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Space Engineers

Space Engineers (Xbox One)

Diese Woche ist Keen Softwares Weltraumspiel auf der Xbox erschienen. Ingo erzählt euch von seinen wilden Abenteuern.

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Space Engineers hat mir das Gehirn wegschmolzen. Die Konzentrationsleistung, wenn man sein in akribischer Feinarbeit gefertigtes, selbstgebautes Atmosphären-Raumschiff zum Abbau von Erzen von einem Dock aus auf der ebenfalls über Stunden gebauten Fabrik auf Jungfernfahrt schicken will, ist immens. Sind die Batterien geladen? Sind die Triebwerke alle richtig ausgerichtet und eingestellt worden? Und wie war noch gleich die Shortcut-Belegung für das Entriegeln der Dockingstation?

Wir haben uns die gerade erschienene Xbox-Version von Space Engineers angesehen, das auf dem PC schon länger erhältlich ist und dort davor bereits seit Ewigkeiten im Early Access gespielt werden konnte. Die Steuerung mit dem Controller ist erwartungsgemäß kompliziert, es gibt aber die Option Maus und Tastatur an seine Xbox anzuschließen - was allerdings etwas ist, was ich beharrlich verweigere.

Space Engineers wurde häufig "Minecraft für Erwachsene" genannt, was aber nur ein bedingt passender Vergleich ist. Wir bauen mit unseren Werkzeugen Ressourcen ab, die vorrangig aus Erzen bestehen - mit Ausnahme von Eis. Aus Eis können wir Sauerstoff für unseren Astronauten und Wasserstoff für Wasserstofftriebwerke oder das Jetpack extrahieren. Aus den diversen Erzen stellen unsere Maschinen Barren her, die für die unterschiedlichsten Komponenten benötigt werden. Damit bauen wir weitere Maschinen, Konstruktionen oder Fahrzeug- bzw. Raumschiffteile - Gameplay-technisch läuft Space Engineers also ähnlich zu Titeln wie Minecraft ab.

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Ein richtiges Spielziel hat Space Engineers nicht, doch die Sterne über eurem Kopf geben die Richtung vor.

Das ganze Spiel orientiert sich an wissenschaftlicher Science-Fiction. Die Physik spielt deshalb eine große Rolle und alle Elemente des Games basieren (natürlich in vereinfachter Form) auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft und den Naturgesetzen. Gebeamt wird hier also nur beim Respawn und im Adminmenü.

Zu Beginn dürfen wir aus unterschiedlichen Szenarien wählen: Es gibt eine kurze Tutorial-Mini-Kampagne, die uns die Grundlagen der Steuerung näherbringen soll und die mit ihren Action-Setpieces zeigt, was in Space Engineers alles möglich ist. Dann ist da noch der kreative Modus, in dem wir uns um Sauerstoff und Ressourcen keine Sorgen machen müssen und einfach drauflos bauen können. Ein weiterer Modus schickt uns immer wieder Wellen feindlicher Drohnen entgegen, die uns ständig nerven.

Ich habe meine ersten 60 Stunden im Survival-Modus verbracht, wobei wir auch hier die Startbedingungen selbst festlegen können. Wollt ihr nur mit eurem Jetpack, Werkzeugen und einer Sauerstoffflasche im Weltall beginnen? Oder auf einem Mond? Dem Mars? Oder mit einer funktionsfähigen Basis? Ich habe mich für eine Rettungskapsel im Sinkflug über der Erde entschieden. Die Batterie war so gut wie leer, aber der Pod hat ein eingebautes Survival-Kit mit dem wir Steine zu einfachen Komponenten verarbeiten können. Ganz langsam bauen wir uns damit eine eigene Basis auf und haben das große Ziel stets vor Augen: Von hier aus zu den Sternen fliegen.

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Aus Eis können wir Sauerstoff für unseren Astronauten und Wasserstoff für Wasserstofftriebwerke oder das Jetpack extrahieren.

Anfangs bohrt man sich noch zufrieden durch die Landschaft, aber wenn die erste Infrastruktur erst einmal steht, will man effizienter werden, denn der Bohrer ist verdammt laut und die Rennerei wird irgendwann lästig. Es muss ein Fahrzeug her, das Erze abbaut und am besten an unsere Basis angedockt werden kann, um unsere diversen Maschinen automatisch zu füttern. Jetzt sind unsere Ingenieurtalente gefragt: Nicht nur beim Fahrzeugbau, auch das Layout der Fabrik sollte gut geplant sein, damit die Erze und Barren genau dort landen, wo wir sie haben wollen.

Stunden später geht die Jungfernfahrt mit unserem sechsrädrigen Bohrfahrzeug gleich richtig schief. Ich bohre mich in einen Berghang, um tonnenweise Steine abzubauen, mein Bohrer gräbt sich immer tiefer in die Erde und ich freue mich über die Menge an Materialien, die ich nicht mehr von Hand abbauen muss. Bis ich feststelle, dass mein Bohrer durch die Last zu schwer geworden ist und der Abhang hinter mir zu steil ist, um wieder rückwärts aus dem Bohrloch zu fahren. F***!

Ok, nachdenken. Ich versuche mit meinem Handbohrer die Fläche hinter mir zu begradigen, bis mein Minenfahrzeug wieder fährt. Es scheint zu funktionieren, denn ich komme los. Doch plötzlich gerät mein sechsrädriges Gefährt in Schieflage und kippt auf den Rücken. Das war es dann wohl. Moment, was wenn ich ein Atmosphärentriebwerk an einer Seite anbringe, um mich mit kurzen Schub wieder auf die Räder zu drehen?

Das sind die Momente in denen Space Engineers richtig glänzt. Klar, es macht auch Spaß die Basis richtig hübsch und praktisch zu gestalten, windschnittige Gleiter zu bauen und zu lackieren. Aber dieses Gefühl, dass es für jedes Problem im Spiel eine Lösung gibt und man in einem gewissen Rahmen jede Idee umsetzen kann, das ist einfach fantastisch. Der Moment, als ich nach 40 Stunden endlich mit meinem Raumschiff die Erdanziehungskraft verlassen habe (nach einigen kläglichen Abstürzen), ist unbeschreiblich und gehört schon jetzt zu meinen liebsten Gaming-Momenten der neueren Zeit.

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Die Steuerung mit dem Controller ist erwartungsgemäß kompliziert, es gibt aber die Option Maus und Tastatur an seine Xbox anzuschließen.

Die Steuerung mit dem Controller ist kompliziert, die unterschiedlichen Gameplay-Systeme und vielen Einstellungsoption für die einzelnen Komponenten komplex und man könnte in der Zeit, die es braucht um sich auch nur einen Überblick zu verschaffen, vermutlich auch als Laie eine Programmiersprache erlernen. Das Spiel erfordert viel, viel Geduld und gibt uns keine Ziele vor - man muss schon der richtige Spielertyp dafür sein, um an Space Engineers Freude zu haben.

Auf der Xbox hat die Welt ein Baulimit von 100.000 PCU, wobei sich die Zahl nicht auf die Anzahl der Blöcke bezieht (wie in Minecraft). Jeder Block hat einen eigenen PCU-Wert, der sich an seiner Komplexität orientiert. Irgendwann ist also Schluss, allerdings könnt ihr alte, vielleicht nicht mehr benötigte Stationen oder Fahrzeuge als Baupläne speichern und löschen, um Platz zu schaffen. 100.000 PCU ist auf jeden Fall eine Menge und es sollte für eine Battlestar Galactica im Maßstab 1:1 gerade so reichen.

Ihr könnt in Space Engineers mit bis zu drei weiteren Spielern gemeinsam oder im PvP gegen sie spielen - allerdings nur, wenn der Host auf einer Xbox One X spielt (die Xbox One und Xbox One S erlauben nur zwei Spieler gleichzeitig). Das Bauplan-System zum Hochladen funktioniert übrigens für die gesamte Welt. Mit ein wenig Absprache und einigen Abstrichen können die Koop-Partner also auch weiterbauen, wenn der ursprüngliche Host gerade nicht online ist. Ihr könnt die Kreationen anderer Spieler außerdem als Blaupause herunterladen und nachbauen oder spielt direkt in deren Welt.

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In Space Engineers erwarten euch neben der kleinen Kampagne verschiedene Herausforderungen.

Das Spiel läuft mit zwei Spielern relativ flüssig - ich musste nur einmal nach mehreren Stunden neu starten, weil es anfing zu laggen und mein Mitspieler Asteroiden zu spät angezeigt bekam. Die Controller-Steuerung ist unnötig kompliziert und hätte trotz der Komplexität des Themas intuitiver gestaltet werden können. Es gibt Parallelen zu Minecraft und ähnlichen Titeln, aber mich hat es insgesamt doch mehr an eine Art Elite: Dangerous mit Crafting-Faktor erinnert und da war der Einstieg ja ähnlich schwer.

Die Grafik wird Niemanden vom Hocker reißen, zumindest nicht die Optik der Erdoberfläche. Die gebauten Komponenten und Lichteffekte sind aber schick, auch wenn der Mond aus der Ferne wie ein Würfel aussieht. Space Engineers ist sicher ein Nischentitel, aber wenn ihr euch kreativ austoben wollt, viel Geduld mitbringt, vielleicht in Elite: Dangerous davon geträumt habt, eure Raumschiffe selbst zu bauen, und allgemein Spaß daran habt, an mechanischen, technischen und logistischen Problemen zu tüfteln, dann könnte Space Engineers genau das richtige Spiel für euch sein. Ich hatte mit dem Titel jedenfalls einige der tollsten, befriedigendsten und auch frustrierendsten Videospielmomente, die ich je erlebt habe.

08 Gamereactor Deutschland
8 / 10
+
unglaubliche Möglichkeiten beim Bauen, tolle Physik und großartiges Hard-Sci-Fi-Setting, günstiger Preis (20 Euro).
-
Steuerung unnötig kompliziert, vier Spieler nur mit der Xbox One X als Host, wenige Planeten mit geringen Oberflächendetails.
overall score
ist die Durchschnittswertung von Gamereactor. Wie hoch ist eure Wertung? Die Durchschnittwertung aller Gamereactor-Redaktionen wird aus den Wertungen in allen Ländern erhoben, in denen es lokalen Gamereactor-Redaktionen gibt

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