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Splinter Cell: Blacklist

Splinter Cell: Blacklist

Bei der Suche nach seiner entführten Tochter gab es in Sachen Brutalität bei unserem letzten Aufeinandertreffen mit Sam Fisher keine Grenzen. Die Schmach von Splinter Cell: Double Agent und seinen schwächelnden Gegnern konnte Splinter Cell: Conviction damit wieder wettmachen. Aber eine Frage bleibt: Wie geht es jetzt mit der Splinter Cell-Serie weiter?

Die Nachrichten von CNN flackern über den Bildschirm. Der Sprecher berichtet schnell und mit kräftiger Stimme über die Besetzung des Iraks durch die Amerikaner. Neben einer Reihe realer Bilder folgt die Geschichte eines geistig gestörten U.S.-Soldaten, der den Massenmord an Zivilisten gesteht. Und zwischen die Eindrücke von patrouillierenden amerikanischen Einsatzkräften schieben sich dann immer wieder Ölpflanzen.

Plötzlich hören wir eine elektronisch verzehrte Stimme mit unverkennbarer Abscheu, wenn auch undeutlich, über die Nachrichtensendung sprechen. Als die Stimme langsam leiser wird, rollen die Augen des Nachrichtensprechers nach hinten und die Worte "WE ARE THE ENGINEERS" erscheinen auf dem Bildschirm. Amerikas eigenmächtige Rechtfertigung für Besetzung und Invasion sowie ihre allgemein arrogante Art als Weltmacht, kommen nun auf das Land zurück. Sie fördern eine völlige neue Gruppe radikaler Terroristen zutage.

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Der Stil des Vorgängers wird auch im neuen Spiel fortgesetzt.

Sam Fisher befindet sich unterdessen im umgebauten Hercules-Transportflugzeug und betrachtet das Video. Er weiß, für ihn bedeutet das die Rückkehr zur Arbeit im Schatten seiner Gegner. Und die Rückkehr zu dem markanten Nachtsichtgerät mit den drei grünen Linsen. Und natürlich macht er sich an die Arbeit - aber nicht wie gewohnt. Denn obwohl sich unsere Gegner Ingenieure nennen, sind sie weit von den gemütlichen Uni-Typen in Rollkragenpullovern entfernt, die Mal eben beim Biertrinken aus einer Armbanduhr einen Zweitaktmotor basteln.

Auf der Agenda der Ingenieure steht stattdessen das Platzieren von Bomben und chemischen Waffen - und zwar im großen Stil. Das bekommt Amerika gleich aus erster Hand zu spüren, als eine ihrer größten Militärbasen in Guam beinahe vollständig zerbombt wird. Als Reaktion gründet die Präsidentin Fourth Echelon, eine neue Anti-Terror-Gruppe, deren Führung und Zusammenstellung Sam Fisher übertragen wird. Damit findet sich der Agent das erste Mal selbst in der Rolle als Anführer einer eigenen Einheit wieder.

In einer Demo-Version, die wir an einem Nachmittag in Paris anspielen, folgen wir in der Rolle von Sam Fisher den Spuren eines alten "Freundes", der sich selbst bei der CIA-Stelle in Bengasi, Libyen, gestellt hat. Durch falsche Informationen werden wir aber zunächst in die Irre geführt und finden die Quelle später tot in einem Kontor. In einer Zwischensequenz erhalten wir dann aber in bester Splinter Cell: Conviction-Manier neue Informationen, die an die Wand projiziert werden. Obwohl das eine starke und vor allem intensive Atmosphäre schafft, kann man sich natürlich fragen, ob Sam die vielen Details überhaupt sehen kann und viel wichtiger, ob er sie auch versteht oder ob sie lediglich für den Spieler dort angebracht wurden.

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Sam Fisher meldet sich zurück und kämpft gegen eine terroristische Bedrohung.

Als wir die Kontrolle über Sam übernehmen, fallen sofort die sehr viel flüssigeren Animationen auf. Der Sam Fisher aus Splinter Cell: Conviction war ein wenig schwerer zu bewegen und schien beinahe am Bildschirm zu kleben, wenn er rannte. Diesmal ist alles merklich schneller und flüssiger. Das zeigt sich vor allem bei einem K.O.-Schlag, der eine direkte Weiterentwicklung von Sams Angriff aus Splinter Cell: Conviction ist und bei dem wir unseren Feind mit bloßen Händen zerlegen. Einmal ausgeführt eröffnen wir uns so nämlich die Möglichkeit, im Anschluss gleich mehrere Gegner auf einmal zu erledigen. Wählt Sam drei Gegner an, rennt er zunächst auf den ersten zu und wirft ihn nieder. Dann schießt er in einer einzigen flüssigen Bewegung auf die verbleibenden Wachposten. Das mag jetzt vielleicht nicht extrem wild klingen, funktioniert aber im Zusammenspiel mit den hektischen Gefechten auf den arabischen Dächern wirklich gut und sorgt gleich für ein bisschen frischen Wind in der Serie.

Auch schön: Ubisoft will uns diesmal stärker für unsere Anstrengungen belohnen. Für jeden erledigten Gegner gehen deshalb direkt ein paar Dollar auf Sams Konto. Das gilt sowohl für den Koop-Modus als auch für Einzel- und Mehrspielermodus. Mit dem nötigen Kleingeld kaufen wir Verbesserungen für Waffen wie etwa Schalldämpfer, Laservisiere oder Magazine. Daneben wird auch das Nachtsichtgerät aufgebessert und Sam mit neuen Anzügen und Verkleidungen ausgestattet. Wer lieber das Transportflugzeug, das auf den Namen Paladin hört, aufmotzen will, kann das mit Radar und anderem Equipment tun. Das heißt aber nicht, dass wir es bei Splinter Cell: Blacklist mit einem Flugsimulator zu tun bekommen. Stattdessen wird etwa das Radar zum Anzeigebildschirm für Sam, wenn er sich auf der Erde bewegt. Ein weiterer schöner Nebeneffekt ist mehr Platz, den wir so zur Verfügung gestellt bekommen, um all unsere Waffen und Ausrüstungen im Waffenschrank zu lagern.

Waffen bleiben aber diesmal nicht Sams einzige Verteidigungsmöglichkeit, immerhin übernimmt er die Kontrolle über ein Team von Spezialisten. Darunter befindet sich auch die stets eloquente Anna Grimsdottir. Im Laufe des Spiels bekommen wir es noch mit einer ganzen Reihe neuer Charaktere zu tun. Während wir also mit der Paladin zwischen zwei Missionen umherfliegen, gibt es die eine oder andere Nebenmission zu absolvieren, die sich leicht über das Missionsmenü finden lassen. Die gesamte Aufmachung und die Art und Weise, in der das geschieht, erinnert dabei stark an Shepards Rolle in den Mass Effect-Spielen und sogar ein wenig an Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots. Sicher wird sich Ubisoft also nicht geärgert haben, dass Bioware in Kanada geblieben ist und der Quell der Inspiration damit nur einen Katzensprung entfernt bleibt.

Zurück in Bengasi führt Sams Spur zu einem nahegelegenen Gefängnis. Durch das Fenster des Interview-Raumes erkennen wir Kobin. Das ist eben jener Dealer, der in Splinter Cell: Conviction vorgab, Sams Tochter getötet zu haben. Mit einem Fuß in einer Wanne voll Wasser und den Anschlüssen einer Autobatterie an den Brustwarzen, kann man nicht gerade behaupten, dass er es sich mit einem arabischen Verwöhnprogramm gut gehen lässt. Mit drei Knopfdrücken werfen wir uns durch das Fenster, setzen dann die erste Wache außer Gefecht und schicken zwei Kugeln in Richtung der beiden anderen. Wie wir mit unseren Gegnern umspringen, fühlt sich dabei erheblich intensiver an.

Auch deshalb soll der Stil des Spiels für jeden Splinter Cell-Fan geeignet sein, erklärt mir Patrick Reddington, Game Director bei Ubisofts, nach dem Anspielen. "Wir haben drei unterschiedliche Typen. Es gibt den Geist, der seine Energie zum Schleichen verwendet, niemals einen Schuss abgibt, geschweige denn einen Gegner auch nur berührt. Und es gibt natürlich das komplette Gegenteil: den Angreifer, der keinen Kampf auslässt. Die meisten Spieler kombinieren aber beide Möglichkeiten. Sie warten in den Schatten auf den perfekten Zeitpunkt und schlagen dann still und leise zu wie ein Panther. Wir haben einen Weg gefunden, diese drei Typen von Spielern gleichermaßen zu belohnen."

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Der Agent ist agiler und die Action ist fllüssiger als in den bisherigen Spielen.

Das demonstriert er dann auch gleich anhand seiner eigenen Punkte, die sich in drei Kategorien aufteilen und deren Balken sich wiederum durch die Aktionen in den drei Stilen füllen. Obwohl wir in Bengasi auch Schleichmissionen erleben, gibt es vor allem jede Menge fette Action-Sequenzen. Das Tempo erinnert dabei stark an Ghost Recon: Future Soldier. Aber es geht auch anders.

Zurück an Board des Transportschiffes werfen wir deshalb einen Blick in eine spätere Mission. Sams Aufgabe hier: Eine Terrorzelle im Stadtzentrum Londons stoppen. Uns erwartet starker Regen, der auf das Industriegelände prasselt und nur die Lichter der Scharfschützen-Laser stehen Sam und seinen Sensoren gegenüber. Vor jeder Mission wählen wir aber zunächst unsere Ausrüstung und kaufen Verbesserungen. Besonders gefallen hat mir die schnelle Armbrust, denn mit der schießen wir gleich gezielt in die Brust des ersten Gegners.

Wie durch ein Wunder gelangen wir mit unserem alten Freund David in den Keller, in dem wir bereits vor einem Jahrzehnt im Originalspiel unterwegs waren. Hier gibt es auch gefühlsmäßig ein Wiedersehen mit dem klassischen Splinter Cell. Wir kriechen also 90 Prozent der Zeit durch die schützenden Schatten. Dann die Anweisung: Wir müssen unbemerkt an allen Wachen in den nächsten Bereich vordringen. Dort heißt es, einen Sender in einem mit chemischem Nervengas gefüllten Van zu platzieren. Der Unterschied zwischen den eher schnellen Aktionen in Libyen und den ruhigen Schleichpassagen in London ist offensichtlich und zwar aus gutem Grund.

Splinter Cell: Blacklist
Ubisoft will Freunde von Action und Stealth gleichermaßen zufriedenstellen.

Nachdem die eigentliche Trilogie bereits 2005 zu Ende ging, widmete Ubisoft zweimal dem Splinter Cell-Franchise und Sam Fisher. In Splinter Cell: Double Agent wurden Mord und Terrorismus zu einem festen Bestandteil in Fishers täglicher Arbeit und schließlich präsentierte uns Ubisoft in Splinter Cell: Conviction einen eher rachsüchtigen, gesetzlosen Mann. Das ist nun fast drei Jahre her, aber Splinter Cell: Conviction ließ uns trotzdem ratlos zurück. War es nun ein Schleich- oder Action-Spiel?

Wenn es nach Produzent Andrew Wilson geht, soll gerade Splinter Cell: Blacklist diesen Unterschied nun aber ein für alle Mal ausräumen. "Wir hatten einige Spieler, die Splinter Cell: Conviction wirklich mochten und dazu weiterhin einige Enthusiasten der alten Splinter Cell-Spiele. Unser Ziel ist ein Splinter Cell, dass jeder genießen kann."

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