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Kritiken
Transference

Transference

Ob mit Headset oder ohne: Elijah Wood entführt uns in die virtuelle Realität!

Transference machte in letzter Zeit viel von sich reden, nicht zuletzt, weil der vor allem als Hobbit Frodo bekannte Schauspieler Elijah Wood bei dem Projekt als Game Designer fungiert. Es ist das erste Projekt seiner Filmfirma Spectrevision, die das Spiel nun in Zusammenarbeit mit Ubisoft veröffentlicht, und das auf allen großen Plattformen. Die Xbox One ist dabei das einzige System ohne die Möglichkeit, das Geschehen auch in VR zu erleben, während auf dem PC sowohl HTC Vive als auch Oculus Rift unterstützt werden und die Playstation-Fassung optional auf PSVR zu spielen ist - was wir für unsere Kritik getan haben.

Das Thema Virtual Reality ist integraler Bestandteil des multimedialen Projekts, das sich selbst als „interaktiver Film" bezeichnet. Ein relativ weit gefasster Begriff, zumal der größte Teil von Transference ganz klassisch über eine Game-Engine erzählt wird und die zweidimensionalen Videosequenzen mit Schauspielern nur spärlich eingesetzt werden.

Gleich zu Beginn erfahren wir, dass der Wissenschaftler Doktor Raymond Hayes eine Möglichkeit gefunden hat, das menschliche Bewusstsein in eine virtuelle Umgebung zu übertragen und der Spieler wird eingeladen, der Sache auf den Grund zu gehen. Dies geschieht im klassischen Gewand eines Walking Simulators, der genreüblich in einer menschenleeren, relativ leblosen Umgebung spielt. Wie bei Gone Home oder What Remains of Edith Finch ist besagter Schauplatz das Lebensumfeld einer Familie, in diesem Fall das kleine Apartmenthaus der Familie Hayes.

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In der typisch gemächlichen Art wandert der Spieler durch die Räume und wird in seiner Forscherlust durch diverse Rätsel gebremst. Digitale Glitches und unheimliche Gestalten sowie zahlreiche flüsternde Stimmen erzeugen dabei eine latent gruselige Atmosphäre, die an die jetzt schon legendäre P.T.-Demo von Hideo Kojima und Guillermo del Toro erinnert. Eine unglaublich große Zahl an Objekten kann vom Spieler in die Hand genommen werden, was von den flüsternden Stimmen der Familienmitglieder kommentiert wird.

Die kurzen Audioclips tragen viel zum Verständnis der Geschichte bei, die sich jedoch im Gegensatz zu den meisten anderen Walking Simulatoren nicht großartig entwickelt oder mit einem großartigen Twist endet. Lediglich die emotionalen Details und Hintergründe der drei Familienmitglieder erschließen sich mit der Zeit stärker. Besonders interessant ist bei der schrittweisen Erforschung des Hauses, dass die Räume in verschiedenen Zuständen existieren, die sich über Lichtschalter durchwechseln lassen. Was das zu bedeuten hat, ist eine der Fragen, die das Spiel ein Stück weit der Interpretation des Spielers überlässt.

Insgesamt kann man sagen, dass das Spiel eher von einem künstlerischen Anspruch getragen wird als von klassischen Spielmechaniken. Die Umgebung ist ansprechend und interessant gestaltet, viele Alltagsgegenstände wurden liebevoll in digitale Form gebracht und können von allen Seiten betrachtet werden. Die Atmosphäre ist sehr dicht und vermittelt ein gewisses Gefühl von Beklemmung und den alltäglichen menschlichen Dramen, in die wir bei einer uns fremden Familie Einblick erhalten.

In VR zeigt sich dabei einmal wieder, wie mächtig die Präsenz von menschlichen Figuren sein kann, auch wenn diese in Transference überwiegend nur schemenhaft dargestellt werden. Es blitzt hier und da mal ein Anzeichen von Genialität durch, ein kurzer Ausblick auf die umwerfende, Grenzen sprengende Erfahrung, die Virtual Reality eines Tages sein kann.

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Doch wie so oft muss man leider sagen, sind wir von diesem Ziel noch ein gutes Stück entfernt. Das Spiel, das die kompetenteste Studie des Storytellings in VR abliefert, ist und bleibt für mich Resident Evil 7: Biohazard, an das Transference in seinen besten Momenten erinnert. Natürlich ist es dabei deutlich weniger plakativ und versucht sich an einer subtileren, abstrakten Erzählweise, die mir jedoch zu wenig Entwicklung bietet und vor allem viel zu kurz ist.

Selbst wenn man sich Zeit lässt, den vielen Audioschnipseln lauscht und versucht, wirklich jeden versteckten Gegenstand zu finden, ist man mit dem Spiel in zwei Stunden durch und wird dabei wie gesagt nicht einmal mit einem Aha-Erlebnis verabschiedet, wie es viele andere Walking Simulatoren bieten. Das Einzige, was die Spielzeit noch verlängert, sind diverse Videoclips, die durch das Finden von Bildmedien wie Videocassetten und DVDs freigeschaltet werden können und weitere gefilmte Szenen des Familienlebens zeigen. Doch auch diese fügen der Story keine wesentlichen Elemente hinzu.

Unterm Strich ist Transference ein weiteres, sicherlich wertvolles Experiment mit den erzählerischen Möglichkeiten, die ein VR-Titel bietet. Für Spieler, die das nicht interessiert oder die den Titel sowieso nur als typischen Walking Simulator in 2D erleben wollen, erscheint mir der gebotene Content eindeutig zu mager - am Ende bleibt das Gefühl, das irgendetwas fehlt. Und damit meine ich nicht einmal unbedingt Elijah Wood, der im Spiel selbst überhaupt nicht auftaucht.

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06 Gamereactor Deutschland
6 / 10
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Dichte Atmosphäre, stimmungsvolles Grafik- und Sounddesign, abgefahrene Elemente und Ideen
-
Spielzeit mit unter 2 Stunden recht kurz, Story bleibt oberflächlich
overall score
ist die Durchschnittswertung von Gamereactor. Wie hoch ist eure Wertung? Die Durchschnittwertung aller Gamereactor-Redaktionen wird aus den Wertungen in allen Ländern erhoben, in denen es lokalen Gamereactor-Redaktionen gibt

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