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Torchlight II

Torchlight II

Diablo III zwar zweifellos ein riesiger Verkaufserfolg, aber die anschließende Kritik am Spiel war umfangreich und das ziemlich konstant. Natürlich ist es nicht einfach, ein Spiel herauszubringen, das mit solch hohen Erwartungen beladen ist. Aber im Umkehrschluss macht es die Entscheidung von Blizzard so fragwürdig, warum die Spielmechaniken so tiefgreifend geändert wurden.

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Zu den Gründern von Runic Games gehören auch die beiden Schafer-Brüder, die schon an der Diablo-Serie mitgewirkt haben. Aber solche Überlegungen haben den kleinen Entwickler offenbar nicht geplagt. Stattdessen hat sich das Team voll und ganz darauf konzentriert, die ziemlich solide Grundlage zu verbessern und zu erweitern, die mit dem originalen Torchlight geschaffen wurden.

Die Erfahrung des Entwicklers bemerken wir unmittelbar. Obwohl die Mädels und Jungs nicht über ein Riesenbudget oder ein Team von über hundert Leuten verfügen, zeigt Torchlight II ohne Umschweife wie selbstsicher es ist. Es wirkt wie ein Spiel, bei dem sich der Entwickler die nötige Zeit genommen hat, um alle Details auszuarbeiten - so wie es auf dem PC mittlerweile zur sehr selten der Fall ist. Nicht ein einziges Mal tauchen Probleme auf, die sich auf technische Aspekte oder die Spielmechaniken beziehen. Das hier ist ganz klar ein Projekt, in dem Leidenschaft und Können steckt.

Zu Beginn wählen wir zwischen vier verschiedenen Charaktertypen. Wir entscheiden über das Geschlecht und das Aussehen. Bei dem Embermage handelt es sich um die Torchlight-Version des Zauberers, während Berserker und Outlander jeweils die Rollen für Barbar/Nahkampfexperte und Ranger/Fernkämpfer abdecken.

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Ein neues Feature, über das jede der vier Klassen verfügt, ist ein Ladebalken.

In meinem Fall allerdings war es der Engineer, der die ganze Aufmerksamkeit auf sich zog. Tatsächlich hat Runic Games meiner Meinung nach mit diesem Charakter eine der interessantesten Klassen des Genres geschaffen. Er kann sowohl mit dem Fokus auf Nahkampf gespielt werden, ist aber genauso für Angriffe aus der Distanz geeignet. Dafür nutzt er ein breites Angebot von elektrischen Granaten bis hin zu fantastisch aussehenden Steampunk-Robotern.

Ein neues Feature, über das jede der vier Klassen verfügt, ist ein Ladebalken. Diese Leiste wird durch das Metzeln von Monstern und Nutzen verschiedener Zauber aufgeladen. Sie funktioniert für jeden Charakter und jede Fähigkeit anders. Sie kann beispielsweise genutzt werden, um den Magieschaden vom Engineer zu erhöhen. Oder sie versetzt den Berserker für sechs Sekunden unaufhaltbar in Zorn und lässt ihn vermehrt kritische Attacken austeilen.

Das Spiel ist so aufgebaut, dass es Freunden des Genres entgegen kommt und die Städte sind voller Menschen mit ganz verschiedenen Problemen. Helfen wir ihnen, werden wir mit Erfahrungspunkten und verzauberten Schmuckstücken belohnt. Bei einer Quest geht es in der Regel darum, Massen von Monstern plattzumachen, aber im Gegenzug für den beständigen Fluss von Fähigkeitspunkten, Ruhm und Erfahrung finden wir nur selten die Gelegenheit, uns darüber zu beklagen. Das ist ein ganz gewichtiger Punkt, an dem Runic Games wirklich auf die Spieler gehört hat.

Torchlight II
Die Städte bieten auch die Möglichkeit, den Charakter neu zu skillen und Fähigkeitspunkte umzuverteilen.

In jeder Stadt gibt es zwei Truhen. Eine ist dafür gedacht, um das Equipment des aktuellen Charakters zu sichern. Die andere wiederum kann von allen Charakteren genutzt werden. Wenn wir also mit unserem Embermage ein magisches Schwert für den Berserker finden, legen wir das einfach in der entsprechenden Truhe ab und schon kann dieser es beim nächsten Mal herausnehmen und ausrüsten.

In Städten finden wir auch die Händler, die verschiedene Verbesserungen für unsere Ausrüstung anbieten. Es gibt Orte, an den wir gemütlich nach magischen Fischen angeln können, die unser Haustier in eine monströse Bestie verwandeln. Freunde von Diablo werden voller Freude auch zur Kenntnis nehmen, dass der mysteriöse Händler mit seinem Angebot aus unidentifizierten und hochpreisigen Gegenständen den Weg in die Welt von Torchlight gefunden hat. Das heißt, dass wir mit etwas Glück einen Dämonenkiller erwerben, der den Göttern würdig ist oder aber unser Geld einfach nur aus dem Fenster werfen.

Die Städte bieten auch die Möglichkeit, den Charakter neu zu skillen und Fähigkeitspunkte umzuverteilen. Das war einer der großen Schwachpunkte des ersten Spiels. Das System hat allerdings einen entscheidenden Haken, denn wir können immer nur die letzten drei verteilten Punkte zurückkaufen. Wir müssen also weiterhin planen, wenn wir unseren Charakter aufleveln.

Das Haustier war eine der großen Besonderheiten des ersten Spiels und diesmal ist es noch wichtiger. Schon in der Vergangenheit war es ein gern gesehener Partner, weil es in die Stadt geschickt werden konnte, um unnötige Gegenstände zu verkaufen. Zudem beherrschte es verschiedene Zauber, konnte Gegenstände einsetzen und ließ sich in ein Monster verwandeln. Diesmal ist es sogar in der Lage, Tränke und Schriftrollen zu kaufen.

Auf diese Weise versucht Runic Games offenbar einen Mittelweg zwischen dem Heil-Orb-System von Diablo III und dem ansonsten nötigen Hin- und Herreisen zwischen Stadt und Dungeon, um sich neu auszurüsten. Und es funktioniert wirklich hervorragend. Es lässt sich kaum vorstellen, dass Vertreter des Genres in Zukunft nicht versuchen werden, irgendwie dieses schlaue System nachzuahmen.

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Die gewichtigste Neuerung aber ist ohne Zweifel die Ergänzung eines Multiplayers.

Die gewichtigste Neuerung aber ist ohne Zweifel die Ergänzung eines Multiplayers. Als das Team am ersten Torchlight gearbeitet hat, war schnell entschieden, dass ein Mehrspielermodus nicht Teil des Pakets sein würde. Einerseits hatte man bereits die Arbeit an einer speziellen Online-Variante begonnen, zum anderen aber würde es einfach zu viel Entwicklungszeit verschlingen. Was auch immer dann die Meinung des Teams geändert hat, wissen wir nicht. Aber ich bin sehr glücklich damit, dass Torchlight II nun über einen Multiplayer verfügt - denn der ist einfach überragend.

Das Fehlen von Tempo und Herausforderung, das wir in der Solo-Erfahrung manchmal erleben, wird rasch durch eine Vielfalt an Gegnern in allen Größen und Formen ersetzt. Das Spiel wird deutlich fordernder, aber wir kassieren auch bessere Beute. Zauber überstrahlen den gesamten Bildschirm in allen Farben des Regenbogens und nicht ein einziges Mal ist die Bildwiederholrate eingebrochen oder sind andere technische Macken aufgetreten.

Natürlich ist die Hektik und Vielzahl an Dingen, die auf dem Bildschirm gleichzeitig passieren, erst dadurch möglich, dass Runic Games nicht auf die neuesten, fettesten Effekte und fotorealistische Texturen setzt. Dafür aber können wir nicht den Entwickler verantwortlich machen, der sich stattdessen darauf konzentriert hat, das Beste aus einem ganz eigenen Stil herauszuholen. Torchlight II sieht grafisch einfach viel besser aus, als das Original. Eine deutlich größere Spielwelt hat Platz für vielfältigere Schauplätze und mehr Monster gemacht. Und trotzalledem ist es in erster Linie das seidenglatte, farbenfrohe Design, das Torchlight II so wunderschön macht. Erwähnenswert ist auch, dass die Systemvoraussetzungen überraschend niedrig sind - sogar dann, wenn wir mehr als 30 Gegner gleichzeitig auf dem Bildschirm haben.

Torchlight II
Das neue Abenteuer sieht grafisch einfach viel besser aus, als das Original.

Der Soundtrack stammt einmal mehr von Matt Uelmen und ist daher auch ohne große Verwunderung wieder sehr schön anzuhören. Der talentierte Komponist, der einst schon den ersten beiden Diablo-Abenteuern ihren unverwechselbaren Soundtrack geschenkt hat, greift erneut auf seine Gitarren zurück, um ein einzigartiges und mitreißendes Werk abzuliefern. Aus verschiedenen Gründen nimmt sich die Musik an einigen Stellen sehr zurück und verschwindet im Hintergrund. Das ist etwas schade, weil die Untermalung einfach wunderschön ist und ihren ganz eigenen Klang besitzt. Die Chance, für mehr Atmosphäre zu sorgen, geht dadurch ein wenig verloren.

Betrachten wir nun aber Elemente, die ein bisschen mehr Voraussicht verdient hätten und dazu gehört ohne Frage der Fähigkeitenbaum. Es ist mir zu oft passiert, dass mir bereits anfangs freigeschaltete Fähigkeiten interessanter und effektiver erschienen als ein paar der Skills, die es erst auf einem hohen Level gab. Das zerstört viel von der Spannung beim Aufleveln. Zudem ist das Spiel an manchen Stellen etwas öde, wenn man allein unterwegs ist. Ziemlich schnell wird klar, wie viel spaßiger und besser Torchlight II ist, wenn wir ein paar echte Freunde für das Abenteuer motivieren.

Die Kritik an Torchlight II aber bewegt sich auf einem Minimum und fällt sogar noch kleiner aus, wenn wir den extrem günstigen Preis mit einrechnen. Es sieht ganz so aus, als wusste Runic Games genau, was sie mit ihrem Nachfolger erreichen wollten. Die Spielbalance, das Tempo und all die farbcodierte Beute lässt uns das Spiel beinahe flüstern hören "Willkommen, willkommen zurück!" an all jene, die einen echten, spirituellen Nachfolger von Diablo II schmerzlich vermisst haben.

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09 Gamereactor Deutschland
9 / 10
+
wunderbarer Multiplayer, großartiges Abenteuer, hervorragendes Preis-Leistungsverhältnis
-
sparsame Grafik, Probleme bei den Fähigkeiten, alleine etwas öde
overall score
ist die Durchschnittswertung von Gamereactor. Wie hoch ist eure Wertung? Die Durchschnittwertung aller Gamereactor-Redaktionen wird aus den Wertungen in allen Ländern erhoben, in denen es lokalen Gamereactor-Redaktionen gibt

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