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Tekken 6

Tekken 6

Nach fast fünf langen Jahren ist Namcos Iron Fist Tournament zurück, um der nach wie vor unsympathischen Familie Mishima eine ordentliche Tracht Prügel zu verpassen...

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Sie wurden schon fast als ausgestorbenes Genre betrachtet, aber nach der Veröffentlichung von Soul Calibur IV vor knapp einem Jahr ging es für die Prügelspiele noch einmal richtig rund. Seitdem haben wir Street Fighter IV und King of Fighters XII bekommen und Blazblue ist noch in der Pipeline. Und natürlich Tekken 6. Es ist nun schon ein halbes Jahrzehnt her, dass wir das letzte Mal die Chance hatten, am King of Iron Fist Tournament teilzunehmen. Das war in Tekken 5, einem der mit Abstand besten Prügler der letzten Generation.

Was hat das Tekken-Team von Namco also die letzten fünf Jahre so getrieben? So richtig klar wird das erst einmal nicht. Auf den ersten Blick schaut Tekken 6 etwas veraltet aus und fühlt sich merkwürdig stark wie Tekken 5 an. Was natürlich nichts Negatives ist, denn der Titel war noch bis vor kurzem ein Dauerbrenner, nicht nur in unserer Redaktion.

Kampfspiele müssen gegen menschliche Gegner gespielt werden, dass ist klare Grundregel. Allerdings gehört Namco zu jenen Entwicklern, die durchaus Zeit und Anstrengung ins Spiel investieren, um diverse unterhaltsame Spielmodi in ihre Prügler zu integrieren. Daher wird auch jemand, der keine Freunde oder kein zweites Gamepad hat, Spaß mit Tekken 6 haben. Neben dem Kampagnenmodus gibt es die Spielmodi Arcade, Ghost Battles, Survival, Time Trial und natürlich einen Trainingsmodus.

Auch wenn sich die meisten Modi mehr oder weniger selbst erklären, sticht vor allem Ghost Battles heraus und entpuppt sich schnell als neuer Favorit. Es geht darum, am laufenden Band Gegner verschiedener Stärke zu verprügeln und als kleines Schmankerl darf sich nach jedem Sieg der nächste Gegner selbst auswählt werden. Es ist sehr angenehm, dass so vermieden wird, sich mit den eigenen Hassgegnern herumzuschlagen. Das macht die Kämpfe umso spaßiger, während Namcos virtuelle Währung in die virtuelle Geldbörse hineinrasselt.

Geld ist wichtig in Tekken 6 - und am einfachsten ist das Geld verdienen im dem Tekken Force sehr ähnlichen Spielmodus Scenario Campaign. Treu den eigenen Gewohnheiten hat Namco das sechste Spiel der Serie mit alternativen Spielweisen ausgestattet. Scenario Campaign ist ein Beat'em-up-ähnliches Konzept, in dem man sich durch bestimmte Level hindurch boxen soll. Leider ist der Modus absolut daneben. Wir reden hier von einer holperigen und ruckelnden Spielkontrolle, bei der nichts irgendein fühlbares Gewicht zu haben scheint. Das Spielen fühlt sich an, als würde ein Bündel lose zusammengesetzter, mit Helium gefüllter Polygone gesteuert werden.

Auch in den Kämpfen kann man sich nicht so gut bewegen. Der Nahkampf funktioniert ebenfalls nur schlecht. Und wer zufällig stirbt, weil er niedergestreckt oder von einem der merkwürdig häufig vorkommenden Bug erwischt wurde, muss von vorne anfangen. Da gibt es kein Pardon - noch nicht einmal bei Bosskämpfen. Es gibt aber eine Menge Kohle zu verdienen, mit der der eigene Charaktere gestylt werden kann. Das ist wirklich der einzige Grund, wieso jemand länger als fünf Minuten in diesem schlimmen Spielmodus ausharrt.

Ganz wie in der Tekken-Serie üblich, ist jede Taste an einen Arm oder ein Bein des Kämpfers gekoppelt. Das macht Tekken weniger komplex als Street Fighter IV oder Soul Calibur IV, wo es für den Unwissenden nicht immer ganz glasklar ist, was jede Taste macht. Dies ist eine der wirklichen Stärken der Serie: Auch Tekken 6 ist so unglaublich leicht zu spielen, dass alle mitmachen können und sofort verstehen, wohin die Reise geht.

Was aber nicht heißt, dass frenetisches Tastendrücken wirklich irgendwas bringt. Tekken 6 hat eine fantastische Spieltiefe, die mit jedem Ausprobieren wächst. Schnell lernt man die Vorzüge rhythmisch eingegebener Tastenkombination. Alles muss in Betracht gezogen werden. Und vor allen die Kontermöglichkeiten sind hervorragend, wie sowieso das gesamte defensive Spiel.

Eine der großen Neuerungen, die Namco für Tekken 6 entwickelt hat, ist Rage. Ein adrenalinintensiver Zustand, in den wir geraten, wenn die eigene Energie ein beunruhigend niedrige Niveaus erreicht. Rage bedeutet, dass wir bedeutend mehr Schläge austeilen können als sonst und damit die Möglichkeit bekommen, schnell den Energiebalken des Gegners zu dezimieren. So lässt sich ein verloren geglaubtes Match vielleicht noch kippen. Auch wenn Rage passabel funktioniert, macht es nur selten einen wirklichen Unterschied. Es fühlt sich eher so an, als hätte Namco diese Funktion nur mit hineingebastelt, um eine partout eine Neuerung präsentieren zu können.

Etwas, dass man wirklich nicht braucht, denn Tekken 6 fühlt sich besser und reibungsloser an als je zuvor und hat hohes Tempo sowie wahnsinnig gute Animationen. Während der Schlägereien befindet sich alles in einem seidenweichen Fluss und es dominiert das Gefühl einer fast perfekten Spielkontrolle, egal wie geschickt man spielt.

In einem noch nicht veröffentlichten Prügelspiel über die Balance zu diskutieren, ist eigentlich keine gute Idee. Welche Charaktere am besten und schlechtesten sind, das verändert sich üblicherweise im Laufe der Zeit. In den besten Kampfspielen kann eine kaum genutzte Figur nach ein paar Jahren plötzlich einen Aufschwung bekommen und sich als eine der besten entpuppen, weil jemand irgendwelche neuen Mörder-Moves gefunden hat.

Sechs neue Figuren sind seit Tekken 5 dazu gestoßen. Dazu gehören der massive Amerikaner Bob, der süßliche Charmeur Miguel, die etwas androgyne Leo und die bemerkenswerte Zafina. Außerdem gibt es die Roboterlady Alisa und den schwedischen Newcomer Lars, die aus dem Spielhallenvorbild namens Bloodline Rebellion stammen. Allen gemein ist, dass sie äußerst fähige Figuren zu sein scheinen, die zumindest auf Amateurniveau als sehr stark wahrgenommen werden.

Besonders Bob geht ungeübten Spielern auf die Nerven, weil schnell wie ein jamaikanischer Sprinter ist. Die Geschwindigkeit kombiniert er mit guten Angriffen sowie mit roher Gewalt. Aber nicht ganz so viel Gewalt, wie Lars sie anwendet, von dem behauptet wird, dass er ein uneheliches Kind von Heihachi ist. Wir vermuten, dass er für das nächste Dragon Ball-Spiel gedacht war und jetzt auf Grund eines Missverständnisses in Tekken 6 gelandet ist. Er ist einfach megastark und verheerend, trotz seiner ausgeprägten Son Goku-Frisur.

Am unterhaltsamsten von den neuen Charakteren ist die merkwürdige Alisa, die nur zu einem kleinen Prozentteil menschlich ist. Sie kann ihren eigenen Kopf als Bombe auf den Gegner schleudern, ihren Arm zu einer Motorsäge umwandeln und riesige Flügel ausklappen. Für manche ist dies wohl ein bisschen zu viel, aber Tekken hat noch nie Rücksicht auf Sinn und Verstand oder so etwas wie Logik genommen.

Jene, die Namcos letztes Kampfspiel Soul Calibur IV gespielt haben, erwartet eine etwas unschöne Überraschung in Sachen Technik. Obwohl schon Soul Calibur IV keine herausragende Optik bot, war es trotzdem ein richtig hübsches Spiel. Tekken 6 gibt es schon lange in den japanischen Spielhallen und Namco hat sich nicht besonders viel Mühe gegeben, es nennenswert aufzufrischen. Dadurch sieht es mit seinen schäbigen Gesichtern und kargen Umgebungen tatsächlich etwas alt aus. Klar gehen hier und dort Dinge kaputt und es passiert etwas im Hintergrund, aber allein die Animationen, die schnelle Bildwiederholrate und das Design retten die Grafiknote nach oben.

Dazu kommt, dass es in Tekken 6 lange Ladezeiten gibt. Teilweise kann dem abgeholfen werden, indem das Spiel auf der Xbox 360 installiert wird. Aber beide Konsolen werden von Ladezeiten heimgesucht, die deutlich länger als im Schnitt üblich sind. Alle, die Versionsvergleiche mögen, interessiert sicherlich, dass Tekken 6 auf der Playstation 3 fast genauso aussieht wie auf der Xbox 360. Auf der Playstation 3 ist das Anti-Aliasing besser, während die Version für Xbox 360 eine höhere Auflösung hat. Aber man muss wirklich ins Detail gehen, um nennenswerten Unterschiede zu erkennen.

Tekken 6 macht bereits vor seiner Veröffentlichung einen etwas veralteten Eindruck, was sich leicht damit erklären lässt, dass es bereits seit zwei Jahren in japanischen Spielhallen am Start ist. Aber von der schlichten Oberfläche sollte sich niemand täuschen lassen, denn Tekken 6 ist ein Prügelspiel, das auch Anfänger und Amateuren etwas bietet. Es ist kein neues Meisterwerk geschweige denn ein Meilenstein der Tekken-Serie, aber es ist ein verdammt gutes Kampfspiel, das sehr lange aktuell bleiben wird.

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08 Gamereactor Deutschland
8 / 10
+
Verdammt gute Spielkontrolle, gut gebautes Spielsystem, viel Inhalt, guter Online-Modus, schnelles Tempo, coole neue Fighter
-
Scenario Campaign sucks, alte Grafik, lange Ladezeiten
overall score
ist die Durchschnittswertung von Gamereactor. Wie hoch ist eure Wertung? Die Durchschnittwertung aller Gamereactor-Redaktionen wird aus den Wertungen in allen Ländern erhoben, in denen es lokalen Gamereactor-Redaktionen gibt

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