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Serien-Kritiken

Westworld - Saison 3

Träumen Androiden von einer vierten Staffel? Wir haben die dritte Season angeschaut und vermuten es.

Die erste Staffel von Westworld war ein wegweisender Moment für diese neue Ära von Fernsehserien, die bewiesen hat, dass sie mit den größten und ambitioniertesten Kinoproduktionen mithalten können. Während Serien, wie House of Cards und Breaking Bad, als der wahre Beginn dieser Ära gelten, erschufen Jonathan Nolan und Lisa Joys eine stilistisch hochwertige und überraschend zusammenhängende erste Staffel, die zeigte, dass HBO so viel mehr ist, als nur die Plattform, für Game of Thrones.

Mit der zweiten Staffel wurde die geheimnisvolle und energiegeladene, ursprüngliche Prämisse nur teilweise fortgesetzt, denn der Versuch, den Geist wieder zurück in die Flasche zu bekommen, wurde inkonsistent und unzusammenhängend angegangen. Insgesamt war diese Staffel eine große Enttäuschung, die sogar die Zukunft der Serie infrage stellte. In gewisser Weise erinnert Saison 2 an die alte Redensart: „Je höher man fliegt, desto tiefer der Fall".

Die neuste und dritte Staffel hatte deshalb eine große Last auf ihren Schultern zu tragen. Glücklicherweise konnte diese Produktion die Fehler der Vergangenheit vermeiden, da Westworld Saison 3 das Universum und die Größenordnung des Materials erweitert. Und obwohl es eine deutliche Verbesserung gegenüber der zweiten Staffel ist, ist diese Serie leider noch immer nicht das, was wir uns davon erhofft hatten.

Bevor wir eine kurze Zusammenfassung geben, müssen wir auf Spoiler verweisen. Dolores entkam der zerstörten Westworld und versucht jetzt eine Zuflucht für sich und ihre Art zu erschaffen. Auf ihrer Reise um die Welt trifft sie auf Caleb - gespielt von Aaron Paul, der sich ihr anschließt und ihr dabei hilft, die moderne Gesellschaft Stück für Stück auseinanderzunehmen - beginnend mit Vincent Cassells rätselhafter Figur. Weiter können wir nicht gehen, ohne euch den Spaß an den verschiedenen Handlungssträngen zu nehmen.

Hier geht es vor allem darum, das Westworld-Universum zu erweitern und der Enge des Freizeitparks zu entkommen. Es ist sehr erfrischend in der dritten Staffel eine Welt mit echten Menschen zu erleben und aus dieser konstruierten Realität in die "reale" Realität zu gelangen. Die Set-Designer haben eine wunderbare Cyberpunk-artige Welt erschaffen, die mit ausdrucksstarken Details und tollen Farben beeindruckt.

Westworld - Season 3Westworld - Season 3

Die Serie ist außerdem linearer geworden, was selbst eingefleischten Fans gefallen dürfte. Klar - es gibt immer noch Situationen, in denen uns sprichwörtlich der Boden unter den Füssen weggezogen wird, aber insgesamt ist die Story der dritten Staffel jetzt schlichter zu verfolgen und auch leichter zu verstehen. Das sind gute Nachrichten, denn die Serie hatte zuletzt Probleme dabei, den Fokus aufrechtzuerhalten. In Staffel 2 sollten die Zuschauer immer wieder überrascht werden, was ironischerweise ziemlich vorhersehbar wurde. Linearität und Einfachheit zeigen nicht nur in diesem Beispiel, dass man Spannung auch mit verständlicher Erzählung erreicht.

Aber warum ist die dritte Staffel denn jetzt nicht richtig gut? Zum einen wiederholen sich einige Fehler der Vergangenheit, andererseits kommt es zu neuen Fehltritten. Die Darsteller liefern großartige Leistungen ab, auch wenn viele Charaktere in den Hintergrund gedrängt wurden und nur noch als passive Beobachter dienen. Jeffrey Wrights Bernard und Luke Hemsworths Ashley Stubbs dienen beispielsweise nur noch dem Kontext und helfen dabei, die Motivation der agierenden Figuren besser zu veranschaulichen. Sie selbst haben aber nichts Interessantes mehr beizutragen. Und nicht nur das - die Serie verlässt sich zu stark auf erklärende Dialoge. Dadurch kommt es zu vielen Flashbacks und Wiederholungen, die einfach unnötig sind. Es wirkt fast so, als hätten die Macher Angst davor, Westworld und die sicheren Begrenzungen des Parks endgültig hinter sich zu lassen.

Glücklicherweise spielt die dritte Staffel von Westworld im Hier und Jetzt - mit echten Risiken und Konsequenzen. Wer stirbt bleibt auch tot und nicht nur Teil einer endlosen, brutalen Schleife. Die Kampfszenen sind wunderschön choreografiert, die Umgebungen gigantisch und sehr clever designt. Die neuste Staffel bereitet die Serie besser auf die Zukunft vor, als es die Letzte tat. Hoffentlich können die letzten Reste des erzählerischen Kokons noch abgeworfen werden, um das neue Selbst in vollem Glanz willkommen zu heißen - ganz ohne die bekannten Fallstricke der alten Westworld.

Westworld - Season 3Westworld - Season 3
06 Gamereactor Deutschland
6 / 10
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