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Xenoblade Chronicles 2: Torna - The Golden Country

Xenoblade Chronicles 2: Torna — The Golden Country

Monolith Soft. ist zurück in Alrest mit einer Erweiterung, die ihr Gewicht in Gold wert ist.

Das Sahnehäubchen des Saison-Passes von Xenoblade Chronicles 2 ist endlich da. Nachdem einige Monate lang kleinere Inhalte für das JRPG, das vor fast einem Jahr auf der Nintendo Switch erschien, anstanden, hat Monolith Soft. mit der finalen Erweiterung noch einmal ordentlich nachgelegt. Torna - The Golden Country ist ein Abschied des japanischen Studios von der Welt Alrest; und was für ein Abschied es ist.

Xenoblade Chronicles 2: Torna - The Golden CountryXenoblade Chronicles 2: Torna - The Golden Country
Die Geschichte des Add Ons spielt 500 Jahre vor den Ereignissen des Hauptspiels, man muss Xenoblade Chronicles 2 also nicht gespielt haben, um der Torna-Handlung folgen zu können.

Diese Erweiterung, die sowohl digital als auch physisch erwerbbar ist, wird für Nintendo-Verhältnisse auf eine sehr unerwartete Art und Weise veröffentlicht: Es ist ein zusätzliches, völlig eigenständiges DLC-Kapitel, das fast wie ein ganz neues Spiel konzipiert wurde. Der Inhalt hält dabei seinen Preis im Auge und bleibt in dieser Hinsicht mehr als fair - die Geschichte vom goldenen Land Torna ist ihren Preis absolut wert. Monolith war ambitioniert und hat dieses Kapitel mit einem unglaublichen Feingefühl verwirklicht. Dadurch fühlt sich das Add On wie ein eigenständiges Spiel an, das sich dem Ausgangsmaterial harmonisch unterordnet. Teilweise übertrifft Monolith Soft. sogar das großartige Niveau von Xenoblade Chronicles 2.

Im direkten Vergleich der reinen Zahlen mag der neue Inhalt unterliegen. Das ist nicht nur bei der Anzahl besuchter Orte der Fall, sondern auch bei der benötigten Spielzeit, den Charakteren, die wir unterwegs treffen, oder dem Umfang an Nebenaktivitäten so. Auch die kürzere Dauer der Erzählung fällt hierbei auf, allerdings schafft es Torna - The Golden Country eine viel wirkungsvollere Geschichte zu erzählen, als es mit Rex möglich war.

Um der Handlung folgen zu können benötigen wir keinerlei Vorwissen aus dem Basisspiel. Natürlich hat man Vorteile, wenn man Xenoblade Cheonicles 2 selbst abgeschlossen hat, doch auch wer Pyra, Mythra, Rex oder Addam und Jim nicht kennt, wird gut mitkommen. Tornas Rätsel sind auch ohne Kenntnisse aus dem Hauptspiel lösbar, für den maximalen Genuss beider Abenteuer wäre es jedoch empfehlenswert die Veröffentlichungsreihenfolge zu befolgen und dieses Prequel nach dem ursprünglichen Spiel zu spielen. Vielleicht ist es ein zweischneidiges Schwert, schließlich wissen wir dann schon zu Beginn von Torna - The Golden Country, wie die Dinge enden werden.

Xenoblade Chronicles 2: Torna - The Golden CountryXenoblade Chronicles 2: Torna - The Golden Country
Das überarbeitete Spielgerüst verbessert die Präsentation von Xenoblades Chronicles 2, im Handheldmodus sieht das Game daher noch knackiger aus.

Die Ereignisse dieser Episode geschehen 500 Jahre vor Rex' Geschichte und alles beschäftigt sich mit dem Aegis-Krieg. Wer noch im Stoff der Hauptspiel-Geschichte steckt, der wird einige bekannte Gesichter (wieder-)erkennen. Mehr wollen wir an dieser Stelle aber nicht verraten, um niemanden zu spoilern. Bestimmte Ereignisse außer Acht gelassen, hat das Standalone-DLC narrativ die gleichen Vor- und Nachteile, die man schon bei Xenoblade Chronicles 2 beobachten konnte. Dazu gehört in erster Linie, dass Charaktere personifizierte Klischees sind: Die unhöfliche und einsame Jägerin, der eiskalte, stille Typ, die freundliche, aber tapfere Heldin... das Spiel folgt den japanischen Stereotypen nach dem Lehrbuch. Das kann man natürlich machen und auch gut finden, es hindert uns aber eben auch immer wieder dabei, mit den verschiedenen Figuren in Verbindung zu treten. Dieser Stil stößt uns natürlich auch in den Zwischensequenzen entgegen, die Story bleibt sozusagen sehr Xenoblade; entweder wissen die Entwickler es einfach nicht besser, oder sie haben große Sorgfalt an den Tag gelegt, um diese Art beizubehalten.

Was uns beim Thema Erzähltempo nicht gefiel war die Art und Weise, wie Monolith Soft. Sequenzen miteinander verbindet. Gelegentlich müssen wir nur wenige Schritte laufen, um von einem Video in das Nächste zu gelangen. Das mag für wichtige Ereignisse verständlich sein, und geschieht in der Regel nicht einem triftigen Grund, aber manchmal bricht das Tempo dadurch einfach sehr. Torna - The Golden Country nimmt die Formel von Xenoblade Chronicles 2 und behält den Kern und wesentliche Teile der Hauptspiels bei, fügt eigene Kniffe und Wendungen hinzu und packt es schließlich zusammen in eine wahnsinnig komprimierte Fassung. Das Add On fühlt sich gleichzeitig jedoch nie wie ein banaler Zusatzinhalt an, sondern wie etwas viel Bedeutungsvolleres und Ehrgeiziges.

Als ein klares Beispiel für diese Ambition wollen wir auf die komplett neue Grafik-Engine hinweisen, die Monolith Soft. extra für diese Inhalte erstellte. Den Unterschied zum Original lässt sich vor allem im ersten Drittel des Standalones ausmachen, denn dort sind die visuellen Verbesserungen gegenüber dem Hauptspiel am Deutlichsten. Dieser Eindruck weicht mit der Zeit etwas auf, und es gibt hier und da noch ein paar Zwischensequenzen, die übermäßig unscharf gerendert starten. Was wir sehr begrüßen ist die höhere Auflösung im Handheldmodus, wovon vor allem das Blattwerk und die Umgebungsbeleuchtung profitieren.

Etwas, das abgesehen von der reduzierten Größe der Welt (was übrigens schon am Hauptspiel kritisiert wurde, im Hinblick auf das wahnsinnig massive Xenoblade Chronicles X) auf dem ersten Blick wie ein Schritt zurück wirkt, sind die Kampfsysteme. Wir nutzen keine Kernkristalle mehr, um Klingen zu erhalten, womit die Auswahl an Optionen auf lediglich sechs Wesen sinkt. Verbunden sind in Torna - The Golden Country übrigens nur noch zwei statt drei Charaktere miteinander.

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Im nackten Zahlenvergleich unterliegt Torna dem Basisspiel natürlich, aber es ist seinen Preis trotzdem mehr als wert.

Man spart diesen Platz aber nur auf, um Platz für ein ganz neues System zu schaffen. Eines, das sich als dynamischer und lohnender erweist, als es in Xenoblade Chronicles 2 in diesem Umfang möglich war. Das Kampfsystem von Torna erbt die automatisierten Angriffe und die Klingen, die mit ihren unterschiedlichen Fähigkeiten wechseln, sowie die Spezialkombinationen, die sich durch Standardfähigkeiten aufladen. Diesmal kontrollieren wir das alles, ohne die Waffe zu wechseln. Jede Klinge hat somit einen wirklichen Unterschied auf den Kampfverlauf und durch die direktere Befehlseingabe sorgen wir für noch chaotischere, erstaunliche Situationen. Stellt euch vor, ihr entfesselt eine Kette von Schlägen mit Lora, die den Feind betäubt, nur um anschließend schnell zu Jin zu wechseln, der den gelähmten Feind auf den Boden wirft, wo wir mit einem der restlichen Gruppenmitglied massiven Schaden verursachen.

Unser Beispiel bezieht sich übrigens nur zufällig auf Lora, es ließe sich ebenso gut mit Addam, Mythra, Hugo, Egeon oder einem der neun anderen Parteimitglieder illustrieren. Wir können jeden einzelnen von ihnen direkt steuern, allerdings müssen wir vor Beginn eines Kampfes die menschlichen Streiter festlegen und können nur während der freien Bewegung durch Alrest wechseln. Das alles funktioniert schnell und einfach, ohne komplizierte Menüs oder Befehle. Somit ist das Kampfsystem nicht reduziert, sondern es wird gestrafft, um die Komplexität benutzerfreundlicher zu gestalten.

Diese Entwicklung lässt sich übrigens auch im Progressionssystem feststellen: Unsere Charaktere wachsen mit einer derart hohen Geschwindigkeit, dass sie schon nach knapp fünf Stunden Spielzeit so viel Schaden austeilen, wie vier Charaktere aus dem Basisspiel. Es ist das Ergebnis eines besser verpackten Erfahrungspunktevergabesystems, das mit Multiplikatoren und Belohnungen lockt. Dadurch bemerken wir gar nicht, wie wir schon nach wenigen Gefechten Monster angreifen, die wir vorher aus Angst nicht einmal angestarrt hätten.

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Der sehr japanische Stil muss einem natürlich zusagen, sonst fällt es nach wie vor schwer, sich mit den Figuren zu verbinden.

Denn der freie Wille und die zufällige Bewegung der feindlichen Geschöpfe bleibt auch in Torna - The Golden Country bestehen, weshalb sich die Welt wieder natürlich anfühlt. Nebenquests sind ebenfalls zurück, aber nur unwesentlich verbessert oder gar bedeutender (Profi-Tipp: Macht trotzdem so viele wie möglich). Mit ihnen kommt ein neues Reputationssystem zur Geltung, das unserer Truppe dabei hilft sich einen Namen zu machen. Dadurch werden wiederum andere Einwohner uns aufmerksam und wenden sich mit ihren Problemen an uns. Das zweite neue Konzept ist das Camping, das offensichtlich von Final Fantasy XV inspiriert wurde und uns einen Moment der Ruhe und der Entspannung gewährt, um zu Leveln, zu kochen oder Gegenstände zu basteln.

Bevor wir zum Schlusswort kommen, müssen wir der unglaublichen musischen Leistung einen entsprechenden Tribut zollen: Die Arbeit von Yasunori Mitsuda und seiner Crew in Torna - The Golden Country ist einfach phänomenal. Es gibt vielleicht nicht viele brandneue Stücke, aber jeder Track, die allesamt famos komponiert wurden, vermittelt die Perspektive und den Geist dieser Episode. Akustische Klänge und Jazz sind vorherrschend und tragen uns mit Leichtigkeit vom schnelllebigen Gormott bis zur Nostalgie Tornas. Und überall ist diese außergewöhnliche Genauigkeit zu spüren, es ist ein absoluter Hochgenuss für Freunde aufwendiger Musik.

The Witcher 3: Wild Hunt hatte Blood & Whine. Xenoblade 2 hat Torna - The Golden Country. Es ist ein absolutes Must-Have-Kapitel für diejenigen, die ihre Zeit mit Shulk, Elma und/oder Rex genossen haben, und es ist darüber hinaus auch sehr empfehlenswert für RPG-Liebhaber, die keine Zeit für ein komplettes JRPG haben. Genau wie die besten Parfums in kleinen Flaschen, verdichtet diese Episode das Beste aus dem Basisspiel, um es einerseits erträglicher und gleichzeitig überzeugender zu machen.

Xenoblade Chronicles 2: Torna - The Golden Country
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09 Gamereactor Deutschland
9 / 10
+
Neue Kampfmechaniken machen viel Spaß, Handheldmodus sieht besser aus, als das ursprüngliche Spiel. Brillante Musik, ein tolles RPG gibt es jetzt als eigenständiges DLC.
-
Animationen und Tempo lassen stellenweise zu wünschen übrig, Nebenmissionen sind immer noch der Schwachpunkt.
overall score
ist die Durchschnittswertung von Gamereactor. Wie hoch ist eure Wertung? Die Durchschnittwertung aller Gamereactor-Redaktionen wird aus den Wertungen in allen Ländern erhoben, in denen es lokalen Gamereactor-Redaktionen gibt

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