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Story of Seasons: Pioneers of Olive Town

Story of Seasons: Pioneers of Olive Town

Wir haben uns als Hobby-Landwirt in Olivingen niedergelassen und bauen zusätzlich zu unserer eigenen Farm auch direkt die kleine Hafenstadt mit aus.

Im vergangenen Jahr erhielten wir mit Story of Seasons: Friends of Mineral Town die Neuauflage eines GBA-Klassikers, der für mich damals gleichzeitig der Einstieg in die Harvest-Moon-Serie darstellte. Mit Story of Seasons: Pioneers of Olive Town veröffentlichen Marvelous ein völlig neues Abenteuer in der langlebigen Farm-/Lebenssimulationsreihe. Diesmal bauen wir nicht nur unsere eigene Farm und unser persönliches Familienglück auf, sondern bringen zugleich neues Leben in die kleine Hafenstadt Olivingen. Glücklicherweise gibt es immer einen Großvater da draußen, der seinem Enkelkind eine alte, verwahrloste Farm vermacht, die es wieder aufzubauen gilt.

Zuallererst ist es sicherlich angebracht, die verwirrende Rechtesituation rund um die Story-of-Seasons- und Harvest-Moon-Franchise anzusprechen. Um die Lokalisierung des ersten (japanischen) Harvest-Moon-Titels zu ermöglichen, schlossen sich die Entwickler, die heute weitestgehend unter Namen Marvelous bekannt sind, mit dem Publisher Natsume zusammen. Bis zum Jahr 2014 wurde die Zusammenarbeit fortgesetzt, doch dann beschlossen Marvelous, dass XSEED von nun an die Lokalisierung der Harvest-Moon-Reihe fortführen sollte.

Da Publisher Natsume weiterhin die Namensrechte besitzt, musste Marvelous das Franchise unter einem neuen Namen fortzuführen - Story of Seasons. Um es auf den Punkt zu bringen: Natsume führt unter dem alten Namen "Harvest Moon" eine eher auf mobile Spieler ausgerichtete Spielereihe fort, während sich Marvelous mit "Story of Seasons" an die Spielerschaft der klassischen Harvest-Moon-Titel richtet. Nun da wir das geklärt hätten, machen wir uns endlich auf den Weg nach Olivingen.

Auch in der neuen Ortschaft haben sich die Grundprinzipien des Franchise nicht verändert: Das alte Land muss hergerichtet werden, mit einem gut gefüllten Feld und Tierzucht verdienen wir unser Geld und im Laufe der vier Jahreszeiten erwarten uns verschiedene Events, wie die Pilzjagd oder das Geisterfest. Wir bauen Freundschaften und möglicherweise auch eine Romanze auf, die letztendlich zur Hochzeit und zur Gründung der eigenen Familie führt. Je länger wir uns in Olivingen aufhalten und uns dem Ausbau der eigenen Farm widmen, umso offensichtlicher wird es, dass Marvelous die vergangenen Jahre keineswegs geschlafen hat und seine Pferde nicht nur auf den Nostalgiefaktor setzt.

Sämtliches Gameplay ordnet sich im Grunde genommen unseren zwölf Fertigkeiten unter. Dazu zählen die klassischen Aktivitäten, wie das Abholzen von Bäumen, die Tierpflege und das Schürfen von Felsbrocken. Genauso gut können wir uns jedoch die Zeit mit Kochen, dem Imkern oder dem Kultivieren von Pilzen vertreiben. Wer sich stattdessen eher für die Tierhaltung und -zucht interessiert, der kann sich freuen, denn neben Kühen, Schafen und Hühnern warten Ziegen, Alpakas und Kaninchen auf euch. Egal ob ihr euch als Alleskönner, gelernter Imker oder Tierwirt ausleben möchtet, Story of Seasons: Pioneers of Olive Town hält den Spielern alle Türen offen.

Besonders gut funktioniert der Ausbau der Farm als kontinuierlicher Anreiz zum Weiterspielen. Hindernisse, wie kaputte Brücken oder ein Steinbruch, trennen uns von zusätzlichen Bereichen, mit denen wir unsere Farm vergrößern können. Während die benötigten Ressourcen zur Reparatur der Hindernisse zusammengesucht werden, locken von weitem bereits neue Elemente, wie umherlaufende Alpakas oder ein zerfallener Pferdestall. Neben der Fläche des Hofes können auch die Ställe, das Silo und das eigene Haus kontinuierlich ausgebaut werden, sodass es immer ein neues handwerkliches Ziel vor unseren Augen gibt. Doch all die Arbeit kostet nicht nur wertvolle Zeit, sondern auch Gold und massig Ressourcen. Um den neuen spielerischen Fokus der Expansion gerecht zu werden, präsentiert Marvelous den vielleicht bedeutendsten Einschnitt in das altbekannte Gameplay der Reihe: Die sogenannten Fertiger.

Story of Seasons: Pioneers of Olive Town
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Ähnlich wie bei Animal Crossing: New Horizons ist die Stadt auf unsere handwerklichen Leistungen angewiesen, um den Ort in eine Touristenattraktion zu verwandeln.

Dabei handelt es sich um Maschinen, die sich der Umwandlung oder Verarbeitung von spezifischen Items widmen. Ein Käsefertiger wandelt Milch in Käse um, der Strickgarnfertiger verwandelt ein Büschel Wolle in Strickgarn und der Bauholzfertiger presst das frisch gehackte Holz in die passende Form. Stardew-Valley-Spielern sollte das Ganze vertraut vorkommen, denn im Grunde genommen bedient sich Pioneers of Olive Town an einem bekannten Prinzip der Herstellung und Weiterverarbeitung von Items.

Die Masse an unterschiedlichen, herstellbaren Items führt wiederum zu einem umfangreichen Crafting-Katalog, der von Zäunen, Wegen und Lampen, bis hin zu dekorativen Objekten wie einer Pflanze in Kuhform, einem Springbrunnen oder einer Holzbank reicht. Somit können wir unserem Hof zum ersten Mal mit dekorativen Objekten eine persönliche Note verleihen. Die Ergänzung der Fertiger und die vielen Herstellungsmöglichkeiten passen perfekt in das anderweitig bekannte Spielprinzip der Reihe und liefern ein unterhaltsames Spielerlebnis. Das sorgt dafür, dass ich mich immer wieder für mehrere Stunden in Olivingen verliere, wenn ich eigentlich nur kurz meine Tiere versorgen wollte...

Die große Auswahl an Kleidung, Frisuren und anderen Gestaltungsmöglichkeiten unserer Figur, im Zusammenspiel mit der Personalisierung des Hofes, offenbart einen weiteren Einfluss, den sich Marvelous zunutze macht: den des Animal-Crossing-Franchise. Zwar sind wir nicht der Bürgermeister von Olivingen, doch ähnlich wie bei Animal Crossing: New Horizons ist die Stadt auf unsere handwerklichen Leistungen angewiesen, um den Ort in eine Touristenattraktion zu verwandeln. Aushänge für Auftragsarbeiten im örtlichen Rathaus verraten uns von Zeit zu Zeit, welche Ressourcen zum weiteren Ausbau der Stadt benötigt werden. So erhält Olivingen nach einer erfüllten Auftragsarbeit zum Beispiel eine neue Modeboutique, in der wir neue Kleidung in Auftrag geben können, neue Bänke oder auch Straßenlaternen. Das zieht mehr Touristen an, die über die Fähre unsere neue Heimat besuchen.

Weniger gut funktionieren bei mir die neuen Anreize im Bereich zusätzlicher Aktivitäten, da ich sowohl an der Präsentation des Museums als auch bei der Einrichtung unserer eigenen vier Wände etwas auszusetzen habe. Das erweiterbare Eigenheim wird den Vorstellungen der Inneneinrichtung nicht wirklich gerecht, denn obwohl es reichlich Möbel zu ergattern gibt, mit denen wir unser Haus schmücken können, sind die Positionen, auf denen die Möbel platziert werden, stark begrenzt. Dadurch scheint sich alles irgendwie immer in die linken, unteren Ecke des geräumigen Hauses zu drängen.

Während das Museum in Animal Crossing: New Horizons vor allem durch die individualisierte Aufmachung und durch die optische Präsentation der gesammelten Objekte begeistert, fungiert die Ausstellung in Olivingen als uninspiriertes Sammelalbum. Gefundene Schätze werden im Museumsraum auf einem selbstgewählten Podest-Platz präsentiert, doch im Grunde genommen gleicht die Ausstellung einer langweiligen Aneinanderreihung grauer Podeste mit verschiedenen Objekten. Ebenso sieht es bei den Fischen aus, die in ihrem quadratischen Aquarien nicht voneinander zu unterscheiden sind, da beispielsweise jede Unterart einer Krabbe in ihrer Präsentation identisch aussieht. Somit wirkt das Museum in seiner Funktion als Sammelanreiz eher unansprechend.

Während neue Elemente wie der Fertiger und der Fokus auf den stetigen Ausbau der Farm also wunderbar funktionieren, hakelt es ein wenig, was die neuen Elemente außerhalb der landwirtschaftlichen Gameplay-Schleife und den sozialen Aspekten des Spiels betrifft. Unabhängig davon funktioniert das abgewandelte Spielprinzip von Pioneers of Olive Town deshalb so gut, weil es die Arbeit der Spieler wertschätzt und die investierte Zeit mit einem schicken neuen Stall, einem neuen Bereich oder anderen Spielelementen belohnt. Manchmal ist es schwierig, die Arbeit auf dem Hof mit der Sozialisierung der örtlichen Bewohner zu verbinden, sodass einer der beiden Bereiche gefühlt immer etwas zu kurz kommt.

Story of Seasons: Pioneers of Olive Town
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Manchmal ist es schwierig, die Arbeit auf dem Hof mit der Sozialisierung der örtlichen Bewohner zu verbinden, sodass einer der beiden Bereiche gefühlt immer etwas zu kurz kommt.

Zwischendurch verpasste ich einige Events, weil ich noch unbedingt die letzten Materialien für einen neuen Ausbau zusammensuchen wollte, und auch anderweitig konzentrierte ich mich lieber auf den eigenen Hof, als auf das Stadtleben. Doch das ist die Magie des Spiels, denn genauso gut könnt ihr in eurer Spielzeit eine Liebschaft finden, das Haus erweitern und eine Familie gründen. Wie und in welcher Reihenfolge wir den vielen spielerischen Möglichkeiten in Olivingen nachkommen, wird ganz uns überlassen.

Die einzigen Momente, die meine anderweitig durchweg positive Spielerfahrung mit Story of Seasons: Pioneers of Olive Town unterbrachen, waren technischer Natur. Als ich zum Eierjagd-Event im Frühling mein Haus verlassen wollte, stürzte das Spiel auch nach mehreren Versuchen ab, weshalb ich mich widerwillig ins Bett legen musste und gezwungen war, das Event zu verschlafen. Ein anderes Mal zwang mich ein Sound-Bug (der Moped-Motor war konstant zu hören, selbst im Hauptmenü) dazu, das Spiel neu zu starten. Beide Fehler traten nur einmal auf, sollte ich vielleicht dazu sagen. Dauerhafter Natur waren die Framerate-Einbrüche, die jedes Mal auftraten, wenn ich eine Region meiner Farm schnell mit dem Moped oder auf dem Rücken meines Pferd durchkreuzte. Einige Elemente laden sichtlich zeitverzögert nach und das Bild friert ab und zu für ein bis zwei Sekunden ein.

Aufgrund der teilweise doch sehr lästigen Framerate-Einbrüche und anderen, technischen Mängeln auf der Switch, zweifelte ich zuerst an meinem sehr positiven Fazit zum Spiel. Doch meine Hoffnung, dass die groben Probleme mit Hilfe eines Patches aus der Welt geschafft werden, die vielen Stunden Spaß, die Sogwirkung, sowie die Vorfreude auf kommende Inhalte, haben in meiner persönlichen Einschätzung letztendlich überwogen. Wer sich daran stört, sollte mit seinem Kauf vielleicht noch ein wenig warten.

Story of Seasons: Pioneers of Olive Town macht das Beste aus seiner neuen Identität und erweitert das zuvor als Harvest Moon bekannte Franchise mit neuen Ideen, um die veränderten spielerischen Vorlieben seiner wachsenden Fan-Gemeinde zu berücksichtigen. Elemente wie die altbekannten Erntewichtel werden auf diese Weise zu Arbeitergnomen und die 2D-Sprites unseres Gesprächspartners samt Herzen-Anzeige verschwinden, doch der Charme der Serie (inklusive der mittlerweile ikonischen Tier-Designs) geht bei diesem neuen Titel nicht verloren. Es ist genau diese Balance aus Nostalgie und Innovation, die es erneut geschafft hat, mich auf meinen mittlerweile gut ausgebauten Bauernhof zu fesseln.

Story of Seasons: Pioneers of Olive Town fühlt sich wie ein gelungener Schritt nach vorne an, der sich nicht nur auf die nostalgischen Erinnerungen einer alternden Spielerschaft stützt. Meine Zeit in Olivingen ist noch lange nicht vorüber, denn mit der Ankündigung eines Erweiterungspasses, der neue Heiratskandidaten, weitere Abenteuer und zusätzliche Gebiete in das Spiel hineinbringen wird, werde ich wohl noch eine Menge Zeit mit meinen Tieren in Olivingen verbringen. Der Titel ist ab dem 26. März exklusiv auf der Nintendo Switch erhältlich und der Erweiterungspass wird zeitgleich für 19,99 Euro im Nintendo eShop verfügbar sein. Die einzelnen Inhalte des Erweiterungspasses werden über das Jahr verteilt veröffentlicht.

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Die Ergänzung der Fertiger und die vielen Herstellungsmöglichkeiten passen perfekt in das anderweitig bekannte Spielprinzip der Reihe und liefern ein unterhaltsames Spielerlebnis.
09 Gamereactor Deutschland
9 / 10
+
Fertiger und deren automatisierte Herstellungsmechanik baut das altbekannte Spielprinzip sinnvoll aus, kontinuierlicher Ausbau der Farm kombiniert führt neue Inhalte ein, Individualisierung der Figur und der Farm bringen eine persönliche Note ins Spiel...
-
...Elemente wie das Museum und die Inneneinrichtung wirken jedoch etwas halbherzig umgesetzt, Switch-Version leidet unter Framerate-Einbrüchen beim Laden der Farm-Regionen.
overall score
ist die Durchschnittswertung von Gamereactor. Wie hoch ist eure Wertung? Die Durchschnittwertung aller Gamereactor-Redaktionen wird aus den Wertungen in allen Ländern erhoben, in denen es lokalen Gamereactor-Redaktionen gibt

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