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Returnal

Returnal

Housemarque greift in diesem kosmischen Zeitschleifen-Trauma mit Tentakeln nach eurem Verstand.

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Die Astronautin Selene schreckt nicht davor zurück, mit Alien-Technologe auf Tuchfühlung zu gehen.

Housemarques neues Projekt Returnal ist ein vollwertiges Roguelite-Abenteuer. Obwohl die ersten Schritte des Teams in diesem Genre etwas wackelig verlaufen, überzeugt der Third-Person-Shooter mit knackigem Gameplay, einer kosmischen Horrorgeschichte und dem markanten Bullethell-Einflüssen, die das finnische Studio in der Vergangenheit so liebgewonnen hat. Dass sich die Spieldurchläufe unterscheiden, aber gleichzeitig gleichen, wird sehr durch die technische Evolution überspielt, die die Entwickler mit ihrem neuen Vorzeigetitel lostreten.

Grundsätzlich reiht das Entwicklerstudio nur vorgefertigte Kartenbestandteile, die sie für jedes der sechs Biome im Spiel angefertigt haben, aneinander und mischt endlos viele Parameter durcheinander, wodurch jedes Mal eine andere Erfahrung entsteht. Sterbt ihr irgendwann, werdet ihr wieder zu eurem Schiff versetzt und müsst neu beginnen. Unterwegs sammelt ihr verschiedene Dinge ein, die euren aktuellen Versuch, sowie kommende Spieldurchläufe beeinflussen. Dazu gehören Waffen mit unterschiedlichen Fähigkeiten, passive Verbesserungen eurer Charakterwerte (wie mehr Verteidigung, erhöhte Heilung oder die schnellere Erhöhung eurer Waffenkenntnisse), sowie aktive Gegenstände, die einen einmaligen Effekt verursachen.

Ihr werdet auch Parasiten finden, die positive Auswirkungen und unerwünschte Nebenwirkungen mit sich bringen - nehmt euch vor denen besser in Acht. Darüber hinaus warten verschiedene Währungssysteme auf euch, das sind vor allem Geld und Schlüssel. Ihr solltet jedoch aufpassen, was ihr unterwegs aufsammelt, da einige Dinge verunreinigt sind und möglicherweise zu Fehlfunktionen in eurem Anzug führen. Tritt ein solcher Malus auf, werdet ihr auf irgendeine Art und Weise benachteiligt, bis ihr eine zufällig ausgewählte Herausforderung abschließt. Sammelt ihr zu viele Fehlfunktionen an, gehen euch positiven Eigenschaften und Items verloren, deshalb müsst ihr gut abwägen, welche Risiken ihr eingehen wollt.

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Zukunft, Gegenwart und Vergangenheit befinden sich aus Sicht von Returnal nicht auf einer geraden Linie.

An vorbestimmten Punkten werdet ihr mit permanenten Verbesserungen belohnt, die eure Fortbewegungsmöglichkeiten erweitern. Dann könnt ihr beispielsweise Teleporter benutzen, euch mit einem Greifhaken durch die Welt ziehen oder Ranken zerschneiden. Auf diese Weise erhält Returnal ein Metroidvania-Element, da sich hinter solchen Schranken meist weitere Upgrades, Geheimnisse oder alternative Routen verstecken.

Die Roguelite-Struktur ist solide und bietet eine gewisse Tiefe, nur dürft ihr eure Spielweise im Gegensatz zu vielen anderen Vertretern des Genres nicht selbstständig festlegen. Stattdessen müsst ihr eher lernen mit dem zu leben, was euch das Spiel gerade zur Verfügung stellt. Das klappt manchmal sehr gut, während es sich in anderen Fällen unnötig in die Länge zieht. Es ist deutlich schwieriger, mit schlechter Ausrüstung in spätere Bereiche vorzudringen, deshalb werdet ihr vom Hauptweg abweichen wollen, um eure Ausrüstung zu verbessern und an Kampferfahrung zu gewinnen. Wer mehr Räume absolviert und sich an die verändernden Bedingungen anpasst, der wird Returnals Herausforderungen mit Beharrlichkeit letztlich überwinden können.

Das Gunplay von Returnal vereint viele Bullethell-Elemente in sich, was gerade im Kampf gegen besonders starke Gegnervarianten mächtig bedrohlich werden kann. Mansche Gegner schleudern euch zielsuchende Geschosssalven um die Ohren oder lassen euch im Parcoursstil über Energiewellen springen. Dieser intensive Mix kann bei Bosskämpfen minutenlang andauern, denn die sehen in der Realität folgendermaßen aus: Ihr müsst penibel auf eure Umgebung achten sollt, gleichzeitig aus der Hüfte auf Schwachstellen schießen, gegnerischen Geschossen ausweichen und den richtigen Zeitpunkt zum Nachladen eurer aktiven Knarre abpassen (genau wie bei Gears of War könnt ihr schneller wieder ballern, wenn ihr beim Nachladen den passenden Moment erwischt).

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Screenshots tun diesem Spiel keinen großen Gefallen. Die Action solltet ihr unbedingt in Bewegung sehen.

Housemarque meint selbst, dass sie Returnal absichtlich herausfordernd gestaltet haben und damit haben sie nicht übertrieben - einige Konfrontationen fordern eure komplette Aufmerksamkeit. Wer vorsichtig spielt und mehrere Gegner hintereinander tötet, ohne getroffen zu werden, erhöht langsam das eigene Adrenalin-Level, was wiederum verschiedene Vorteile im Kampf mit sich bringt. Unser Raumanzug markiert bestimmte Gefahrenquellen übrigens mit einem Richtungsmarker, weil wir keine Augen im Hinterkopf haben. Keinen Schaden zu erleiden, ist leichter gesagt als getan, da Fehlfunktionen und Parasiten Nebeneffekte mit sich bringen, die euch schnell mal ein bisschen Schaden zufügen, wenn ihr gerade nicht an alles denkt.

Dieses Gameplay-Gerüst wird von einer fragmentierten Geschichte aufgebrochen, in der die Titelheldin Selene verzweifelt versucht, einem Kreislauf aus Leben und Tod zu durchbrechen. Die Astronautin ist mit ihrem Raumschiff auf einem fremden Planeten abgestürzt, überlebte die Bruchlandung jedoch mit Glück. Astropos ist ein wilder, lebendiger Planet, der viele unterschiedliche Facetten bietet. Fremde Alien-Kulturen haben sich im Laufe der Zeit hier niedergelassen, doch mittlerweile hat sich die Natur beinahe alles zurückgeholt. Zeit spielt für Selene jetzt aber eh keine Rolle mehr, denn eine geheimnisvolle Kraft lässt sie nicht mehr los. Nicht einmal der Tod erreicht sie an diesem Ort.

Um Selenes Misere zu erklären, wirft uns Housemarque viele kryptische Hinweise vor die Füße. In guten Spieldurchläufen gewinnt man ein paar Erkenntnisse, zumindest wenn ihr unterwegs auf Audiologs, Texttafeln oder auf Visionen trefft. Der Titel wird euch selbst Überlegungen anstellen lassen, denn Returnal gefällt es im zwielichtigen Licht des kosmischen Cthulhu-Wahnsinns viel zu gut. Besonders atmosphärisch sind die sehr bedrückenden Sequenzen aus der Ego-Perspektive, in denen ihr Visionen nachspielt, die irgendwie mit Selenes Leben zusammenhängen. Ihr werdet Returnal mehrmals spielen müssen, wenn ihr die ganze Wahrheit sehen wollt. Die Wiederspielbarkeit knüpft wiederum an die Metroidvania-Mechaniken an, die euch zuvor unzugängliche Bereiche eröffnen. Generell ist diese Erzählung sehr davon abhängig, wie gut ihr durch die Level kommt und wie aufmerksam ihr eure Umgebung untersucht.

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Returnal greift so einige Elemente von ikonischen Horrorfilmen auf, die im Weltraum spielen. Die Alien-Serie dürfte ganz konkret eine der Inspirationen sein.

Flottes Gameplay in 4K-Qualität mit einer konstanten Bildrate von 60 fps ist eine Sache, die PS5-Spieler mittlerweile gewohnt sich, doch Returnal koppelt das mit einer temporeichen Bewegungsgeschwindigkeit, die einen beeindruckenden Spielfluss ermöglicht. Der Bildaufbau beim Szenenwechsel ist beeindruckend, weil das System mit kleinen Kniffen die ohnehin nicht sehr langen Ladezeiten noch weiter beschneidet. Die Entwickler haben aber nicht nur mit der SSD-Technologie der PS5 rumgespielt, sondern sich auch den Themen 3D-Audio und Vibrationen gewidmet.

Habt ihr ein entsprechendes Headset, werdet ihr den Dschungel beinahe wachsen hören können, so lebendig wirkt Atropos' Dickicht. Das durch Einschusslöcher oder Explosionen verursachte Bröckeln von Statuen lässt sich auf diese Weise ebenfalls wirksam verorten, genau wie der Kugelhagel, der euch um die Ohren fliegt. Das haptische Feedback begleitet diese Eindrücke, aber die Entwickler haben nicht jeden Spaß mitgenommen und einige Spielereien bewusst ausgelassen. Wie Returnal die Technologien der PS5 nutzt, trägt dennoch positiv zum Spielerlebnis bei.

Der Titel findet eine interessante Prämisse, um die zentrale Geschichte mit der wiederholbaren Spielstruktur zu verbinden. Das gelingt Returnal aber nur, weil beide Elemente einige Einschnitte hinnehmen müssen. Das Ergebnis hat ein paar Schwachpunkte, doch dank der sich entwickelnden Gameplay-Spirale kann Housemarque von den offensichtlicheren Stolpersteinen effektiv ablenken. Dass man immer wieder zurückgesetzt wird, stört natürlich den Spielfluss, vor allem weil umfangreiche Touren durch weite Teile des Spiels einige Zeit in Anspruch nehmen. Da euch das Spiel nicht zwischenspeichern lässt, müsst ihr euch gut überlegen, ob ihr noch eine weitere Erkundungstour angehen wollt. Weil der Mix aus Bullethell und Shooter aber so viele intensive Momente bietet, sehe ich Returnal insgesamt als schöne Erfahrung an, die Playstation-5-Spieler ruhig mitnehmen können.

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Vor grell leuchtenden Dingen solltet ihr euch in Returnal lieber in Acht nehmen. Ein beherzter Ausweichschritt hilft euch in den meisten Fällen.
08 Gamereactor Deutschland
8 / 10
+
technisch beeindruckend, Geschichte und Spielwelt fangen Cthulhu-Atmosphäre ein, hoher Wiederspielwert, innovativer Gameplay-Mix.
-
nicht freu von technischen Probleme (manchmal werdet ihr dadurch zum Neustart gezwungen, Hilfestellungen häufig sehr vage, Spielfortschritt etwas vom Glück abhängig.
overall score
ist die Durchschnittswertung von Gamereactor. Wie hoch ist eure Wertung? Die Durchschnittwertung aller Gamereactor-Redaktionen wird aus den Wertungen in allen Ländern erhoben, in denen es lokalen Gamereactor-Redaktionen gibt

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