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Kritiken
Yakuza Kiwami 2

Yakuza Kiwami 2

Sega schickt die Mafia-Schläger wieder auf die Straße - die zehn Jahre alte Story erstrahlt nun auf der aktuellsten Engine.

Remaster und Remakes erfreuen sich zur Zeit großer Beliebtheit. Manchmal wird einfach nur faul emuliert, ein anderes Mal ein großer technischer Aufwand betrieben - Sega geht sogar noch einen Schritt weiter, indem sie ihre Yakuza-Spiele zusätzlich mit neuen Inhalten auf einen chronologisch korrekten Stand bringen. Nicht einmal George Lucas hat es geschafft, dass man seine Star Wars Filme in der Reihenfolge ihrer Nummerierung gucken kann, ohne dass die große Überraschung ruiniert wird, dass Darth Vader der Vater von Luke Skywalker ist. Wenn alte Fans die Filme heute zum ersten Mal mit ihren Kindern gucken, nutzen sie deswegen gerne die Reihenfolge 4,5,1,2,3,6. Die aufgemöbelte Yakuza-Serie kann hingegen von Neueinsteigern auf der PS4 (und nach und nach auch am PC) prima mit dem Prequel Yakuza 0 begonnen werden. Dann steigt man nämlich auch technisch minimal etwas kruder ein, da Yakuza 0 und der von der Reihenfolge nächste Teil Yakuza Kiwami noch auf einer älteren Engine laufen.

Inzwischen ist das Ryo Ga Gotoku-Studio, das den Original-Namen der Serie im Namen trägt, da es nur für deren Entwicklung zuständig ist, endgültig im hier und jetzt angekommen: Yakuza Kiwami 2 läuft auf der aktuellsten Engine, die eigentlich für Yakuza 6: The Song of Life entwickelt wurde und katapultiert in diesem technisch einwandfreien Gewand eine der besten Stories der Yakuza-Reihe in die Neuzeit. Im Anschluss an die Geschehnisse von Yakuza Kiwami möchte Held Kazuma als Mafia-Aussteiger eigentlich ein entspanntes Leben führen und sich um das Waisenhaus kümmern, in dem er selbst aufgewachsen ist, und für seine Ziehtochter Haruka da sein. Doch natürlich kommt alles ganz anders - seine ehemalige „Familie", der Tojo-Clan, sieht sich auf einmal von zwei übermächtig erscheinenden Gegnern in die Enge getrieben, und natürlich kann nur Kazuma dieser Bedrohung etwas entgegensetzen. Unterstützung erhält er dabei nicht nur von alten Verbündeten wie Goro Majima und Date-San, sondern kriegt auch noch die Polizistin Kaoru Sayama aus Osaka als unfreiwillige Partnerin an die Seite gestellt.

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Wer jetzt nur Bahnhof versteht, braucht eigentlich gar nicht weiterlesen, sondern sollte sich schleunigst Yakuza 0 und Yakuza Kiwami besorgen und diese durchspielen. Gerade für Leute, die sich für Japan, Sega, (asiatische) Gangsterfilme und Street Brawler Spiele interessieren, ist diese Serie nämlich absolute Pflicht und dank der liebevollen Portierung wird das Ganze sogar immer noch besser. Wie immer beginnt das Spiel mit diversen langen Cutscenes, in denen die neue Engine bereits ihre Muskeln spielen lässt. Texturen, Materialien und Lichteffekte sehen super aus, viele Kamerafahrten und Animationen scheinen hingegen aus dem PS2-Original übernommen worden zu sein, sind aber größtenteils auch vollkommen in Ordnung.

Sobald Kazuma dann im Open-World-Modus den fiktiven Tokioter Stadtteil Kamurocho unsicher macht, kann man wie in Yakuza 6: The Song of Life die meisten Innenräume unterbrechungsfrei begehen, so dass sich auch schon mal eine Schlägerei in einen Supermarkt oder ein Schnellrestaurant verlagert. Dabei fällt schon früh auf, dass die Kämpfe in Yakuza Kiwami 2 etwas waffenlastiger sind. Kazuma kann jetzt komfortabler im Kampf die Waffen wechseln und auch von Gegnern erbeutete Argumentverstärker jederzeit einstecken und für zukünftige Konfrontationen aufheben - Serientypisch zerbrechen die meisten Prügel aber schon nach wenigen Treffern. Weggefallen sind diesmal dafür die verschiedenen Kampfstile, was das Ganze auf der einen Seite etwas eingängiger und übersichtlicher macht, auf der anderen Seite verlaufen die Prügeleien dadurch natürlich etwas weniger abwechslungsreich.

Vom Schwierigkeitsgrad ist man bei den Kämpfen dem ausgewogenen Niveau von Yakuza 6: The Song of Life treu geblieben, im Gegensatz zu Yakuza 0 und Yakuza Kiwami stechen auch Bosse nicht mehr so extrem hervor - das Durchspielen ist auf „normal" kein Problem, hat man ein paar gute Waffen, kräftespendende Energydrinks und genügend Experience dabei. Letztere bekommt man neben der Kämpferei natürlich auch durch das Lösen der unzähligen Nebenquests und Allerweltsaufgaben. Neben dem Essen in den vielen Gaststätten gehört diesmal sogar das Pinkeln dazu, das mit einem eigenen Minigame bedacht wurde. Und hier zeigt sich mal wieder der typische „Yakuza-Style", bei dem neben der überwiegend bierernsten und hochdramatischen Story um testosterongestählte Gangster in den Sidequests brüllend komischer Humor gefeiert wird, indem der ansonsten eiskalte Kazuma auch öfters mal in Verlegenheit kommt oder sich anderweitig rote Ohren abholt.

Dabei haben die Entwickler bei den Minispielen diesmal nicht ganz so kräftig zugelangt wie bei Yakuza 0 oder Yakuza 6: The Song of Life. An emulierten Sega-Klassikern gibt es in den Spielhallen „nur" Virtua Fighter 2 und das relativ exotische Virtual ON zu spielen. Ansonsten ist die typische Mischung aus Kleinkram wie Golfabschlägen und Mahjongg natürlich dabei, die schlüpfrigste Betätigung sind Fotosessions mit zunehmend leicht bekleideteren Models, die das Ryo Ga Gotoku Studio mal wieder in Form von real gefilmten Aufnahmen auf die verschüchterten Otakus loslässt. Eine etwas merkwürdige Entscheidung, gerade in Zeiten von #metoo und Co., doch natürlich bleibt im Yakuza-Land alles einigermaßen züchtig und mindestens einen Bikini tragen die Damen zu jeder Zeit.

Viel interessanter sind sowieso die beiden größeren Minigames, die sogar ihre eigenen Storylines mitbringen. Wie schon in Yakuza 0 ist Sotenboro, der Flanierbereich von Osaka, die zweite große Location im Spiel. Dort bekommt Kazuma die (optionale) Aufgabe in die Schuhe von Goro Majima zu treten und einen Cabaret-Club zu managen. Hier gilt es, Hostessen zu rekrutieren, die zahlende Gäste bei ihrem Baraufenthalt unterhalten und nebenbei deren private Probleme durch Multiple-Choice-Gespräche zu lösen. Die andere große Baustelle ist in der Tat eine ebensolche, denn Goro Majima ist inzwischen ins Baugewerbe eingestiegen und braucht Kazumas Hilfe, seine Großbaustelle gegen feindliche Gangs zu verteidigen.

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Dazu kommt eine Mischung aus Real-Time-Strategie und Tower Defense zum Einsatz, die an den Clan Creator aus Yakuza 6: The Song of Life erinnert. Auch hier gilt es, Mitarbeiter zu rekrutieren und diese aufzuleveln. All diese Aufgaben auf 100 Prozent zu bringen und die Story zu beenden, dürfte an die 50 Stunden füllen, doch das war immer noch nicht alles. Nach einem gewissen Fortschritt im Hauptspiel wird auch noch die „Majima Saga" freigeschaltet. Diese stellt eine völlig eigenständige Handlung dar, in der die Spieler in die Haut von Goro Majima schlüpfen und dessen Werdegang zwischen Yakuza Kiwami 1 und 2 nacherleben.

Umfangtechnisch ist Yakuza Kiwami 2 daher mal wieder um jeden Zweifel erhaben, auch technisch und vom Gameplay her ist es ein absolut mustergültiges Remaster. Einige wenige Wermutstropfen gibt es aber doch: So wurde als Kompromiss nicht jeder Dialog vertont, sondern es kommen auch oft stumme Textboxen zum Einsatz. Als kleinen Trost dafür gibt es diesmal immerhin englische Sprachausgabe neben dem japanischen O-Ton, der allerdings in Verbindung mit Untertiteln eigentlich kultiger ist. Im Laufe der Story wird natürlich wieder extrem viel gekämpft, wobei man gelegentlich auch die Kamera nachjustieren muss und auf die Dauer die minimalen Unterbrechungen, bis Kämpfe auf der Straße wirklich beginnen, etwas nerven.

Dafür gibt es ansonsten recht wenige Bugs und das Spiel wirkt sehr poliert, wobei die vielen „recycelten" Inhalte den Entwicklern dabei sicher zugute kamen. Ganz oben auf der Wunschliste stünde auch noch besseres Antialiasing, das zumindest die PS4 Pro eigentlich ermöglichen müsste. Unterm Strich ist das Spiel aber für Leute, die den Stil sowie den Humor der Serie mögen, ein absoluter Volltreffer und wenn auch in Zukunft so viele Detailverbesserungen vorgenommen werden wie bei den bisherigen Yakuza Neuauflagen, müsste spätestens Yakuza Kiwami 4 den offiziellen sechsten Teil der Serie um einiges überflügeln. Wir können es kaum erwarten!

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Yakuza Kiwami 2
08 Gamereactor Deutschland
8 / 10
+
Hervorragende Technik der Yakuza 6 Engine, großer Umfang mit vielen zusätzlichen Inhalten, eine der besten Storys der Serie
-
Kämpfe auf die Dauer etwas repetitiv, Recycling von Inhalten aus Yakuza Zero und Yakuza 6, leichte Komfortproblemchen
overall score
ist die Durchschnittswertung von Gamereactor. Wie hoch ist eure Wertung? Die Durchschnittwertung aller Gamereactor-Redaktionen wird aus den Wertungen in allen Ländern erhoben, in denen es lokalen Gamereactor-Redaktionen gibt

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