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Wolfenstein: The New Order

Wolfenstein: The New Order

Und wieder lehnen wir uns ins einer alternativen Realität gegen die fiese Nazi-Herrschaft auf. Mal schauen, wie sich Machine Games mit Wolfenstein geschlagen haben.

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Der schwedische Entwickler Machine Games zeigt mit Wolfenstein: The New Order alles - nur keine heile Welt. Die Nazis haben den Krieg gewonnen, die USA unterworfen und auch den Rest Welt fest im Griff ihrer Macht. Zu allem Übel haben die Feinde Blazkowicz während des Kriegs ziemlich übel zugesetzt, sodass er sich den Untergang nur machtlos von seinem Rollstuhl aus anschauen kann.

In einem bizarren Intro, das ein bisschen an eine Version von King of the Hill erinnert, muss er miterleben, wie die Nazis in unregelmäßigen Abständen, geisteskranke Patienten misshandeln. Wir wollen gar nicht daran denken. Glücklicherweise erwacht Blazkowicz aber gerade rechtzeitig aus dem Koma, als die Nazis die Nervenheilanstalt angreifen, in der er sich befindet. Bevor wir jedoch Rache üben und eine neue Widerstandsbewegung aufbauen können, müssen wir uns erst einmal blutig den Weg mit einem Messer frei kämpfen.

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Wolfenstein: The New OrderWolfenstein: The New Order
Die Erfahrung ist sehr gewalttätig und die Bluteffekte sind wirklich gut gemacht.

Wolfenstein: The New Order beginnt, wie die meisten Spiele heutzutage, mit einer kurzen Einführung. In diesem Fall befinden wir uns in einem Flugzeug, müssen ein paar Kugeln abfeuern, anderen helfen, die Bewegungsmuster der Feinde erlernen, uns mit Minispielen vertraut machen und die Umgebung absuchen. Richtig los geht das Abenteuer erst, als das Flugzeug landet und wir zu einer Mission á la Der Soldat James Ryan ins feindliche Lager aufbrechen. Das scheint eine ganz unmögliche Aufgabe zu sein und ununterbrochen surren Kugeln an unseren Ohren vorbei.

Im Gegensatz zu den großen Ego-Shootern der letzten zehn Jahre, regeneriert sich unsere Gesundheit nicht nach ein paar Sekunden, wenn wir in sicherer Deckung verschnaufen. In Wolfenstein: The New Order müssen wir immer ein Auge auf Medikits haben, um unseren Balken mit Lebensenergie voll zu halten. Das passt natürlich zum klassischen Wolfenstein-Charme und funktioniert ziemlich gut. Die Kämpfe gewinnen so an Spannung, weil wir uns eben nicht einfach kopflos mit der Pistole ins Gefecht stürzen können. Stattdessen heißt es nachdenken, denn andernfalls könnten wir schnell in eine missliche Lage geraten, sodass der Rest der Mission nahezu unmöglich wird.

Wolfenstein: The New Order
Die Steampunk-Nazis erinnern uns zu oft an die Helghast und sind ideales Kanonenfutter.

Trotzdem fällt bereits recht früh im Spiel auf, dass es Machine Games leider nur teilweise versteht, eben das, was ein richtiges Wolfenstein-Spiel ausmacht, auch im eigenen Spiel umzusetzen. Wie die zuvor erwähnten Medikits für unsere Gesundheit, müssen wir auch Munition aufsammeln. Jeder Feind trägt fünf bis zehn Kugeln bei sich, die wir allerdings nicht selbstständig unserem Inventar hinzufügen. Stattdessen müssen wir diese Aktion jedes Mal per Tastendruck bestätigen. Natürlich verstehe ich, dass man sich hier an die klassischen Elemente zu halten versucht, aber das funktioniert heute einfach nicht und wird mit der Zeit schlicht frustrierend. Genauso gut hätte man das Ganze automatisieren können - zum Spielgefühl trägt es zumindest nichts bei.

Schlimmer ist leider noch, dass es mir während der gesamten Spielzeit nicht gelingt, Freundschaft mit dem Waffenmenü zu schließen. Das mag auf den ersten Blick ein bisschen trivial wirken, aber es hat sich immer wieder mit mir angelegt und ich musste von vorn anfangen, weil ich die falsche Waffe ausgewählt hatte oder mir das Spiel eine zugewiesen hat, die ich mit Sicherheit nicht haben wollte. Es ist ziemlich traurig, ja eigentlich fast peinlich und völlig unverständlich, dass Machine Games an dieser Stelle ein solches Defizit offenbart. Und ich bin nicht der einzige, denn auch meine Kollegen haben ähnliche Probleme. Auch bei ihnen führte dies mehr als einmal dazu, dass verfrüht ins Gras gebissen wurde.

Wolfenstein: The New Order
Wir können oft so an Probleme gehen, wie wir das wollen und das Spiel ganz auf uns zuschneiden.

Im Gegensatz zu einem Call of Duty zeigt Wolfenstein: The New Order allerdings wesentlich mehr Finesse auf einem anderen Gebiet und das ist es, was mir an dem Titel am besten gefällt. Es gibt nämlich die Möglichkeit, verschiedene Spielwege auszuprobieren. Anstatt uns Wege relativ eindeutig vorzugeben, lösen wir Probleme in Wolfenstein: The New Order auf unsere Art. Manchmal schleichen wir uns deshalb an einen Gegner heran, um ihm das Messer tief in den Rücken zu stoßen, und an anderer Stelle packen wir die Knarren aus.

Durch bestimmte Spielstile schalten sich sogar Vorteile frei. Wir werden geradezu ermutigt, unser Vorgehen zu variieren. Investierten wir viel Zeit in Kopfschüsse und verwenden wenige Waffen, schalten wir kürzere Nachladezeiten und größere Magazine frei. Wer sich auf stationäre Geschütze spezialisiert, erhält einen Geschwindigkeitsschub beim Bewegen hinter diesen Waffenriesen. Damit verbunden sind übrigens einige Erfolge beziehungsweise Trophäen. Um Punkte zu verdienen, lohnt es sich also, verschiedene Varianten auszuprobieren.

Wolfenstein: The New Order
Für Fans von Wolfenstein 3D gib est viel Fanservice, nicht zuletzt auch durch eine Variation des Originals.

Das Schleichen ist beispielsweise sinnvoll, wenn sich feindliche Anführer in der Nähe befinden. Entdecken sie uns, rufen sie sofort Verstärkung - so lange, bis wir sie unschädlich machen. Hier leise vorzugehen, um sicherzustellen, dass dieser als erster dran glauben muss, erleichtert uns das Erlegen vom Rest der Bande. Leider ist die Künstliche Intelligenz der Gegner nicht so gut wie erhofft und jeder kleine Raum scheint eine Welt für sich zu sein. Selbst wenn wir in einem Raum mit tosendem Maschinengewehr um uns ballern, so dass uns das Trommelfell platzt, bedeutet dies noch keinesfalls, dass uns auch die Wachposten im Flur hören. Immer wieder werde ich an dieser Stelle dadurch daran erinnert, dass es sich eben nur um ein Spiel handelt.

Dass uns das Trommelfell platzt, ist an dieser Stelle übrigens rein im übertragenen Sinn gemeint. Denn dazu kommt es in Wolfenstein: The New Order nie. Eher im Gegenteil, dem Sound mangelt es an Druckkraft. Insgesamt ist der Mix nicht der beste und oft haben wir Schwierigkeiten, zu verstehen, was gerade gesagt wird. Meine Freundin ist allerdings dankbar, dass Wolfenstein: The New Order nicht auf dieselbe Durchschlagskraft setzt, die andere Kriegsspiele an den Tag legen. Ihr würde es so zumindest viel mehr Spaß machen. Für mich persönlich muss ein solches Spiel aber ordentlich wummern.

Wolfenstein: The New Order
Es gibt viel Abwechslung bei den Umgebungen, die uns in dem Shooter bis zum Showdown erwarten - es geht sogar auf den Mond.

Die Schludrigkeit bei technischen Aspekten zieht sich sogar bis hin zur grafischen Oberfläche. Beim Spielen wird sehr deutlich, dass Wolfenstein: The New Order auch für Playstation 3 und Xbox 360 veröffentlicht wurde. Oft kommt es mir vor, als hätte ich lediglich eine HD-Neuauflage der letzten Generation vor mir - nichts, was man unbedingt auf der neuen Konsole haben müsste. Die Texturen sind schwach, die Effekte kaum herausragend und die Spielwelt wirkt unnötig kantig.

Das grundsätzliche Design ist dennoch ziemlich gut. Die Ästhetik der Gegner ist oft hübsch anzusehen und Machine Games gelingt es, den Nazis einen brutal widerlichen Look zu verpassen, der zur harten und Steampunk-inspirierten Welt passt. Das Ganze erinnern an eine Mischung aus Call of Duty, Resistance: Fall of Man und Killzone - da kann es durchaus schlimmere Inspirationsquellen geben.

Ich hatte auf jeden Fall meinen Spaß mit Blazkowicz. Machine Games beschert uns ein solides Action-Spiel, dem es allerdings eindeutig an herausragenden Elementen mangelt. Am Ende bleibt auch der Nachgeschmack eines unfertigen Spiels. Das liegt nicht daran, dass es voll von Fehlern wäre. Viel mehr gibt es viele kleine nervige Aspekte, die eine größere Testgruppe mit Sicherheit entdeckt und verbessert hätte.

Interessant ist der Titel vor allem natürlich für Wolfenstein-Fans, die sich eine extra Portion Nazi-Ballerei freuen können. Spannend ist er aber sicher auch für alle, die frische Spiele für die neue Konsolengeneration suchen. Allerdings ist Wolfenstein: The New Order nicht das große Comeback, auf das wir gehofft hatten - zumindest nicht auf lange Sicht.

Wolfenstein: The New Order
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06 Gamereactor Deutschland
6 / 10
+
gutes Design, stabile Bildrate, abwechslungsreiche Spielmechaniken, cleveres Talent-System
-
altbackene Grafik, unübersichtliche Menüs, schwacher Sound, schlechte Lösung zum Sammeln von Munition
overall score
ist die Durchschnittswertung von Gamereactor. Wie hoch ist eure Wertung? Die Durchschnittwertung aller Gamereactor-Redaktionen wird aus den Wertungen in allen Ländern erhoben, in denen es lokalen Gamereactor-Redaktionen gibt

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