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Tell Me Why

Tell Me Why - Die ersten beiden Erinnerungen

Die ersten beiden Episoden sind bereits erhältlich, deshalb wird es für uns höchste Zeit, unsere ersten Eindrücke nachzureichen.

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Es gibt nur wenige Studios, die so kompetent bei ihrem Thema bleiben, wie Dontnod Entertainment. Das französische Studio, das mit Life is Strange berühmt wurde, hat sich eine eigene Nische bei den episodischen Abenteuern erschaffen. Das Genre ist in den letzten Jahren zu neuem Glanz aufgestiegen, scheint mit dem Ende von Telltale jedoch bereits wieder den vorläufigen Zenit erreicht zu haben. Die Stärken von Dontnod liegen nicht nur beim Schreiben von Geschichten, es ist auch die Art und Weise, wie sich das Studio sozialen und kulturellen Problemen nähert. Das Risiko, dabei in typische Klischees abzurutschen (dem viele gegenwärtige Filme, Bücher und Spiele erlegen), umschifft der Entwickler dabei größtenteils. Stattdessen erwecken sie Spiele zum Leben, die uns emotional packen - und das gilt nicht nur für die jeweils porträtierte Gruppe.

Nach der überraschenden Ankündigung von Tell Me Why im letzten November sind die ersten beiden Episoden des Spiels mittlerweile erschienen. Das neue episodische Abenteuer des Teams besteht aus drei Kapiteln und es erscheint exklusiv für Xbox und PC. Das Spiel hat mit seiner Thematik für einigen Wirbel gesorgt, da es sich unter anderem mit der Transsexualität eines der Protagonisten auseinandersetzt. Wenn ihr das Spiel selbst erlebt, werdet ihr feststellen, dass die Themen nie aufgezwungen wirken, sondern ganz natürlich behandelt werden. Genau dieser Aspekt hat mir an der ersten Episode besonders gut gefallen: Diversität wird im Spiel tatsächlich nie als solche wahrgenommen, denn das Studio hat hart daran gearbeitet, allem eine authentische Stimme zu verleihen.

Um sich dem Thema verantwortungsvoll zu nähern haben sich die Entwickler von Leuten beraten lassen, die die Schwierigkeiten von Transgender-Menschen aus eigener Erfahrung kennen. Das Spiel lässt euch diese Ungerechtigkeiten spüren, ist aber gleichzeitig ein hoffnungsvolles Märchen darüber, wie Videospiele als wichtiges Hilfsmittel Unterstützung sein können. Gleichzeitig wird eine emotionale Reise erzählt, bei der wir mehr über ein Thema lernen, das uns vielleicht völlig fremd ist. Lasst mich euch anhand der ersten Episode erklären, warum Tell Me Why ein Spiel für alle ist, die erzählerische Abenteuer lieben.

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Unsere Entscheidungen in den Ereignissen des Spiels werden ohne Zweifel großen Einfluss auf die Beziehung der Zwillinge haben.

Die Geschichte spielt im Jahr 2015 und sie schickt uns in ein verschlafenes Dorf in Alaska. Die Zwillinge Tyler und Alyson Ronan treffen sich nach zehn Jahren wieder, denn ihre gemeinsame Mutter ist kürzlich verstorben und nun müssen sich die Beiden um den Nachlass des Hauses kümmern, in dem sie als Kinder gelebt haben. Selbst das Öffnen der Tür ist, nach all den Jahren, schwerer als erwartet: Das alte Holzhaus, verloren inmitten eines Waldes, ist ein Ort der Erinnerungen, von denen einige sehr schmerzhaft sind.

Während sie dort sind und versuchen zu entscheiden, was sie an Erinnerungen behalten oder welche lieber abgeschüttelt werden sollen, stoßen Alyson und Tyler auf eine übernatürliche Fähigkeit, die sie jahrelang unterdrückt haben und mit deren Hilfe sie bestimmte Erinnerungen noch einmal erleben können. Doch unser Gehirn kann uns bekanntlich Streiche spielen, was ich deshalb hervorhebe, weil die letzten Monate, die die Zwillinge in dieser Stadt verbracht haben, lange hinter ihnen liegen. Jeder hat die Ereignisse anders abgespeichert und deshalb versuchen Alyson und Tyler mithilfe ihrer zurückgewonnenen Fähigkeit einige Geheimnisse der Vergangenheit zu lüften, die in diesem alten Haus für eine Dekade begraben lagen.

Das Studio hat ein gutes Gehör für Dialoge und hochwertige Geschichten, das erwähnte ich ja bereits. Schon in den ersten Episoden werden uns Twists serviert, die ich so sonst nur aus guten Serien kenne. Tell Me Why spielt mit den Gamern, macht sie neugierig und zieht sie in einen Strudel aus Geheimnissen hinein. Wir wollen hier natürlich nicht zu viel preisgeben, aber es zeigt sich deutlich, dass das Studio auch erwachsenere Themen besprechen kann. Besonders die Art und Weise, wie wichtige Details enthüllt werden und wie es die Spieler immer wieder packt, ist hierbei hervorzuheben.

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Jeder speichert vergangene Ereignisse anders ab und deshalb versuchen Alyson und Tyler mithilfe ihrer zurückgewonnenen Fähigkeit einige Geheimnisse der Vergangenheit zu lüften.

Tell Me Why hat ein schönes Tempo, frei von sinnlosen oder in die Länge gezogenen Momenten, die es in Life is Strange und seinem Nachfolger noch gab. Das neue dreiteilige Format lässt hoffen, dass die erzählerische Struktur ein wenig gestrafft wurde, aber das können wir noch nicht gänzlich einschätzen. Das Studio mag erwachsen geworden sein, aber einige der Eckpfeiler der früheren Dontnod-Spiele sind natürlich dennoch erhalten geblieben, darunter ein guter Soundtrack und die inszenatorische Ader der Zwischensequenzen. Die Musik ist wieder ein unterstützendes Element, ohne zu aufdringlich zu werden und ich mochte die langen Kamerafahrten über die unberührte Schönheit Alaskas. Auch die Nahaufnahmen der Protagonisten in dieser ersten Hälfte des Abenteuers sind gekonnt umgesetzt worden.

Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Dontnod-Titel waren schon immer unsere Entscheidungen und ihre Konsequenzen. Diese Mechanik findet sich auch in Tell Me Why wieder, ist bisher aber noch nicht richtig abzusehen. Unsere Entscheidungen in den Ereignissen des Spiels werden ohne Zweifel großen Einfluss auf die Beziehung der Zwillinge haben. Tell Me Why ist ein faszinierendes Spiel geworden - es nimmt sich komplizierte Themen mit großer Eleganz vor und bislang ist die Geschichte der Rona-Zwillinge packend geschrieben. Es muss sich jedoch noch zeigen, ob das Tempo beibehalten wird und ob das Spiel an die früheren Erfolge des Studios anknüpfen kann. Aber das werden wir schon in Kürze herausfinden, denn die letzte Episode wird schon nächste Woche erscheinen.

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KRITIK. Von Fabrizia Malgieri

Diese authentische und schmerzhafte Geschichte bestätigt Dontnods Talent beim Schreiben episodischer Grafik-Adventures.



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