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Kritiken
Resident Evil 2

Resident Evil 2

21 Jahre mussten Fans auf die Rückkehr des Titels warten, der Zombies wieder in den Mainstream brachte. Kann Resident Evil 2 heute noch mit seinen populären Enkeln mithalten?

Resident Evil 2 ist wieder da und mit dieser Veröffentlichung erfüllt Capcom den alten Fans einen Wunschtraum, an den viele schon gar nicht mehr geglaubt hatten. 1996 erschien das erste Spiel der Reihe, die in den folgenden Jahren zu einer der größten Spiele- und Film-Franchise der Gamingwelt wurde. Nebenbei half die Serie dabei, das nach den 80ern in Vergessenheit geratene Zombiegenre wieder auferstehen zu lassen - eine Entwicklung, die wir heutzutage noch sehen. Doch so innovativ und wegweisend dieser Erstling damals auch war, für viele Fans erreichte der zwei Jahre später erschienene Nachfolger noch einmal eine ganz neue Dimension, die den Erfolg der Reihe erst so richtig zementierte.

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Resident Evil 2Resident Evil 2
Es ist einfach frappierend, wie authentisch das Spielgefühl beibehalten wurde.

Als 2002 dann das Remake von Resident Evil 1 für Nintendos Gamecube kam, hielten die Fans den Atem an. Der technische Sprung, der innerhalb von nur sechs Jahren erfolgte, schien zu unglaublich. Und so warteten wir, nachdem das neue Remaster gebührend gefeiert wurde, auf eine ebensolche Generalüberholung unseres Lieblings Resident Evil 2. Stattdessen kam Resident Evil Zero, das mit der neuen Engine ein frisches Abenteuer erzählte, und wenig später Resident Evil 4, mit dem die Serie sich zum ersten Mal neu erfand. Das war der Startschuss für Experimente mit jeder neuen Inkarnation und letztes Jahr gipfelte das im grandiosen VR-Erlebnis von Teil 7. Die ganzen Jahre gab es bis auf ein paar Portierungen kein Lebenszeichen vom zweiten Teil, doch jetzt ist es so weit. Endlich. Und so viel kann schon einmal verraten werden: Das Warten hat sich gelohnt!

Die Story dreht sich um die Folgen der Geschehnisse von Resident Evil 1, wo in einem alten Herrenhaus am Stadtrand der fiktiven Raccoon-City eine üble Biowaffe freigesetzt wurde. Das Gift verwandelt Menschen in Zombies und andere Monster und ist natürlich höchst ansteckend. Die junge Claire Redfield macht sich aus genau diesem Grund auf den Weg in die Stadt, denn ihr Bruder Chris, seines Zeichens Polizeiveteran, ist seit den Geschehnissen des ersten Spiels verschwunden. Leon S. Kennedy ist nur zur falschen Zeit am falschen Ort, weil er plangemäß seinen Polizeidienst in der Stadt beginnen soll. Doch schon vor auf dem Weg dorthin laufen sich die beiden über den Weg und stellen fest, dass etwas höchst Faules im Gange ist. Nachdem die ersten Untoten besiegt sind, trennen sich ihre Wege und beide erleben ihr eigenes Abenteuer, das sich zwar die meisten Schauplätze teilt, jedoch zeitlich leicht versetzt geschieht und dadurch eigene Nebenfiguren, Geheimnisse und Rätsel bietet.

Von der Grundstruktur ist das Remake also genauso aufgebaut, wie das Original, und das ist nur der erste Indikator für den Geniestreich, den Capcom mit diesem Remake abliefert. Der gesamte Spielverlauf fühlt sich genau wie damals an, obwohl sich in mehr als zwanzig Jahren natürlich einiges verändert hat. Das fängt schon mit der Grafik an, die damals als opulent, höchst detailliert und zum Fotorealismus tendierend beschrieben wurde. Aus heutiger Sicht wirkt das damals Gebotene krude und antiquiert, wohingegen man die Optik des Remakes wieder mit den gleichen begeisterten Worten beschreiben kann.

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Resident Evil 2Resident Evil 2
Von der Atmosphäre her steckt dieser Urvater des Genres viele heutige Zombieabenteuer in die Tasche oder liegt zumindest auf Augenhöhe.

Die Locations sind mit unglaublicher Liebe zum Detail gestaltet: Jede Ecke sieht irgendwie anders aus, die Figurenmodelle sind toll und realistisch, Effekte wie Wind und Wetter, Explosionen und Feuer wirken komplett überzeugend. Einzige Irritation sind selten auftretende Clipping-Fehler und das manchmal relativ grau wirkende Schwarz. Letzteres kommt sowohl in HDR als auch im normalen Bildmodus öfter vor. Die Einstellungsmöglichkeiten zum Bildkontrast sind jedoch umfangreich, sodass diese etwas flaueren Szenen wohl in dieser Form von den Entwicklern gewollt sind.

Im packenden Spielablauf ist aber sowieso kaum Zeit vorgesehen, um auf Schwarzwerte zu achten. Die Neuinterpretation spielt sich um einiges flüssiger als früher: Die Steuerung ist komplett aktualisiert und modern, sodass wir die Helden fluffig durch die Szenerien steuern. Lediglich die relativ verhaltene Geschwindigkeit beim Rennen und die Tatsache, dass man nicht springen kann, erinnern noch an das Vorbild. Hohen Wiedererkennungswert haben auf der anderen Seite viele Anteile der Spielmechanik, von den obligatorischen Heilkräutern bis zu den magischen Itemkisten und dem chronischen Mangel an Munition oder anderen lebensverlängernden Maßnahmen. Auch ganz weit wichtig: Der limitierte Platz im Inventar, denn unsere Figuren schleppen längst nicht alle wichtigen Gegenstände mit sich rum. Das ist eben typisch Survival-Horror und auch heute stellt sich dadurch die gleiche nervenzerfetzende Spannung ein, wie schon damals.

Entgegenkommend ist das neue Speichersystem, denn erstens kann im Remake von Resident Evil 2 an jeder gefundenen Schreibmaschine beliebig oft gespeichert werden, und zweitens gibt es auch noch Autosaves an bestimmten Stellen. Alte Hasen spielen vielleicht lieber den "Hardcore-Modus", bei dem ausschließlich manuell gespeichert wird, und das auch nur, wenn man ein dafür nötiges Farbband gefunden hat. Für die etwas zarter besaiteten Spieler gibt es dagegen den „unterstützten Modus", der das Zielen erleichtert und sogar eine gewisse Regeneration der Gesundheit erlaubt. Das kann schon durchaus die Nerven schonen, denn das Spiel ist heute viel unberechenbarer als früher. Tot geglaubte Zombies stehen öfter wieder auf, als es einem lieb ist, und bei aller Treue zum Original gibt es natürlich brandneue Jumpscares, die uns immer wieder zusammenzucken ließen.

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Leon und Claire sind nur zwei der spielbaren Figuren aus dem Remake von Resident Evil 2.

Auch akustisch wird eine höchst dichte Atmosphäre aufgebaut und selten verheißt der detaillierte Klangteppich etwas Gutes - wer die Ohren spitzt, wird vor so mancher Gefahr gewarnt. Entsprechend sparsam ist der Einsatz von Musik, die es übrigens auch als Retro-Zusatzinhalt gibt. Wer unbedingt will, darf sich den Originalton dazu kaufen, entweder in Form der Digital Deluxe Edition oder als DLC. Natürlich ist das gemein, aber neue Spieler können darauf sicher auch verzichten. Auf Dauer etwas genervt hat uns Leons ständiges Geschnaufe beim Rennen, das uns öfter als nötig aufschrecken ließ, wenn wir angespannt in die Dunkelheit lauschten. Auch seine pseudocoolen Sprüche, die vor allem in der dramatischen zweiten Hälfte des Spiels öfter fallen, sind ein bisschen lächerlich - aber selbst das ist auf eine Art ein Markenzeichen von Resident Evil.

Eine weitere neue Komfortfunktion ist übrigens die automatische Karte. Vor zwanzig Jahren war es beim Gaming noch ganz normal, mit Karopapier und Stiften die Position von wichtigen Schlüssel-Items und Gegenständen aufzuzeichnen, heute geht das von allein. Trotzdem kann man im verworrenen Geflecht der oft etwas unnatürlichen Levelstrukturen schon mal etwas ratlos dastehen, wenn man nicht die ganze Zeit aufpasst wie ein Luchs. Obwohl viele merkwürdige Rätsel beibehalten wurden, hat man diese im Remake durch mehr Hintergrundinfos etwas besser in die Story eingepasst.

Nun wissen wir zum Beispiel, dass das berühmte Polizeirevier von Raccoon City früher ein Kunstmuseum war, was die extravagante Aufmachung deutlich schlüssiger macht. Auch über die Hauptfiguren gibt es einige neue Details, und es ist natürlich Pflicht, die Story mit beiden Figuren durchzuspielen, um alles zu erleben und diverse Boni freizuschalten. Beim ersten Anlauf ist man gute zehn Stunden pro Durchgang beschäftigt. Und heute wie damals wird Resident Evil 2 wohl noch einige Geheimnisse enthalten, die auf dem ersten Blick nicht direkt ersichtlich sind.

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Resident Evil 2Resident Evil 2
Viele Komfortfunktionen und neue Inhalte erweitern das alte Spiel und legen damit die Messlatte für Remakes einige Stufen höher.

Unterm Stricht hat Capcom mit diesem Spiel sicherlich eines der besten Remakes aller Zeiten abgeliefert. Die Technik ist nicht nur auf dem aktuellen Stand, sie spielt sogar in der obersten Liga mit. Trotzdem ist einfach frappierend, wie authentisch das Spielgefühl beibehalten wurde. Alles ist gleichzeitig höchst vertraut und trotzdem komplett neu. Vor dem Wunder, diese beiden Gegensätze unter einen Hut gebracht zu haben, kann man sich einfach nur verneigen. Von der Atmosphäre her steckt dieser Urvater des Genres viele heutige Zombieabenteuer in die Tasche oder liegt zumindest auf Augenhöhe.

Für Menschen, die Resident Evil 2 zum ersten Mal erleben, wird sich durch das authentisch beibehaltene Erbe trotzdem ein Bruch zu heute entwickelten Spielen ergeben. Einige Mechaniken fühlen sich einfach sperrig an, wenn man sie für sich gesehen betrachtet. Auch die eine oder andere Animation und manche Dialoge sind vielleicht zu dicht am Original. Andererseits entsteht so insgesamt ein völlig eigenständiger Stil, auf den man bei einer reinen Neuentwicklung sicher niemals mehr kommen würde. Resident Evil 2 ist alt und neu zugleich, vor allem aber ist es durch diese Reinkarnation - wie ein echter Zombie - der Unsterblichkeit mal wieder ein gutes Stück näher gekommen.

09 Gamereactor Deutschland
9 / 10
+
Mustergültige Neuinterpretation eines wegweisenden Klassikers, geniale Bild- und Tonkulisse, hoher Umfang.
-
Für neue Spieler könnte der Titel hier und da etwas zu Oldschool sein, für alte Fans ist der kostenpflichtige Original-Soundtrack ärgerlich.
overall score
ist die Durchschnittswertung von Gamereactor. Wie hoch ist eure Wertung? Die Durchschnittwertung aller Gamereactor-Redaktionen wird aus den Wertungen in allen Ländern erhoben, in denen es lokalen Gamereactor-Redaktionen gibt

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