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Kritiken
Ori and the Will of the Wisps

Ori and the Will of the Wisps

Moon Studios tritt mit ihrem neuen Spiel ein schweres Erbe an, denn es ist nicht leicht, aus den Schatten von Ori and the Blind Forest hervorzutreten.

In eigener Sache: Diese Kritik wurde verfasst, noch ehe der Day-1-Patch zur Verfügung gestellt wurde. Wir haben uns jedoch dazu entschlossen, Aleksandras Kritik beizubehalten, da die technischen Probleme, auf die sie beim Spielen stieß, nicht schwerwiegend genug waren, um die Abschlussnote am Ende dieser Review zu beeinträchtigen. Wir hoffen sehr, dass ihr eine reibungslosere Spielerfahrung genießt.

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Im Großen und Ganzen gibt es zwei Sorten von Fortsetzungen: Auf der einen Seite wären da Spiele, wie die Mass-Effect-Trilogie, die von Anfang an als solche geplant waren und deren Skripte sich über tausende Seiten erstrecken. Auf der anderen finden wir Projekte, wie The Last of Us, Final Fantasy X oder Life is Strange, die nicht zuletzt wegen ihres Erfolges einen Nachfolger bekommen. Es liegt ja auf der Hand, an den Erfolg vergangener Tage anknüpfen zu wollen, aber es kann auch schwierig sein, ein bereits abgeschlossenes Kapitel fortzusetzen. Denn selbst wenn das Ende einige Dinge offengelassen hat, sollte ein Produkt auch immer für sich stehen können.

Ihr ahnt sicher schon, in welche Kategorie Ori and the Will of the Wisps fällt. Das erste Spiel war wunderschön und erstaunlich fordernd. Alleine durch das Gameplay hat es uns die Geschichte eines kleinen Waldgeists und dessen Kampf gegen die grausame Natur erzählt. Ori musste der fiesen Eule Kuro entkommen und das Leben im Wald wiederherstellen. Die kleine, schneeweiße Kreatur rettete dabei nicht nur die sterbende Heimat, sondern das gesamte Metroidvania-Genre gleich mit. Dieser Erfolg hat eine Welle neuer Spiele inspiriert, darunter auch das großartige Hollow Knight.

Jetzt, fünf Jahre später, bekommen wir eine ordentliche Fortsetzung und so wie sich einst Hollow Knight von Ori and the Blind Forest inspirieren ließ, hat sich nun Oris neues Abenteuer etwas bei Hollow Knight abgeschaut. Es ist interessant zu sehen, wie sich beide Titel gegenseitig anstacheln, nur reicht das leider nicht, um den gleichen Eindruck zu hinterlassen. Man kann den Erfolg des Originals nicht so einfach wiederholen, wenn man nur etwas kopiert, das anderen gut gelungen ist. Über Ori and the Will of the Wisps liegt deshalb der Schatten des Vorgängers; ein Schatten dem der Titel nicht entkommen kann, auch wenn es sich größte Mühe gibt.

Ori and the Will of the WispsOri and the Will of the Wisps
Auf der Konsole war Ori and the Will of the Wisps vor der Installation des Day-1-Patches eine technische Katastrophe.

Zuerst dachten wir, dass Moon Studios einen Nachfolger im Sinne von Biowares Mass-Effect-Reihe entwickeln wollte - man baut auf dem soliden Fundament auf und schafft daraus etwas völlig Eigenes. Nach der ersten Stunde zeigt Ori and the Will of the Wisps seine veränderte Formel und die wirkt - genau wie bei Hollow Knight - wesentlich ausgearbeiteter. Der durch spielerische Fortschritte vorangetriebene Plot des Originals weicht einer Story, die durch ausgedehnte Zwischensequenzen erzählt wird. Es wirkt zuerst wie ein RPG, denn Ori interagiert mit NPCs und lässt sich von ihnen neue Aufgaben geben. Dazu kommen Herausforderungen, ein Modus gegen die Stoppuhr und eine ganze Reihe neuer Aktivitäten.

Wir dürfen neue bzw. verbesserte Fähigkeiten kaufen und sogar ein eigenes Lager aufbauen. Im Gegensatz zum Vorgänger gibt es jetzt eine Autosave-Funktion, aber lasst euch davon nicht in Sicherheit wiegen, denn Ori and the Will of the Wisp ist schwerer, als sein Vorgänger. Schon der erste Boss braucht auf dem normalen Schwierigkeitsgrad einige Anläufe und viel Geduld. Die neuen Features scheinen genug für ein zufriedenstellendes Sequel zu bieten und trotzdem ist es irgendwie das gleiche, alte Ori. Wenn ihr direkt davor das erste Ori gespielt habt, werdet ihr vermutlich schnell ausgebrannt sein.

Auch den ersten Blick scheint Ori and the Will of the Wisps eine leichtherzigere Atmosphäre zu haben, aber der Eindruck täuscht ebenfalls. Wir werden von einer langen Sequenz begrüßt, die das alltägliche Leben von Ori und seinen Freunden aus dem ersten Spiel zeigt: Gumo, Naru und die kleine Eule Ku. Die Ereignisse des Vorgängers haben jedoch Konsequenzen: Mit ihren unproportionalen Flügeln kann Ku nicht fliegen und ihre Adoptivfamilie sucht nach einer Lösung. Nach Tagen, Wochen und Monaten erleben wir einen berührenden Moment der Freude, die Ku den ersten echten Flug ermöglichen. Dieser Vorfall endet natürlich nicht wie geplant und unsere Freunde werden getrennt und müssen weit entfernt von Zuhause einen Weg zurück in die Heimat finden.

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Als sie tiefer in den Wald vordringen zeigt sich, dass dieses Land, genau wie Oris Heimat Nibel, von einer mysteriösen Kraft geplagt wird. Was ich nicht erwartet habe ist, dass mich Ori mit seiner Musik und Optik enttäuschen würde. Will of the Wisp wirkt allerdings weniger lebendig und abwechslungsreich, als sein Vorgänger. Die meisten Orte gehen ineinander über, es gibt kaum ein erinnerungswürdiges Gebiet - nur wenige Ausnahmen, wie Mouldwood und die Luma Pools. Wenn das Level-Design nicht so exemplarisch, könnte man sich hier schnell verirren.

Das kann letztlich aber nicht die Tatsache verschleiern, dass viele Elemente schlicht aus Blind Forest kopiert wurden. In Niwen treffen wir die gleichen, bekannten Gegner, schalten Fähigkeiten frei, die wir schon tausendmal benutzt haben, vermeiden die spitzen Stacheln und Dornen und hüten uns vor den gleichen vergifteten Seen und Flüssen - wohlwissend, dass wir diese Unterwassergebiete später erkunden werden, nachdem wir das Wasser gereinigt haben. Will of the Wisps hat einige Innovationen zu bieten, etwa die RPG-Elemente, die den spielerischen Horizont erweitern und dem Ganzen einen neuen Stil verpassen. Leider fühlt sich das Abenteuer trotzdem in weiten Teilen so an, als hätten die Moon Studios nicht das volle Potential ausgeschöpft.

Ori ist aber nach wie vor ein höllisch forderndes und tolles Spiel. Neben einer Reihe alter Fähigkeiten gibt es eine Menge neuer Überraschungen. Die kleinen Kristalle, die wir während des Spielens einsammeln, bauen unsere Fähigkeiten weiter aus. Aktive Talente finden sich in einem Ringmenü (drei Skills legen wir als Shortcut fest), während die passiven Fertigkeiten an speziellen Plätzen in unserem Inventar abgelegt werden. Das lässt uns die Spielerfahrung stärker anpassen und die Begegnungen mit den Gegnern wirken weniger passiv.

Ori and the Will of the WispsOri and the Will of the Wisps
Es gibt viele Parallelen zu Hollow Knight, denn Moon Studios haben sich einiges von Team Cherry abgeschaut.

Die NPCs bauen die Hintergrundgeschichte aus und sind extrem niedlich, auch wenn sie oft nur eine Ansammlung von Popkultur-Archetypen sind. Jede Rasse geht unterschiedlich mit Ori um und alle führen sie einen anderen Lebensstil. Was diese Völker alle miteinander verbindet, ist diese fiese Krankheit, die das Land plagt. Gutmütig wie eben Ori ist hilft er so gut er kann dabei, diesem Chaos Einhalt zu gebieten. Er bringt den Bewohnern wichtige Gegenstände, findet Vermisste, baut ein Dorf wieder auf oder sät an abgelegenen Orten gefundene Pflanzensamen.

Ori and the Will of the Wisps leidet allerdings auch unter dem Skyrim-Syndrom: In den Nebenquests finden wir mitunter so komplexe Geschichten und unerwartete Sendungen vor, dass die Hauptgeschichte dagegen etwas schwach aussieht. Sie stehlen der eigentlichen Geschichte schlicht die Show. Die Hauptquest gleicht jener von Blind Forest, denn die Entwickler haben ein wenig zu sehr versucht, die Momente wiederherzustellen, die im ersten Kapitel noch gut funktioniert haben: Entkommt von einem gefährlichen Berg, schleicht um den fiesen Antagonisten herum oder rettet einen sterbenden Freund. Jede bedeutsame Szene gab es schon im Vorgänger und das schmälert das Vergnügen, weil einfach zu viele Teile der Vorlage kopiert wurden.

Mein Eindruck vom Spiel wurde zusätzlich durch einige sehr nervige Bugs gestört. Die Probleme werden vermutlich mit dem schon angekündigten Day-1-Patch behoben (verspricht jedenfalls Microsoft) aber vor allem auf der Xbox One (X) war das Spiel eine technische Katastrophe. Es ist mehrfach abgestürzt, es gab Glitches, fehlende Texturen, die Framerate ging häufig in die Knie und manche Charaktere schienen generell über dem Boden zu schweben. Besonders nervig war das fehlerhafte Autosave-Feature, das immer wieder den gleichen Speicherstand laden wollte, bis ich die Konsole zurückgesetzt habe. Diese Löcher werden vermutlich mit einem zukünftigen Patch behoben, aber wer gleich loslegen will, wird diesen bitteren Nachgeschmack wahrscheinlich selbst noch erleben können.

Am Ende ist Ori and the Will of the Wisps ein einfacher Nachfolger mit neuen, schwierigen Herausforderungen und einem größeren Universum. Das Spiel rührt uns zu Tränen und sieht großartig aus, trotz der Bugs sorgen die Rollenspielelemente und die deutlichen Inspirationen von Hollow Knight für sehr unterhaltsame Stunden. Leider ist das Game nicht so abwechslungsreich und erinnerungswürdig, wie The Blind Forest, obwohl es das mit aller Kraft versucht. Wahrscheinlich hat Moon Studios einfach ein wenig zu viel gewollt.

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Das Game hat noch immer viele wunderbare Situationen, aber ich wünschte, dass es sich mehr getraut hätte.
07 Gamereactor Deutschland
7 / 10
+
RPG-Elemente bereichern Spielerfahrung, vorbildliches Level-Design, detaillierte Nebengeschichten; neue Fähigkeiten; wunderschöne Präsentation, spaßig zu spielen.
-
nicht sehr einprägsam, es ist voller Bugs, Spiel versucht zu oft an vergangene Momente anzuknüpfen. Original wird häufig nachgeahmt, anstatt etwas Neues zu probieren.
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