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Serien-Kritiken

Space Force - Saison 1

Steve Carell und Greg Daniels sind in einer vielversprechenden, neuen Serie wieder vereint. Das Format verspricht eine absurde Prämisse, doch sie führt in die Irre.

Netflix hat sich mit der Enthüllung ihrer neuen Flaggschiff-Comedy-Serie Space Force selbst ins Bein geschossen. Im ersten Teaser wurde der Slogan "Von den Leuten, die euch The Office gebracht haben" etabliert, was in den nachfolgenden Marketingmaterialien ebenfalls aufgegriffen wurde. Darüber hinaus wurde die Serie von Greg Daniels, dem Erfinder von The Office, erstellt und größtenteils geschrieben, auch den Schauspieler Steve Carell sehen wir wieder. Es ist also der gleiche Showrunner und auch der Titelstar ist wieder mit dabei. Ist das hier also eine Art spirituelle Fortsetzung? Nein, nicht im Geringsten.

Was ist Space Force denn sonst? Es ist eine neue Comedy-Show, die die Entstehungsgeschichte eines frischen Zweigs im US-Militär aufzeichnet - die "United States Space Force". Das Programm wurde in den Vierzigerjahren als Teil der Air Force gegründet, doch erst vor kurzem folgte die Ausgliederung der nun eigenständigen Abteilung, weil sich das der amerikanische Präsident so wünscht.

Space Force

Die Geschichte ist sehr fiktiv und konzentriert sich auf General Mark R. Naird, gespielt von Carell, der die Leitung der Space Force übernimmt, die mit der "Weltraumdominanz" beauftragt ist. Der Präsident sieht außerdem den Start neuer Militärsatelliten sowie das Erreichen des Mondes und schließlich des Mars vor. Um Naird herum finden wir den Chefwissenschaftler Dr. Adrian Mallory, gespielt von John Malkovich, die Pilotin Angela Ali, gespielt von Tawny Newsome, und das Social-Media-Mogul "F*ck Tony", gespielt von Ben Schwartz. Das klingt doch erneut nach einer perfekten Kulisse für eine komödiantische Erforschung verschiedener Archetypen, ganz im Stile der episodischen Ader von The Office, oder? Nein...

Obwohl Space Force erstklassiges schauspielerisches Talent einsetzt, um jeden einzelnen Charakter interessant, fesselnd und lebendig zu gestalten, ist das hier eine viel dunklere Geschichte, als man sie in The Office vorfindet. Es ist in erster Linie eine Serie mit einem zentralen Erzählbogen, der sich über die gesamte Staffel erstreckt. Zweitens greift das Format auf viel dunklere Comedy-Adern zurück, wie man sie traditionell in einem Film der Coen-Brüder entdeckt, statt in einem episodischen Comedy-Format. Denkt an Barry, After Life, Better Call Saul oder sogar Six Feet Under und ihr seid viel näher an dem dran, was Space Force sein möchte. Mit The Office hat das alles nur wenig gemein.

Trotz der irreführenden Vermarktung ist das Produkt kompetent. Das Format wurde fachmännisch produziert, obwohl es sich zwischen zwei unterschiedlichen narrativen Stilen aufteilt und manchmal Schwierigkeiten damit hat, das tonale Gleichgewicht zu halten. Space Force ist wunderschön aufgenommen und bearbeitet worden, mit farblichen Abstufungen, guten Darstellern und einer audiovisuell anständigen Gesamtleistung. Gerade im Vergleich zu einigen seiner Kollegen bemerkt man die teurere Produktion dieser umfangreichen Serie.

Space Force

Allerdings verhindern ein paar Kleinigkeiten, dass dieses Produkt den komödiantischen Olymp erreicht, was Daniels und Carell offensichtlich anstreben. Die Show braucht einen Großteil der ersten Staffel (mit 10 Folgen), um herausfinden, ob sie sich durch eine realistischere, glaubwürdigere Charakterentwicklung auf kluge politische Kommentare konzentrieren oder ihr Ziel durch bloße Karikatur erreichen will. Insbesondere Carells Auftritt als Naird scheint sich in jeder Folge ein wenig zu ändern, vom facettenreichen Elternteil zum reinen Patrioten bis zu einem Sergeant Hartman aus Full Metal Jacket.

Das bedeutet aber zum Glück nicht, dass Space Force nicht gut ist, denn das ist es. Zum einen ist die inhärent politische Satire größtenteils auf dem Punkt angerichtet und es ist somit eine der effektiveren Methoden für Akteure, die das Chaos, die Unentschlossenheit und den letztendlich unorthodoxen Charakter der gegenwärtigen Präsidialverwaltung Amerikas darzustellen versuchen. Wenn ihr damit nicht einverstanden seid, dann werdet ihr die Show vielleicht nicht sehr unterhaltsam finden, denn diese Haltung ist für die Entwicklung der Erzählung von zentraler Bedeutung. Unabhängig davon kann man jedoch mit Sicherheit sagen, dass Space Force effektiv ist, in dem was es tut - zumindest wenn es weiß, was es will machen.

06 Gamereactor Deutschland
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