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Pandora's Tower

Pandora's Tower

Ganbarion haben mehr als ein Dutzend One Piece-Spiele auf den Markt geworfen. Mit Pandora's Tower beweist der japanische Entwickler aber eindrucksvoll, dass er weitaus mehr drauf hat. Pandora's Tower erzählt eine Geschichte über die recht altmodische Vorstellung von einer Beziehung zwischen zwei Menschen.

  • Martin Eiser

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Was ist eigentlich dieses God of War, dass ständig als Vergleich für irgendwelche Spiele herhalten muss? Und was haben diese Leute eigentlich vor God of War gemacht? Schon bei Darksiders war dieser Vergleich fehl am Platz. Doch wie man Parallelen zwischen dem Action-Titel von Sony und Pandora's Tower von Ganbarion ziehen will, erschließt sich mir einfach nicht. Und trotzdem musste ich davon mehrfach lesen.

Es ist in etwa so passend, als würde ich The Legend of Zelda: Twilight Princess mit Mass Effect vergleichen. Natürlich ähneln sich manche Mechaniken, aber die Spielerfahrung ist trotzdem eine ganz andere. Aber meiner romantischen Vorstellung von einem japanischen Rollenspiel wird Pandora's Tower auch nicht gerecht. Diesem Genre enspricht der Titel keineswegs, sondern ist eher ziemlich nah dran am Action-Adventure - dem Format von God of War. Allerdings sind beide Spiele am jeweils anderen Ende des Spektrums.

Pandora's Tower erzählt die Geschichte von Aeron und Helena. Viele Erklärungen gibt es zunächst nicht, die werden erst im Verlauf des Spiels preisgegeben. Wir wissen zu Beginn lediglich von einer mysteriösen, alten Frau namens Mawda, dass sich Helena auf Grund eines merkwürdigen Fluches langsam in eine Bestie verwandelt. Dieser Prozess kann nur gestoppt werden, wenn sie das Fleisch von Monstern isst. Und will Aeron sie heilen, dann muss er die Festung aufsuchen, die über einem gewaltigen Riss in der Erde hängt. In ihren 13 Türmen warten 13 riesige Monster und deren Meisterfleisch soll Heilung bringen.

Pandora's Tower
Helena ist Vegetarierin und nun soll es nicht mal ein leckerer Braten sein, sondern widerlich rohes Monsterfleisch.

Witzigerweise gehört zum Glauben des Volkes, dem Helena angehört, dass sie niemals Fleisch essen. Alles sind Vegetarier und nun soll es nicht mal ein leckerer Braten sein, sondern widerlich rohes Monsterfleisch. Wie sehr sie sich sträubt und wie schwer es Helena fällt, wird in den Zwischensequenzen glaubwürdig dargestellt. Insbesondere die englische Sprachausgabe und die klassische Musik von Beethoven bis Verdi sind gelungen. Die Präsentation geht in Ordnung. Die Wii kann wohl mehr leisten, aber zu sehen bekommen wir ja am Ende trotzdem relativ selten so etwas Hübsches wie Pandora's Tower.

Auch wenn es eine schwierige Mission sein mag, die beinahe ausweglos erscheint, so gibt es für Aeron keine Alternative. Er will unbedingt helfen, denn ihn und Helena eint ein besonderes Band. Unterstützung erhält er von Mawda, die ihn nicht nur mit Waffen und Ausrüstungsgegenständen versorgt, sondern auch den wichtigsten Gegenstand im Spiel übergibt, die Orakloskette. Diese Waffe ist nämlich in der Lage, den Monstern das Fleisch zu entziehen und außerdem ist sie mit Helena verbunden. Auf diese Weise wissen wir jederzeit, wie ihr aktueller Zustand ist.

Rund um den Fleischbeschaffungsprozess ist das ganze Spiel organisiert, denn Helena braucht regelmäßig ihre Dosis. Auch das einfache Monsterfleisch kann ihren Zustand für kurze Zeit wieder verbessern. Wenn wir nicht rechtzeitig zurückkehren, verwandelt sich Helena entgültig in eine schleimige Bestie, es wäre das Ende. Also pendeln wir zwischen Festung und Unterschlupf und verbessern mit jedem Kontakt unser Verhältnis.

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Rund um den Fleischbeschaffungsprozess ist das ganze Spiel organisiert, denn Helena braucht regelmäßig ihre Dosis.

Diese Beziehung ist übrigens ein interessantes Spielelement. Warten wir mit unserer Rückkehr bis auf den letzten Drücker, stört das die Beziehung. Brechen wir danach gleich wieder auf, wirkt sich das ebenfalls nicht förderlich aus. Reden wir dagegen viel miteinander, machen Helena ab und zu Geschenke und bringen ihr das nötige Fleisch rechtzeitig, wird das einerseits die kommenden Herausforderungen im Turm beeinflussen, aber vor allem den Ausgang des Spiels verändern. Denn es gibt mehrere Enden und nicht alle davon sind tatsächlich positiv. Alles hängt davon ab, wie wir die Beziehung gestalten und wie viel Zeit wir für Helena aufbringen. Werden wir uns aufopfern oder doch nur unser eigenes, großes Abenteuer im Kopf haben? Es ist ein altmodisches, aber funktionierendes Konzept.

Die Türme sind nicht einfach nur große Arenen mit Monstern. Dabei wäre dieser Gedanke gar nicht so abwegig, wenn man im Hinterkopf behält, dass Ganbarion bisher im Grunde nur One Piece-Prügler abgeliefert hat. Umso erstaunlicher ist es, dass die Orte in Pandora's Tower zwar recht einfach strukturiert sind, aber einige pfiffige Ideen hinsichtlich des Leveldesigns enthalten. Es gibt kleinere Schalterrätsel und verschiedene Geheimnisse zu entdecken. Doch am wichtigsten ist, dass sich jeder Turm einzigartig anfühlt und sein ganz eigenes Design mit sich bringt.

Die Türme haben trotzdem etwas gleichförmiges. In jedem müssen wir die Ketten zur Tür des Meisters sprengen und es gibt andere wiederkehrende Elemente in der Levelstruktur. Daran stört sich vielleicht mancher, aber das auf dem Weg bis hin zum Meister geklettert, geschwungen und kombiniert werden muss, übersieht man gern. Die Kette ist recht vielseitig, denn sie kann außerdem Dinge verknüpfen, wir können Gegenstände damit bewegen und Mechanismen auslösen. Ganbarion haben sich wirklich Gedanken gemacht, wie sie trotz aller Einfachheit Abwechslung ins Spiel bekommen.

Gleiches gilt für die Kämpfe. Gegner werden durch diese Waffe in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt. Aktivieren wir die Orakloskette, läuft die Zeit langsamer ab und auf den Fernseher gerichtet wird der Bereich, auf den wir zielen, vergrößert dargestellt. Damit können wir bestimmte Körperteile von Gegnern direkt anwählen und ihnen beispielsweise die Beine verknoten, den Oberkörper fesseln oder das Gesicht verdecken. Verbinden wir zwei Gegner miteinander, werden Angriffe von einem auf den anderen übertragen - ein Treffer verletzt also automatisch zwei Feinde.

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Jeder der 13 Türme fühlt sich trotz wiederkehrender Elemente einzigartig an und bringt sein ganz eigenes Design mit sich.

Besonders gelungen sind die 13 Bosskämpfe. Um die Meister zu schlagen, müssen ihre Schwächen erkannt werden. Meist handelt es sich um eine Technik, die bereits im Dungeon eine besondere Rolle gespielt hat. Beim Design und auch bei der Art und Weise, wie wir gegen sie antreten, wurden sichtbar Ideen bei The Legend of Zelda abgekupfert. Und mit dieser Serie, dass wird gerade in diesen Momenten deutlich, hat Pandora's Tower deutlich mehr gemeinsam als mit God of War.

Die Kette bleibt im Spiel immer die Hauptwaffe, auch wenn es wechselnde Zweitwaffen mit größerem Schadenspotenzial gibt. Aufgrund ihrer Einsatzmöglichkeiten und der Tatsache, dass wir nur mit ihr an das benötigte Fleisch kommen, ist sie aber unersetzlich. Und das unterscheidet das Spiel letztendlich auch ein wenig vom Rollenspiel. Alle Ausrüstungsgegenstände, die wir bekommen oder selbst zusammenbasteln, sind im Grunde nur schmückendes Beiwerk.

Was die Beziehung zwischen Aeron und Helena so besonders macht, warum ausgerechnet sie von diesem Fluch befallen wurde und was der Riss in der Erde und die 13 Türme damit zu tun haben, das wird erst mit dem Durchspielen geklärt. Darüber schafft es der Entwickler auch, dass wir der Handlung voller Spannung folgen. Er füttert uns langsam über Dialoge, Rückblenden und Traumsequenzen mit Informationen, erzählt eine interessante Geschichte, ohne aber eine wirklich episches Werk abzuliefern. Und auch wenn die Grenzen zwischen Action-Adventure und Rollenspiel manchmal verschwimmen, so ist es ehrlicherweise doch ersteres. Dafür aber eines mit angenehm viel Tiefgang.

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08 Gamereactor Deutschland
8 / 10
+
abwechslungsreiche Level, interessante Spielmechaniken, Ton und Musik gelungen
-
technisch nur gehobenes Mittelmaß, keine deutsche Sprachausgabe
overall score
ist die Durchschnittswertung von Gamereactor. Wie hoch ist eure Wertung? Die Durchschnittwertung aller Gamereactor-Redaktionen wird aus den Wertungen in allen Ländern erhoben, in denen es lokalen Gamereactor-Redaktionen gibt

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