinen Mitsoldaten in einem Jeep herumgebrettert, und als wir dann alle schnell und munter herausgesprungen sind, waren die Waffe oder das Visier erst nach einigen Sekunden wieder sichtbar.

Ein kein großer Fehler der aber das Spielgefühl negativ beeinträchtigt, ist die Tatsache, dass es sich doch manchmal arg schwülstig und zusammengebastelt anhört, wenn die Soldaten berichten, was sie sehen - etwa in welchem Abstand sich das Ziel befindet und in welcher Richtung es liegt. Die Ladezeiten sind etwas zu lang, was vor dem Hintergrund der Größe des zur Verfügung stehenden Schlachtfeldes aber akzeptabel ist. Manchmal wartet in einer Sicherungszone ziemlich heftiger Beschuss, dann wird es etwas schräg und die Sicht verschwindet für einige Sekunden. Wer dann stirbt, wird mit langer Ladezeit bestraft.

Die Intelligenz der Gegner ist nicht immer ganz auf der Höhe und auch wenn sie in neunundneunzig von hundert Fällen hart dafür arbeiten, dass man sie nicht so einfach mit Blei füllt, kam es zu Situationen, in denen sie unbeweglich hinter einer Mauer stehen und den Kopf rausstecken. Ein Schuss auf den lethargischen Feind und die Sache ist erledigt. Auch ein bisschen nervig ist, dass die Feinde auf Abstand ein bisschen zu viele Treffer vertragen. Auf normalem Schwierigkeitsgrad wird ein Treffer durch ein weißes Kreuz symbolisiert, das vom Fadenkreuz ausstrahlt. Ein tödlicher Treffer äußert sich in einem roten Kreuz.

Manchmal wird der Gegner vier oder fünf Mal getroffen und steht immer noch. Es kommt natürlich darauf an, wo und wie man trifft, aber es fühlt es sich einfach nicht wirklichkeitsgetreu an, dass man mit einem automatischen Gewehr den Gegner durchlöchern kann, ohne dass er hinfällt oder Probleme bekommt sich zu bewegen. Außerdem ist es verdammt schwer, den Feind mit einem einzigen Schuss zu treffen. Fast immer ist in Actionspielen der Einzelschussmodus einer Waffen sonst die beste Wahl.

Operation Flashpoint: Dragon Rising ist es mit Einzelschuss dagegen viel schwerer, den Gegner zu töten und es werden schnell Schüsse vergeudet statt gespart. Was natürlich sehr zum Realismus beiträgt - ein Ziel in hundert Meter Entfernung zu treffen ist nicht einfach. Deswegen ist Nachdenken angesagt, bevor der noch arglose Feind beschossen wird. Meistens ist es schlauer zu versuchen, näher heran zu kommen und dann zu flankieren, Granaten zu werfen oder das Ganze auf eine andere Art zu lösen.

Operation Flashpoint: Dragon Rising ist ein richtig, richtig gutes Spiel - leider leidet es unter kleineren Problemen und einigen unnötigen Bugs. Das Resultat ist trotzdem beeindruckend und ich freue mich persönlich sehr darüber. Ein solides, unterhaltsames und qualitativ hochwertiges Kriegsspiel mit guter Grafik und vielen Möglichkeiten. Aber leider eben nicht ohne gewisse Probleme oder Schwächen.

Operation Flashpoint: Dragon Rising
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08 Gamereactor Deutschland
8 / 10
+
Souveränes Spielgefühl, viel Inhalt, frei, dynamisch, tolle Naturumgebungen
-
Kleine Bugs, schwache Fahrzeugphysik, teilweise dumme Feinde
overall score
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